Telekom Fühlt sich vom US-Senat diskrimiert

Die Konzern hat irritiert auf Berichte reagiert, nach denen 30 US-Senatoren sich einer Übernahme des US-Ferngesprächsanbieters Sprint widersetzen.

Bonn - "Die Senatoren scheinen offentsichtlich nicht zu wissen, wie Märkte funktionieren", sagte Telekomsprecher Ulrich Lissek. Es gebe keinen Grund, diese Art Protektionismus zu unterstützen. Deutschland sei zehn Mal offener als die US-Märkte. Ein ausländischer Investor könne problemlos in Deutschland investieren, sagte Lissek.

Das "Wall Street Journal" berichtet in seiner elektronischen Ausgabe, 30 der 100 US-Senatoren hätten sich in einem Brief an die Branchenaufsicht FCC gegen eine Übernahme großer US-Telefonkonzerne durch die Telekom gewandt. Die Senatoren stoßen sich daran, dass die Telekom mehrheitlich im Staatsbesitz ist. Nach dem dritten Börsengang hält der Bund direkt und indirekt noch rund 58 Prozent am Kapital der Telekom.

Das US-Gesetz verbiete den Transfer von FCC-Lizenzen an Unternehmen, die sich zu mehr als 25 Prozent im Staatsbesitz befänden. Dagegen sei gegen den Kauf der US-Mobilfunkfirma AirTouch durch den privaten britischen Konzern Vodafone nichts einzuwenden gewesen.

Nach dem Scheitern der geplanten Fusion von WorldCom und Sprint wird seit Tagen über einen Kauf von Sprint durch die Telekom spekuliert. Vorstandschef Ron Sommer hatte in den vergangenen Monaten immer wieder eine große Akquisition in Nordamerika und Europa angekündigt.

Sprint ist die drittgrößte US-Ferngesprächsgesellschaft (17 Milliarden Dollar Umsatz) und würde nach Einschätzung von Analysten gut zur Telekom passen. Als Preis werden 100 Milliarden Dollar genannt. Auf der Hauptversammlung im Mai hatte sich die Telekom von den Aktionären 1,5 Milliarden Aktien zusätzliches Kapital genehmigen lassen.

Als Limit für Zukäufe nannte Sommer am Wochenende den Börsenwert der Telekom, das heißt gegenwärtig eine Summe von 180 Milliarden Euro. "Wir haben eine gesunde Wachstumspolitik, und wir haben auch unsere Hausaufgaben gemacht", sagte er. Zu möglichen Kaufkandidaten in den USA wollte er sich aber nicht äußern: "Wir haben Optionen im Auge, wollen momentan aber aus verständlichen Gründen nicht darüber reden".

Gegenwärtig sind der Telekom noch die Hände gebunden: Für das Unternehmen gilt wegen des dritten Börsengangs Mitte Juni noch eine Stillhaltefrist von 30 Tagen. In dieser Zeit dürfen nach den Regeln der US-Börsenaufsicht SEC keine größeren Kurs beeinflussenden Maßnahmen angekündigt werden.

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