Metro Wird Real an Tesco verkauft?

Werden die Real-Kaufhäuser an die britische Tesco verkauft? Das von einem britischen Blatt verbreitete Gerücht sorgt für Spekulationen an der Börse.

London - Der britische Einzelhandelskonzern Tesco will nach einem Bericht der "Financial Mail" die deutsche SB-Warenhauskette Real für etwa neun Milliarden Mark von der Metro AG kaufen. Die Gespräche befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, berichtete das Blatt am Sonntag in London. Real würde mit einem Jahresumsatz von 15 Milliarden Mark und einem Marktanteil von gut 7,0 Prozent gut zu Tesco passen, kommentierte das Blatt. Außerdem stehe Metro unter Verkaufsdruck, da der US-Einzelhändler Wal Mart Spekulationen zufolge Metro übernehmen wolle.

Das Gerücht brachte die Metro-Aktie in Schwung: sie nahm bis zum Montagmittag (12,57 Uhr) um 3,1 Prozent auf 38,14 Euro zu. Handelsexperten wiegeln dagegen ab. Sie halten den Real-Verkauf an Tesco für nicht sehr wahrscheinlich.

Tesco müßte bei Real tüchtig drauf zahlen

Der britische Händler müßte bei einem Real-Kauf tüchtig drauf legen, erklärt Handelsexperte Peter Rohleder vom Genfer Beratungs-Institut SCG St. Gallen Consulting gegenüber manager magazin online. Zusätzlich zu dem hohen Kaufpreis müßte der Käufer etwa zwei Milliarden Mark in die Real-Kette stecken, um ihre teilweise maroden Läden auf Vordermann zu bringen. Außerdem käme er nicht umhin, eine weitere Milliarde zu investieren, um im Preiskrieg mithalten zu können, der zur Zeit die Branche erschüttert.

Überdies hätte Tesco im deutschen Markt gegenüber der Metro einen entscheidenden Nachteil, sagt Rohleder: Der britische Händler wäre nicht in der Lage, seinen Lieferanten billige Preise aufzunötigen, wie dies der mächtigen Metro-Gruppe möglich ist. Und die Metro, umgekehrt, müßte mit einem Verlust ihrer Einkaufsmacht rechnen, wenn sie Real abgäbe. Immerhin stehen die SB-Warenhäuser der Marke Real und die Extra-Verbrauchermärkte für ein Viertel des gesamten Metro-Umsatzes.

Auch Carrefour und Wal-Mart werden als Käufer gehandelt

Dass die Metro sich irgendwann von Real trennt, gilt dennoch als wahrscheinlich. Bis auf sein lukratives Cash+Carry-Geschäft wird der Handelsriese die meisten seiner Aktivitäten verkaufen, sind sich Brancheninsider einig. Praktiker-Baumärkte, Real-Supermärkte und selbst die florierenden Media-Märkte dürften früher oder später unter den Hammer kommen - nur, wenn sich die Metro auf ihr ureigenstes Geschäftsfeld, den C+C-Bereich konzentriert, ist sie möglicherweise gegen Übernahmen gefeit.

Als potenzielle Käufer von Real werden - neben Tesco - die französische Carrefour und der US-Riese Wal-Mart gehandelt. Ein Deutschland-Engagement der kürzlich mit Promodes fusionierten Carrefour-Kette wäre strategisch sinnvoll, glauben Handelsexperten; es wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber taktisch unklug: Derzeit ist im deutschen Lebensmittelhandel kein Pfennig zu verdienen.

Als eher wahrscheinlich gilt der Einstieg von Wal-Mart. Der aggressive US-Konzern zwingt zur Zeit die deutschen Händler mit Kampfpreisen in die Knie, seine Kriegskasse ist prall gefüllt. "Wal-Mart muß nur abwarten, bis Real mürbe ist", meint ein Branchen-Insider, "und irgendwann bekommt er das Unternehmen zum Schnäppchenpreis".

Metro-Sprecher Martin Raßfeld mochte am Montag gegenüber manager magazin online nichts zu den Kauf-Gerüchten sagen. Auch Tesco wollte die Gerüchte weder bestätigen noch dementieren. Klarheit bringt wohl erst die Hauptversammlung am Dienstag-Vormittag.