Euro 2000 "Golden Goal" beschert Frankreich den Titel

Frankreich ist zum zweiten Mal Fußball-Europameister. Durch ein "Golden Goal" von David Trezeguet in der 103. Minute gewann der Weltmeister das Finale gegen Italien in der Verlängerung mit 2:1.

Rotterdam - Dank eines "Golden Goal" von David Trezeguet hat Frankreich 721 Tage nach seinem Heimsieg bei der WM 1998 mit dem zweiten Titelgewinn bei einer Fußball-EM ein historisches Double vollbracht. Die "Equipe Tricolore" besiegte im Finale der Euro 2000 Italien mit 2:1 (1:1, 0:0) in der Verlängerung.

Das französische Team ist damit erst das zweite nach dem entthronten Titelverteidiger Deutschland, der sich gleichzeitig Weltmeister und Europameister nennen kann. Deutschland hatte 1972 zunächst den EM-Titel, zwei Jahre später den WM-Titel gewonnen, die Franzosen sind die erste Mannschaft, der das historische Double in umgekehrter Reihenfolge gelang.

Der Treffer von "Joker" Trezeguet fiel in der 103. Minute. Erst eine halbe Minute vor Ende der regulären Spielzeit hatten die favorisierten, aber zunächst schwach spielenden Franzosen den Ausgleich erzielt. Der eingewechselte Sylvain Wiltord rettete den Weltmeister nach dem Führungstreffer des Italieners Marco Delvecchio (55.) mit seinem Last-Minute-Treffer in die Verlängerung.

Für die Franzosen, von denen jeder der 22 Spieler eine Erfolgsprämie von umgerechnet 420.000 Mark, war es der zweite EM-Titel nach dem Triumph 1984 im eigenen Land und zugleich ihr erster internationaler Titel, den sie im Ausland gewannen.

Unter den Augen hochkarätiger Prominenz wie Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac und Premierminisyter Lionel Jospin, Italiens Staatschef Carlo Ciampi, Niederlandes Königin Beatrix und Prinz Claus sowie Deutschlands Innenminister Otto Schily fehlte dem Finale lange die Klasse. Das Duell "Les Bleus" gegen die weiß gekleideten "Azzurri" war zu sehr von der Taktik bestimmt, zu viel stand auf dem Spiel.

Dabei war von bis dahin bei der EM praktiziertem italienischem Catenaccio im Stadion "De Kuip" nichts zu sehen, im Gegenteil: Die Mannschaft von Dino Zoff suchte den offenen Schlagabtausch gegen die technisch versierten Franzosen. Die kamen nicht auf Touren, weil ihr Superstar Zinedine Zidane dem Spiel nicht wie gewohnt den Stempel aufdrücken konnte. "Zizou" wurde in seinen Aktionen von Demetrio Albertini oder Luigi di Biagio eingeengt.

"Ich fühle mich sehr schlecht. Das ist einer der schwierigesten Momente in meinem Leben. Wenn einem der Sieg in der letzten Minute aus den Fingern gleitet, ist das bitter", sagte Italiens Trainer Dino Zoff, der dicht davor stand, seinen zweiten EM-Titel nach 1968 zu erringen.

Da im Team von Trainer Roger Lemerre kein Spielgestalter stand, waren Torchancen gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Italiener Mangelware. Die hochkarätigste Möglichkeit hatte der Lauterer Youri Djorkaeff, doch er fand in der 38. Minute in Italiens Schlussmann Francesco Toldo seinen Meister. Er parierte den Zehn-Meter-Schuss mit einer hervorragend.

Nach der Pause wurde die Begegnung lebendiger, interessanter und spannender. Anteil daran hatten vor allem die Italiener. Sie wirkten drei Tage nach dem strapaziösen 120-Minuten-Krimi gegen die Niederlande nicht müde, spielten selbstbewußt auf und gingen verdient durch Delvecchio in Führung. Das französische Team ging mit zunehmender Spieldauer zwangsläufig mehr Risiko, forcierte das Tempo und gewann letztlich glücklich.