Fußball-Nationalelf Der neue Teamchef heißt Rudi Völler

Endlich soll Schluss sein mit dem Stümper-Gekicke: Rudi Völler, Sport-Direktor bei Bayer Leverkusen, folgt als Interims-Chef dem glücklosen Erich Ribbeck. Im Jahre 2001 übernimmt Christoph Daum das Kommando. Auch Bayerns Karl-Heinz Rummenigge hilft mit.

Köln - Daum, zur Zeit Trainer von Bayer Leverkusen, wird damit erwartungsgemäß neuer Fußball-Bundestrainer - aber erst ab dem 1. Juni 2001. Für die Übergangszeit ist beim "Gipfeltreffen des deutschen Fußballs" am Sonntag in Köln Ex-Nationalspieler Rudi Völler als Übergangslösung mit der Position eines Teamchefs und damit als Nachfolger von Erich Ribbeck aus dem Hut gezaubert worden.

Zudem arbeitet ab sofort Bayern Münchens Vizepräsident Karl-Heinz Rummenigge als Teammanager für die Nationalmannschaft: Der Ex-Nationalspieler soll eine Bundesliga-"Task Force" leiten, die einen geeigneten Trainer für die Übergangszeit sucht, da Völler keine Trainerlizenz besitzt.

"Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden", behauptete DFB-Vizepräsident Gerhard Mayer-Vorfelder nach über vierstündigen Beratungen in einem Kölner Privathaus. Der völlig überraschende Kompromiss sei sein Vorschlag gewesen, räumte er ein, legte jedoch auf die Feststellung wert, "dass wir diese Lösung in großem Konsens mit allen Beteiligten erreicht haben."

Im Klartext: Der DFB, Bayer Leverkusen und Bayern München holten sich während ihrer Beratungen das Okay auch jener Bundesligisten ein, die zuletzt Nationalspieler abstellten. Die von Rummenigge geleitete Bundesliga-"Task Force" gewährleistet, dass die Klubs der Nationalspieler in Zukunft Mitspracherecht bei der Nationalmannschaft genießen.

Bis Daum seinen bis 2004 laufenden Vertrag als neuer National-Trainer beginnen kann, soll sein bisheriger Sportmanager bei Bayer Leverkusen, Rudi Völler, aushelfen. Gemeinsam mit einem noch gesuchten Trainer als "Überbrückungshilfe" wird Völler zunächst das Freundschaftsspiel gegen Spanien am 16. August in Hannover verantworten, anschließend auch die vier Partien in der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2002 bis einschließlich Ende Mai 2001. "Ich wünsche Rudi den größtmöglichen Erfolg. Er soll alle Spiele gewinnen. Mit diesem Druck kann ich leben", wünschte sich der zukünftige Bundes-Trainer Daum.

Bei den Gesprächen am Sonntag nachmittag, an denen neben Mayer-Vorfelder, Daum, dessen Sohn Marcel, Völler und Rummenigge auch die Manager Reiner Calmund (Bayer Leverkusen) und Uli Hoeneß (Bayern München) teilnahmen, erhielt Daum keine vorzeitige Freigabe von Leverkusen. Seine Arbeit für den DFB wird Daum, der Völler als ein "Berater" (Mayer-Vorfelder) bereits zur Seite stehen wird, mit dem WM-Qualifikationsspiel am 2. Juni gegen Finnland beginnen.

Die optimale Lösung, sprich: die sofortige Freigabe von Daum, konnte der DFB freilich nicht erringen. "Man muss Verständnis haben, dass wir Daum nicht direkt freigeben konnten", sagte Völler, der sein Amt als Sportmanager bei Bayer Leverkusen ab sofort ruhen lässt. Der Weltmeister von 1990, seit 1996 nicht mehr aktiv, fügte hinzu: "Wir müssen sehen wie es mit Rummenigge und mir klappt. Die Lösung ist definitiv nur für zehn Monate." Und sie ist die Lösung Leverkusen: "Christoph Daum und ich haben fast tagtäglich zusammen gearbeitet, ich kenne seine Konzepte", verdeutliche Völler, der damit einen reibungslosen Übergang zu Daum garantieren dürfte.