Samstag, 21. September 2019

Staatsanleihen Deutschland zahlt erstmals keine Zinsen

Die Euro-Schuldenkrise führt zu einer Kursrally am deutschen Anleihemarkt, im Gegenzug sinken die Renditen

Deutschland hat sich erstmals für zwei Jahre refinanziert, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen. Der Grund: Griechenlands möglicher Austritt aus der Euro-Zone treibt Anleger in den sichersten Hafen der EU.

Frankfurt am Main - Bei einer Versteigerung zweijähriger Bundesschatzanweisungen mit einem Zinskupon von 0 Prozent lag die erzielte Rendite bei 0,07 Prozent, teilte die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur. Dies ist der tiefste jemals erzielte Effektivzins in diesem Laufzeitbereich.

Die positive Nominalverzinsung kam nur deswegen zustande, weil die Anleger die Anleihe unter Pari - also zu einem Kurs unter dem Nennwert des Papiers - erhielten. Die reale Verzinsung liegt bei einer aktuellen Inflationsrate von 2,1 Prozent deutlich im negativen Bereich. Das bedeutet, dass die Investoren über die Laufzeit hinweg Vermögensverluste erleiden - ihr Kapital also aufgezehrt wird.

Die Nachfrage nach dem neuen Papier war dennoch hoch. Sie hätte ausgereicht, um deutlich mehr als das Angebot unterbringen zu können (Überzeichnung 1,7-fach). Insgesamt nahm der Bund mit der Auktion 4,555 Milliarden Euro auf. Der Restbetrag soll über die sogenannte Marktpflegequote am freien Markt angeboten werden, damit auch Kleinanleger zugreifen können. Somit steigt das Gesamtvolumen der Emission auf fünf Milliarden Euro.

Schuldenkrise lockt Anleger

Dass die Investoren auf das magere Angebot des Bundes überhaupt eingegangen sind, liegt an der Euro-Schuldenkrise. Denn Deutschland gilt als einer der letzten verlässlichen Kreditnehmer im Währungsraum. Aus diesem Grund laufen die Anleger bereits seit Monaten in Scharen den "sicheren Hafen" deutscher Staatsanleihen an. Das führt zu einer Kursrally am deutschen Anleihemarkt. Im Gegenzug sinken die Renditen - also das Verhältnis von Nominalzins und Kursniveau - fast täglich auf neue historische Tiefstände.

Das hat Auswirkungen auf die Auktion neuer Staatsanleihen: Weil die Rendite im zweijährigen Bereich nahe 0 Prozent liegt, bleibt der deutschen Finanzagentur faktisch kaum etwas übrig, als auf die gewöhnlichen Zinszahlungen per Kupon zu verzichten.

Im Januar war dem Staat sogar das bislang einmalige Kunststück gelungen, mit Schulden Geld zu verdienen. Beim Verkauf von Geldmarktpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten nahm der Bund 3,9 Milliarden Euro ein - bei einem durchschnittlichen von minus 0,0122 Prozent.

Was den deutschen Finanzminister freut, zeigt jedoch auch die Zerrissenheit im Währungsraum: Euro-Krisenländer wie Spanien und Italien müssen über alle Laufzeiten hinweg viel höhere Zinsen als Deutschland bieten, um frisches Kapital anzulocken. Besonders drastisches Beispiel: Für dreißigjährige Schulden muss Deutschland aktuell gerade mal 2 Prozent bieten - das ist deutlich weniger als viele südeuropäische Länder für zwei Jahre oder noch geringere Laufzeiten zahlen müssen.

mg/dpa-afx

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