Krise in Europa Euro-Bills statt Euro-Bonds

Griechenland droht nach Neuwahlen der Abschied aus der Euro-Zone, Europa rutscht trotz Deutschlands Stärke in die Rezession - wie geht es weiter mit dem Euro? Helfen könnten kurzfristig ausgelegte Euro-Bills, schlägt Andrew Bosomworth vom Anleihenmanager Pimco vor.
Von Arne Gottschalck
Griechischer Euro: Wie lange noch ein gültiges Zahlungsmittel?

Griechischer Euro: Wie lange noch ein gültiges Zahlungsmittel?

Foto: dapd

mm: Herr Bosomworth, schauen wir einmal drei Monate in die Zukunft - wird Griechenland dann noch in der Eurozone sein?

Bosomworth: Ich weiß es nicht. Das wäre durchaus möglich, dass das nicht mehr der Fall ist. Wir stehen am Scheideweg. Entweder die Länder bewegen sich mehr aufeinander zu oder sie gehen auseinander.

mm: Und was ist wahrscheinlicher?

Bosomworth: Der Status Quo funktioniert nicht mehr. Es ist wahrscheinlicher, dass sich die Euro-Zone hin zu einer kleineren, homogeneren und weniger anfälligen Gemeinschaft entwickelt, etwa durch das Ausscheiden von Ländern wie Griechenland, als dass eine richtige politische Fiskalunion geschaffen wird. Insofern ist das eine asymmetrische Risikoverteilung …

mm: Die sich auch an den Finanzmärkten niederschlägt. Entweder die Investoren gehen voll ins Risiko oder lassen die Risiken links liegen.

Bosomworth: Ja, das ist auch unser Eindruck. Dazwischen gibt es derzeit wenig.

mm: Zur Lösung der Krise schlagen Sie Euro-Bills vor. Was ist das?

Bosomworth: Ein Baustein auf dem Weg, der die Probleme aber nicht lösen wird. Es sind eine Art Euro-Bonds, aber eben nur für die kurzlaufenden Verbindlichkeiten. Niemand kann sich so auf Kosten der Gemeinschaft langfristig günstig finanzieren. Langfristig werden wir uns in eine andere Richtung entwickeln müssen.

mm: Und die wäre?

Bosomworth: In eine Fiskalunion, in der auch Transferleistung geleistet werden. Vorher aber müssen einige Dinge geklärt werden. Das sind die Konditionen, der Fahrplan und die demokratische Legitimation. Solche tiefgreifenden Veränderungen können nicht ohne Legimitation durch den Bürger entstehen.

mm: Und über welchen Zeitraum reden wir?

Bosomworth: Das sind durchaus zehn Jahre. Die EU ist zu einem sehr komplexen Gebilde geworden. Inzwischen haben wir Gesetze, die für die 27 EU-Länder gelten und solche für die Euro-Länder. Das macht es so schwierig zu durchschauen, wer wofür zuständig ist und wer welche Kompetenzen hat.

Anleger verschlimmern die Situation in Europa

mm: Und was machen Ihre Kunden, die Investoren?

Bosomworth: In Amerika ist das am deutlichsten, da steigt das Interesse an einfachen Anleihenprodukten. Immerhin zieht die Sparquote in Amerika wieder an und das wird auch auf Sicht der kommenden drei Jahre so bleiben.

mm: Nachdem die Amerikaner jahrelang "entspart" haben, oder, etwas böser formuliert, auf Pump gelebt haben.

Bosomworth: Ja, das Niveau der Jahre bis 2007 war auch nicht mehr tragbar.

mm: Und in Europa, was machen die Investoren nach Ihrer Wahrnehmung da?

Bosomworth: Sie ziehen sich immer weiter aus den Peripheriestaaten zurück, was zu eine permanente Rückgang der Nachfrage deren Staatsanleihen führt. Und jeder Schritt verschlimmert die dortigen Probleme.

mm: Weil keiner deren Anleihen haben will. Wäre das japanische Vorbild eine Lösung?

Bosomworth: Dass die Anleihen alle in den Händen heimischer Sparer liegen? Nun, auch das kann zu einem Problem werden insofern, dass es kaum sozialverträglich ist, die Sparquote durch eine Straffung der Fiskalpoitik dramatisch zu erhöhen. Es setzt nämlich voraus, dass eine Art von Generationenvertrag in Kraft bleibt. Die Jungen erben die Schulden, aber eben auch Vermögen. Das sind staatliche Vermögenswerte wie Straßen oder Universitäten. Das geht automatisch. Es müssen aber auch private Vermögen vererbt werden. Wenn also die ältere Generation anfängt, das Geld auszugeben, dann droht eine Aufkündigungen des Pakts. Und derzeit sinkt die Sparneigung der japanischen Senioren deutlich.

mm: Ist die Idee einer Währungsgemeinschaft mit den jüngsten Turbulenzen eigentlich weltweit zu Grabe getragen worden?

Bosomworth: Ich denke nein: Die Asiaten werden daraus sicherlich ihre Lehren ziehen. Sämtliche Währungsgemeinschaften, zum Beispiel das Habsburger Reich, fielen nach im Schnitt 51 Jahren auseinander, weil die Länder unterschiedliche Vorstellungen bezüglich der Fiskalpolitik hatten.

mm: Die Rolle des "moral hazard" ist also so klein nicht.

Bosomworth: Nein, und die Bedeutung ist sehr groß. So etwas muss unterbunden werden, sonst funktioniert so eine Union nicht.

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