Freitag, 23. August 2019

Samsung Das aggressivste Unternehmen der Welt

Angriff aus Korea: Wie Samsung die Welt erobern will
AFP

5. Teil: Die Lee-Dynastie - wer soll Samsung noch stoppen?

Die Kunden profitieren von dem bedingungslosen Einsatz. Verspricht Samsung-CEO Choi etwa der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen, in kurzer Zeit ein neuartiges Handy zu bauen, können sich die Bonner sicher sein, dass sie ihre Ware pünktlich erhalten. So zuletzt im Sommer 2011 geschehen, als der Magentakonzern zur Branchenmesse Ifa unbedingt mit dem ersten Mobiltelefon des neuesten Übertragungsstandards LTE hierzulande glänzen wollte.

Samsung fertigte ein solches Gerät innerhalb von nur drei Monaten. "Wir sind immer wieder überrascht, mit welcher Schnelligkeit und Innovationskraft Samsung auf Kundenbedürfnisse reagieren kann", lobt Michael Hagspihl, der bei der Telekom für strategische Partnerschaften zuständig ist.

Glückliche Kunden, steigende Marktanteile, Rekordgewinne - im vergangenen Jahr verdiente allein das Elektronikgeschäft rund neun Milliarden Dollar - viele Konkurrenten fragen sich, wer Samsung noch stoppen soll.

Führungswechsel an der Spitze des Konzerns

Manch einer hofft, dass der anstehende Führungswechsel an der Spitze des autoritären Konzerns zu Brüchen führen könnte. Seit einiger Zeit wird Lee Jae Yong (43) zum Thronfolger für seinen schon merklich altersschwachen Vater aufgebaut. Als Kronprinz ist der junge Lee derzeit so etwas wie ein Außenminister und leitet die Beziehungen zu den wichtigsten Großkunden wie Apple.

Lee Jae Yong hat im Ausland studiert und Unsummen zu Zeiten des Dotcom-Fiebers verschleudert. Keiner weiß, ob er den Konzern führen kann, zumal sich jetzt auch die negativen Seiten des rücksichtslosen Kurses des Alten zeigen:

  • Kaum ein ausländischer Manager will auf Dauer für die Koreaner arbeiten, ohne kulturelle Öffnung jedoch wird es schwierig, fremde Märkte zu erobern.
  • Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen haben Samsung ins Visier genommen. Gerade erst erreichte der Konzern Platz drei beim "Public Eye Award", einem Preis, den unter anderem Greenpeace an die "übelsten Unternehmen des Jahres" verleiht. Samsung war kaum besser als Fukushima-Kraftwerksbetreiber Tepco.
  • Compliance und Governance sind fern von westlichen Standards. Schon 2007 erhob ein Ex-Justiziar des Konzerns massive Vorwürfe gegen das Topmanagement. Lee Kun Hee wurde zwei Jahre später wegen Pflichtverletzungen zu drei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt - im selben Jahr aber wieder begnadigt. Der Grund für die Milde: Korea brauchte ihn, damit er die Olympischen Spiele in die Heimat holte.

Bisher ist es der Lee-Dynastie immer noch gelungen, die Untertanen dann zu mobilisieren, wenn es bedrohlich wurde. Die Samsung-Armee wird sich in Zukunft also noch ein bisschen mehr anstrengen. Ihr bleibt ein kleiner Trost für die vielen Strapazen: Wer seine Arbeit ordentlich verrichtet hat, darf mit der ganzen Familie einen Lucky Sunday verbringen - in Everland, dem Freizeitpark.

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung