Donnerstag, 20. Juni 2019

Samsung Das aggressivste Unternehmen der Welt

Angriff aus Korea: Wie Samsung die Welt erobern will
AFP

4. Teil: Schlacht in zehn Ländern um Designs und Patente

Nach Kräften versucht Apple-Chef Tim Cook, sich aus der Abhängigkeit von Samsung zu befreien. Doch allein neue Zulieferer werden nicht reichen, um den Erzfeind auf Distanz zu halten. "Die einzige Chance für Apple ist exzellentes Design, ein einzigartiges Kundenerlebnis und Kreativität", urteilt Gérard Richter, Experte für die Telekommunikations- und Elektronikindustrie bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Denn originäre Kreationen wie Walkman oder iTunes hat Samsung bisher nicht erschaffen.

Samsung, so der Vorwurf der Mitbewerber, versuche, den wunden Punkt mit unfairen Mitteln zu kaschieren. "Kein Konzern verstößt vorsätzlicher gegen Rechte von Wettbewerbern", schimpft ein Manager der Konkurrenz. Das Motto laute: Wir machen das erst einmal - einigen kann man sich dann immer noch.

Allein mit Apple liefert sich Samsung inzwischen in zehn Ländern eine Schlacht um geschützte Designs und Patente. Und obgleich die Amerikaner in einigen Ländern sogar ein Verkaufsverbot für bestimmte Samsung-Geräte erreichen konnten, denken die Koreaner nicht daran zurückzuweichen. Im Gegenteil: Sie überziehen Apple ihrerseits mit Klagen.

Auch wer als Partner mit Samsung zusammenarbeitet, muss sich auf eine raue Gangart gefasst machen, wie der Automobilzulieferer Bosch gerade leidvoll erfährt. Der Stuttgarter Konzern betreibt gemeinsam mit den Koreanern ein Joint Venture für Elektroautobatterien namens SB Limotive, das unter anderem Chrysler, GM und BMW Börsen-Chart zeigen mit Batterien oder Technologie für seine E-Mobile versorgen soll.

"Keine Partnerschaften, sondern nur Sieger und Besiegte"

Doch die Zusammenarbeit funktioniert nicht. Bosch-Manager beklagen, dass Samsung zwar gern das Know-how des Partners aufnehme, das eigene aber nicht teilen wolle. Für Samsung, resümiert ein Bosch-Manager, gebe es keine gleichrangigen Partnerschaften, sondern "nur Sieger und Besiegte". Das Joint Venture steht deshalb kurz vor dem Aus.

Samsung fighting. Die Aggressivität des Konzerns spiegelt sich nirgendwo besser wider als im Führungsmodell. "Samsung ist eine militärisch geführte Organisation", konstatiert der Wirtschaftsprofessor Chang Sea Jin aus Singapur, der den Konzern seit vielen Jahren beobachtet. Freundlich ist nur das Gesicht den Kunden gegenüber. Nach innen gilt eine Mischung aus bedingungslosem Gehorsam, Korpsgeist und Misstrauen gegenüber dem Einzelnen, insbesondere gegenüber den aus dem Ausland rekrutierten Mitarbeitern.

Topführungskräfte erhalten bei Samsung aus Prinzip lediglich Jahresverträge. Ob diese verlängert werden, entscheidet das Secretary Office, der engste Führungszirkel rund um Lee Kun Hee, zu dem auch Samsung Electronics Chief Executive Choi Gee Sung (61) gehört. Wer der Beurteilung durch diese rund 100 Lee loyal ergebenen Männer nicht standhält, muss damit rechnen, auf erniedrigend bedeutungslose Posten abgeschoben zu werden.

Arbeiten am Wochenende ist aber auch dort die Regel. Und wer nach Feierabend nicht mit den Kollegen zum Trinken weiterziehen will, sollte sich auch dafür rechtzeitig abmelden. Der strenge koreanische Geist herrscht selbst in den Auslandsgesellschaften. Vielen der lokalen Manager steht eine Art koreanischer Schatten zur Seite - der eigentlich das Sagen hat, selbst wenn er formal der heimischen Kraft unterstellt sein mag.

Ein ehemaliger Samsung-Mann, der Jahre in der Electronics-Zentrale in Suwon verbracht hat, erinnert sich immer noch mit Schaudern an die jährlich stattfindenden internen Schulungen für Spitzenkräfte - von nichtkoreanischen Managern gern "Gehirnwäsche-Camp" genannt. Aufgestanden wird morgens um halb sechs, danach steht Frühsport auf dem Programm. Es folgen Lektionen in Samsung-Geschichte und -Leitprinzipien wie Stolz, Exzellenz oder Gehorsam.

Letzterer ist auch für die Schnelligkeit der Organisation mitverantwortlich. "Wenn aus dem Vorstand nachts ein Befehl kommt, marschiert am nächsten Morgen weltweit eine 20.000-Mann-Armee los", erklärt ein Aussteiger.

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