Samstag, 21. September 2019

Samsung Das aggressivste Unternehmen der Welt

Angriff aus Korea: Wie Samsung die Welt erobern will
AFP

2. Teil: Samsung fighting - bald auch gegen Siemens und Continental

Legendär ist Lees Devise "Tauscht alles aus außer eurer Frau und euren Kindern", mit der er Mitte der 90er Jahre den Konzern auf das digitale Zeitalter einschwor. Erst im vergangenen Jahr ließ er den Vorstand wissen: In zehn Jahren werden die Produkte, mit denen Samsung heute erfolgreich ist, nicht mehr gefragt sein.

Die entsprechende Parole in den verglasten Bürotürmen im Seouler Stadtteil Samsung Town: "Samsung fighting".

Einer, der ganz vorn mitkämpft, ist Cho Bum Coo. Der Senior Vice President von Samsung Electronics, die Haare akkurat nach hinten gegelt, sitzt in einem Hinterzimmer abseits des großen Gewusels des Mobile World Congress in Barcelona. Cho ist zur größten Mobilfunkmesse der Welt angereist, weil er das Geschäft mit Unternehmensdienstleistungen für Smartphone und Tablet erobern will. Bisher galten die Samsung-Geräte dafür als nicht sicher genug. Nun hat sich der Konzern mit den Deutschen von SAP Börsen-Chart zeigen zusammengetan.

"Wir werden den Markt sehr aggressiv angehen", startet der Samsung-Mann seine Verkaufstour. In fünf Jahren schon werde Samsung hier Erlöse im zweistelligen Milliardenbereich einfahren, außer Firmen wolle man auch Krankenhäuser oder Schulen mit der neuen Technik ausstatten. "Es wird ein Leichtes sein, unsere Ziele zu erreichen", frohlockt der Manager.

Kopiere, lerne, verbessere - und nutze nahezu unbegrenztes Kapital

So angriffslustig wie Cho steht in Korea derzeit eine ganze Managerriege bereit. Medizintechnik, Solarindustrie, Infrastruktur für die Handynetze von morgen und Batterien für Elektroautos wollen sie bald schon weltweit feilbieten und damit zu Konkurrenten von Siemens Börsen-Chart zeigen, Philips Börsen-Chart zeigen und Continental Börsen-Chart zeigen aufsteigen. In jedem dieser Geschäfte wollen die Samsung-Männer, wie sie sich selbst nennen, zur Weltspitze gehören.

Die Konkurrenz ist alarmiert - und sie tut gut daran. Im Vergleich zu anderen Multikonzernen ist bei Samsung die Liste der Fehlschläge gerade in jüngerer Zeit erstaunlich kurz.

Kopiere, lerne, verbessere - so lautet die Grundrezeptur für Samsungs Erfolg. "Können wir das nicht nachmachen?", lautet eine der ersten Fragen, wenn Samsung darüber nachdenkt, einen Konkurrenten zu kaufen, berichtet etwa ein ehemaliger Topmanager. Erfolgreich wird die Strategie aber erst durch eine weitere Zutat: nahezu unbegrenztes Kapital.

Darüber verfügt Samsung, weil der Konzern über Jahrzehnte weitgehend unbehelligt gedeihen konnte, gestützt durch einen abgeschotteten Markt, aufgepäppelt mit staatlich garantierten Krediten und einer schwachen Währung (Won), die den Export erleichterte.

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