Donnerstag, 18. Juli 2019

Institut Euro-Austritt Griechenlands wäre "Befreiungsschlag"

Proteste in Athen: "Eine Streckung des Zeitplans könnte Sinn machen - wenn Hellas weiter spart"

Der Austritt Griechenlands könnte ein "Befreiungsschlag" für den Rest der Euro-Zone sein, meint das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Griechenland selbst würde jedoch ins Chaos stürzen. IW-Chef Michael Hüther sieht eine Alternative zum Euro-Austritt.

Berlin - Auf Deutschland sieht Hüther im Falle eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone im negativsten Fall rund 86 Milliarden Euro an Kosten zukommen. Für die Euro-Länder zusammen könnten die Kosten sich maximal auf rund 300 Milliarden Euro summieren, sagte Hüther

Das Risiko von Ansteckungsgefahren für andere Länder wie Italien und Spanien sei zwar gegeben, aber begrenzt. "Notfalls wird der Euro auch ohne Griechenland überleben." Erfülle Griechenland aber weiter seine Sparauflagen, könnte eine Streckung des Zeitplans für das Erreichen seiner Sparziele Sinn machen. Das gelte auch für Spanien und Italien.

"Das Chaos bricht in Griechenland aus, wenn das Land aus der Eurozone austritt, nicht wenn es in der Eurozone bleibt", sagte Hüther. Eine Zunahme von Pleiten, höhere Arbeitslosigkeit und Bankenschließungen könnten nach seinen Worten womöglich aber auch andere Krisen-Länder im Euroraum davor abschrecken, einem Weg Griechenlands mit der Aufkündigung seiner Spar- und Zahlungsverpflichtungen zu folgen.

Für den Währungsraum selbst wäre ein Ausstieg des Landes "finanziell schmerzlich, aber letztlich verkraftbar". Der IW-Chef warnte davor, Griechenland die Einhaltung seiner Verpflichtungen zu erlassen. Dies wäre dann ein Präzedenzfall, der die gesamte Strategie im Währungsraum von Hilfen bei Gegenleistungen gefährden würde.

Italien: "Zu groß für den Rettungsschirm"

Die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission dürfe hier keine "faulen Kompromisse" machen und die Reformpakete nennenswert aufweichen. Die EU-Rettungsschirme EFSF und ESM hält Hüther mit einem Hilfevolumen von rund 800 Milliarden Euro für alle absehbaren Herausforderungen für ausreichend und angemessen. "Eine darüber hinausgehende Aufstockung, die Italien und Spanien in den Blick nimmt, halte ich für illusionär", sagte er. "Das ist nicht aufzufangen".

Italien sei "too big to save", also von der Schuldensumme her viel zu groß, um von Europa über seine Rettungsschirme gerettet werden zu können. Auch Spanien würde eine riesige Herausforderung darstellen. Teillösungen, beiden Ländern übergangsweise zu helfen, seien aber unter den Rettungsschirmen möglich.

Allerdings seien beide Länder auf ihrem Gesundungskurs auf einem guten Weg. Hüther schlug vor, den Ländern ein Jahr mehr Zeit bis 2014 zu geben, um ihre Defizitziele zu erreichen. Vor einem Zerbrechen sieht Hüther die Eurozone nicht.

Vom neuen französischen Präsidenten Francois Hollande erwartet Hüther keinen Abschied vom Konsolidierungskurs, denn der Druck der Finanzmärkte werde hoch bleiben. Eurobonds lehnte das IW erneut ab, da ihre Einführung zu finanzpolitischem "Schlendrian" in Europa führen würde. Auch eine Finanzierung für Hilfeländern direkt über die EZB lehnte er unter anderem wegen der daraus erwachsenden Gefahren für die Unabhängigkeit der Notenbank ab.

la/reuters

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