Gold Investieren wie George Soros

Gold gilt als Kriseninvestment, als sicherer Hafen. Doch obwohl die Euro-Krise neu aufflammt, bewegt sich der Preis des Edelmetalls kaum. Immerhin: Investorenlegende George Soros greift offenbar zu.
Von Arne Gottschalck
Gold als Portfolio-Baustein: In den vergangenen Jahren fast eine Selbstverständlichkeit, um sich gegen Unsicherheit abzusichern. Und künftig?

Gold als Portfolio-Baustein: In den vergangenen Jahren fast eine Selbstverständlichkeit, um sich gegen Unsicherheit abzusichern. Und künftig?

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Hamburg - Wenn der Schweizer Markus Bachmann dieser Tage des Morgens seine Rechner hochfährt, ist eigentlich alles wie immer. Und doch wieder nicht. Zwar sind die Zeiten unsicher wie lange nicht. Wie es in Griechenland weitergeht, weiß niemand, ebenso kennt keiner die Zukunft des Euro. Eigentlich ein ideales Umfeld für erhebliche Wertsteigerungen von Gold . Doch wenn Bachmann, Vorstand von Craton Capital sowie Fondsmanager des Craton Capital Precious Metal Fund, auf seine Monitore blickt, sieht er etwas anders.

"Der Goldpreis ist in diesem Monat um acht Prozent gefallen und notiert aktuell bei 1.540 US-Dollar pro Feinunze, von der Spitze bei 1.920 US-Dollar trennen ihn sogar knapp 20 Prozent", heißt es zum Beispiel in einer Studie der Forex Capital Markets. Ein Paradoxon, zumindest auf den ersten Blick. Hat Gold damit seinen Charakter als sicherer Hafen verloren? Oder bietet es gerade jetzt einen günstigen Einstieg?

Genau weiß das keiner. Sicher ist derzeit nur die Unsicherheit. Selbst Assetmanager wie Threadneedle, eigentlich einer aktienlastigen Anlage verschrieben wie die meisten angelsächsischen Investoren - erklärten daher jüngst, ihre Cash-Positionen erhöht zu haben. Und setzen damit auf Sicherheit um jeden Preis.

Die deutschen Sparer flirten dennoch mit dem Edelmetall. Das Thema war in den vergangenen Monaten "omnipräsent" sagt Andreas Rapp von der Privatbank Ellwanger & Geiger. "Keine andere Anlageklasse wird aktuell so konträr bei den Anlegern diskutiert wie das Metall, das als sicherer Hafen, Krisenmetall und Inflationsschutz gilt. Fast in jedem Anlagegespräch wird über das Thema Gold, hin und wieder auch über das Thema Silber , diskutiert."

Nur beim Kauf zaudern die Menschen offenbar, sonst würde der Kurs anspringen Kein Wunder - die allgemeine Nervosität ist vom Aktien- auf den Rohstoffmarkt übergesprungen.

Drei Faktoren sind es im Wesentlichen, die den aktuellen Tiefflug des Golds verursachen. Eben "die gestiegene Korrelation zu Aktien und Rohstoffen, der schwache Euro und entsprechend starke Dollar sowie der Rückzug spekulativer Anleger, der Hedgefonds", sagt Analyst Daniel Briesemann von der Commerzbank. "Die haben seit zehn Wochen ihre entsprechenden Positionen glatt gestellt".

"Zitternde Hände sind raus"

Eine allgemeine Goldflucht der Investoren will allerdings kein Experte diasgnostizieren? Denn beispielsweise die Zentralbanken der Länder greifen zu. "Gold wird wieder verstärkt von Zentralbanken vor allem aus dem asiatischen Bereich gekauft", sagt der Banker Rapp. Außerdem ist der "Goldpreis rational betrachtet durch die stark steigenden Explorationskosten - Energie und Arbeit - nach unten abgesichert. In 2013 liegt der Break-Even-Preis, bei dem es sich für die Bergbauunternehmen lohnt Gold abzubauen, bei gut 1350 US-Dollar je Feinunze."

Analyst Briesemann formuliert es so: "Die zittrigen Hände werden rausgeschüttelt - aber es werden wieder neue spekulative Finanzinvestoren auf der Suche nach dem schnellen Geld in den Markt hineinkommen."

Demnach wäre es nun an der Zeit, in Gold zu investieren. "Im Grunde gehen wir von einer Korrektur in einem längeren Aufwärtstrend aus und die Situation kann sich sehr schnell drehen", sagt auch Fondsmanager Bachmann. Doch "wann ist schwierig vorher zu sehen. How long is a piece of string? Ein Wendepunkt könnte mit dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone sein." Und auch andere Punkte sprechen für das Edelmetall. "Das hohe und wachsende Schuldenniveau in den meisten Industrieländern kann durch Wirtschaftswachstum allein nicht reduziert werden", sagt Bachmann.

"Die Schulden werden durch Gelddrucken reduziert, was früher oder später eine Währungsabwertung zur Folge haben muss. Gold wird in diesem Abwertungskampf als Sieger hervorgehen." Noch allerdings scheint sich diese Einschätzung an der Börse nicht durchzusetzen. Der Goldpreis bewegt sich trotz der sich zuspitzenden Griechenland-Krise nur seitwärts.

Skepsis der Anleger

Noch deutlicher wird die Skepsis der Anleger bei Goldminenaktien, also von jenen Unternehmen, die Gold suchen oder fördern. Seit Monaten werden die Papiere als unterwertet beurteilt - um dann doch noch weiter an Wert zu verlieren. "Goldaktien sind eben noch enger am Aktienmarkt dran, so dass sie noch mehr leiden", so Analyst Briesemann. Im Schnitt "zweistellig" haben sie an Wert verloren, sagt Fondsmanager Bachmann, noch schlechter als der breite Aktienmarkt.

"Dabei ist das wirtschaftliche Risiko von Goldminen in politisch stabilen Domizilen deutlich niedriger als im übrigen Aktienbereich. Die meisten Goldproduzenten handeln massiv unter ihrem langfristigen Durchschnitt. Der Bewertungsabschlag ist aktuell so groß wie seit 25 Jahren nicht mehr. Dabei ist die Rentabilität von Goldminen in den letzten zwei, fünf, und zehn Jahren schneller gewachsen als der Goldpreis."

Für ihn ist die Schlussfolgerung daher klar. "Wir befinden uns einem schwierigen Kapitalmarktumfeld und tragen dem Rechnung, indem wir die Cashquote erhöhen und in defensivere Werte umgeschichtet haben." Das Edelmetall dürfte für die meisten Aleger daher eher in Form einer Direktanlage oder eines Gold-ETF interessant sein, nicht aber als in Gestalt einer Aktie.

Immerhin, einen prominenten Fürsprecher hat Gold. Und der hat sogar zuletzt in das Edelmetall investiert. Gut verdreifacht hat George Soros seine Bestände am SPDR Gold Trust, dem weltgrößten Gold-ETF. In unsicheren Zeiten vielleicht nicht der schlechteste Fingerzeig. Aber keinesfalls zwingend der richtige.