Montag, 21. Oktober 2019

Bondmärkte Deutsche Staatsanleihen auf Rekordjagd

Finanzminister Wolfgang Schäuble: Deutschland kann sich extrem günstig refinanzieren

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist mit 1,4 Prozent auf ein Rekordtief gefallen. Inflationsbereinigt schenken Anleger dem deutschen Staat Geld - um im Gegenzug Sicherheit zu erhalten. Die Renditen von Ländern wie Italien und Spanien schnellen dagegen hoch.

Frankfurt am Main - An den Finanzmärkten ist die Nachfrage nach sicheren Anlagen ungebrochen hoch. Vor allem deutsche Staatsanleihen gelten in den Augen vieler Investoren als eine der letzten verlässlichen Investments im Trubel der Schuldenkrise.

Die scheinbar unbegrenzte Nachfrage der Anleger sorgt für eine ungebremste Kursrally am deutschen Anleihemarkt. Im Gegenzug sinken die Renditen - also die Kombination aus Nominalverzinsung und Anleihekurs - fast täglich auf historische Tiefstände. Das dürfte Finanzminister Wolfgang Schäuble freuen, denn so wird die Refinanzierung Deutschlands über die Ausgabe von Staatsanleihen immer günstiger.

Am Donnerstag fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die unter Experten als richtungsweisend gilt, auf bis zu 1,42 Prozent. Das ist ein neues Rekordtief. Zum Vergleich: Vor gut einem Jahr lag die Rendite mit drei Prozent noch doppelt so hoch. Anfang der 1990er Jahre - also nach der Wiedervereinigung Deutschlands - hatte sie gar um ein Vielfaches höher gelegen.

Das zeigt, wie begehrt deutsche Staatsanleihen aktuell bei den Anlegern sind. Und das, obwohl Deutschland durch die großen Probleme in Euroländern wie Griechenland oder Spanien finanziell stark belastet werden könnte. Offensichtlich trauen die Investoren Deutschland aber zu, diese Risiken stemmen zu können.

Inflation bei 2,1 Prozent - Rendite bei 1,6 Prozent

Beachtlich ist zudem, dass die Investoren unter Berücksichtigung der Geldentwertung schon seit langem Vermögensverluste in Kauf nehmen - nur um ihre Investitionen in Sicherheit zu wissen. Aktuell liegt die Inflation in Deutschland bei 2,1 Prozent. Das drückt die realen - also preisbereinigten - Renditen deutlich ins negative Terrain.

Der Effekt ist grundsätzlich um so stärker, je kürzer ein Anleger sein Geld dem deutschen Staat zur Verfügung stellt: Im kurzfristigen Bereich von zwei Jahren beträgt die Rendite aktuell knapp 0,5 Prozent. Zieht man hiervon die Inflationsrate ab, ergibt sich eine Verzinsung von minus 1,6 Prozent. Experten vergleichen diesen Effekt mit einer Art Kontoführungsgebühr, die verunsicherte Anleger gegen ein hohes Maß an Sicherheit bereit sind zu zahlen.

Anleihen der Krisenländer: Spanien zahlt mehr als 6 Prozent Zinsen

Ein ganz anderes Bild zeigt sich an den Anleihemärkten krisengeschwächter Euroländer. In Spanien und Italien beispielsweise liegen die Renditen über alle Laufzeiten hinweg um ein vielfaches höher als in Deutschland. Im Zehnjahresbereich liegt das Zinsniveau Italiens aktuell bei 5,85 Prozent, in Spanien gar bei 6,29 Prozent. Ausschlaggebend hierfür - Experten sprechen von Risikoaufschlägen - ist das Misstrauen, das insbesondere Südeuropäischen Ländern entgegenschlägt. Viele Investoren trauen den Krisenländern nicht zu, ihre hohe Staatsverschuldung unter Kontrolle zu bringen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Für Deutschland hingegen bringt die aktuelle Entwicklung eine spürbare Entlastung. Denn Staaten refinanzieren ihren hohen Finanzbedarf zum Großteil über die Ausgabe von Staatsanleihen. Schon seit Monaten sind die Kosten hierfür in Deutschland stark rückläufig. Zuletzt konnte sich der Bund zur Wochenmitte für zehn Jahre zu rekordniedrigen Zinsen von gerade mal 1,47 Prozent frisches Geld besorgen.

Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Länder wie Italien und Spanien zahlen müssen - wohlgemerkt: nicht für zehn, sondern für zwei Jahre. Und selbst für dreißigjährige Schulden muss Deutschland mit zwei Prozent aktuell deutlich weniger Zinsen bieten als viele Krisenländer im sehr kurzen Bereich.

la/dpa-afx

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung