Samstag, 20. Juli 2019

Facebook-IPO Börsenstar oder Muppet-Köder?

Facebook-Schriftzug an der Nasdaq: Gefällt den einen, den anderen nicht

3. Teil: "Köder" für leichtgläubige Anleger

Rechnen könnte sich die Facebook-Aktie dennoch auch für jene, die bei der Zeichnung leer ausgegangen sind - und zwar langfristig. "Aus meiner Sicht sind die nächsten ein, zwei Jahre eine Aufholphase, bei der sich die Realität an die Bewertung angleichen muss", sagt Internet-Investor Christian Leybold. Damit dies gelingt, sei es entscheidend, das Facebook jene Ressourcen hebe, die der Konzern bislang noch nicht angetastet habe.

"Wenn man sich anschaut, wie viele Unternehmen von den Facebook-Daten profitieren, wird es darauf hinauslaufen, dass der Konzern auch diese Marketingdienste zu Geld macht."

Dass der Internetgigant künftig durchaus unabhängiger von Werbeeinnahmen auf der eigenen Plattformen werden könnte, ist schon jetzt abzusehen. Spekulationen um eine Ausweitung der Werbeaktivitäten auf fremde Websites und die Aussicht auf Geschäfte mit Apps, den Vertrieb von Musik und Filmen oder den Einstieg ins Couponing-Geschäft, sorgen zumindest für Fantasie.

"Am ersten Handelstag wird das Papier auf 60 Dollar springen"

Sam Hamadeh, CEO von Privco, ein auf Internet-Börsenkandidaten spezialisiertes US-Markforschungsunternehmen, prognostizierte vor diesem Hintergrund schon vor der Erhöhung der anvisierten Preisspanne, dass der Ausgabepreis der Aktien mindestens 38 Dollar betragen werde. Hamadehs Prognose: "Am ersten Handelstag springt das Papier auf 60 Dollar."

Und selbst Michael Pachter vom Private-Equity-Unternehmen Wedbush, der jüngst Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wegen dessen Auftritts im Kapuzenpulli auf einem Investorentreffen "mangelnde Reife" attestiert hatte, glaubt an das Unternehmen. Auf zwölf Monate gesehen sieht er den fairen Wert der Facebook-Aktie bei 44 Dollar.

Zwei Drittel des Marktwertes von Google

Dass Facebook bei einer solchen Bewertung bereits zwei Drittel der um Barmittel bereinigten Marktkapitalisierung von Google Börsen-Chart zeigen auf die Waage bringen würde, hat manchen Analysten hingegen zu ganz anderen Einschätzungen geführt.

"Facebook", sagte beispielsweise der US-Technologie-Analyst Henry Blodget im US-Fernsehen, sei ein "Muppet bait", also ein Köder für leichtgläubige Anleger. Dass er dabei die Rolle jener Investmentbank im Hinterkopf hatte, die den Facebook-Hype mit Erfolg angefacht hat, ist wahrscheinlich.

Ausblick: Womit Facebook in Zukunft Geld verdienen will

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