Freitag, 18. Oktober 2019

Wirtschaftsweiser Inflation laut Bofinger kein Problem

Wirtschaftsweiser Bofinger: Inflation kein Problem

Nach Ansicht des Wirtschaftsweisen Peter Bofinger müssen sich die Deutschen nicht vor einer höheren Inflation fürchten. Im Gegenteil: Bofinger ist überzeugt, dass eine raschere Preisentwicklung die Währungsunion sogar stabilisiert.

Hamburg - "Zu Bundesbank-Zeiten lag der durchschnittliche Kaufkraftverlust bei 2,7 Prozent pro Jahr. Davon sind wir noch weit entfernt", sagte der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg dem SPIEGEL. Im vergangenen Jahr stiegen die Preise in der Bundesrepublik im Schnitt um 2,3 Prozent.

"Trotz einer starken Konjunktur liegt die Inflationsrate derzeit gerade einmal bei 2,1 Prozent", sagte das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Bofinger fügte hinzu: "Und selbst wenn die Preise um mehr als 3 Prozent stiegen, wäre das kein Untergang. Die Logik der Euro-Zone ist ja: Die Boomregionen haben eine höhere Inflation als die langsamer wachsenden."

Zum Hintergrund: Die Diskussion um eine drohende Inflation wurde zuletzt wieder angeheizt. Selbst die Bundesbank räumt bereits einen Anstieg der Preissteigerungsraten ein. Die Bank ließ die Bereitschaft zu einer höheren Teuerung unter anderem in einem schriftlichen Statement für eine Anhörung des Finanzausschuss des Bundestages anklingen: "Deutschland dürfte künftig eher überdurchschnittliche Inflationsraten aufweisen, wobei die Geldpolitik dafür zu sorgen hat, dass die Inflation dem Stabilitätsziel entspricht und die Inflationserwartungen fest verankert bleiben", hieß es darin.

Bofinger ist überzeugt, dass eine raschere Preisentwicklung die Währungsunion sogar stabilisiert: "Wenn die Löhne bei uns stärker steigen als in der Vergangenheit und dadurch die Inflationsrate leicht zunimmt, ist das ein guter Weg, um aus der Euro-Krise herauszukommen. Damit die Krisenstaaten wieder wettbewerbsfähiger werden, können sie die Gehälter kürzen, was sehr schmerzhaft ist - oder aber unsere Löhne steigen mehr."

Anlageexperten raten bei Inflationserwartungen zu Investments in reale Werte, die die Möglichkeit haben, die Preissteigerungen nachzuvollziehen. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Aktien, Immobilien oder Rohstoffe.

cr/dapd

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