Geldanlage Hände weg von Griechenland-Anleihen

Die Renditen griechischer Anleihen sind derzeit verlockend hoch. Anleger sollten davon trotzdem die Finger lassen. Denn Fehleinschätzungen haben in Griechenland eine lange Tradition - und allzu lange werden die Griechen nicht mehr in der Euro-Zone verweilen.
Fass ohne Boden: Griechenland ist zur Zeit kein sicherer Hafen für Investoren

Fass ohne Boden: Griechenland ist zur Zeit kein sicherer Hafen für Investoren

Foto: dapd

Hamburg - "Gib her den Speer Penelope und weine nicht so sehr, wenn ich Herbst dich wiederseh', dann wein ich noch viel mehr." Mit diesen Worten verabschiedete sich Odysseus von seiner Frau Penelope um in den trojanischen Krieg zu ziehen - jedenfalls nach Meinung großen des Kabarettisten Helmut Käutner.

Der arme Odysseus war schon vor knapp 4000 Jahren einer unangenehmen Fehleinschätzung erlegen. Der trojanische Krieg war nämlich nicht im Herbst dieses Jahres zu Ende, sondern dauerte ziemlich lange und Odysseus sollte erst nach gut dokumentierter zehnjähriger Irrfahrt wieder zu seiner Penelope nach Hause kommen. Immerhin war sie ihm treu geblieben.

Nach dem also zeitliche und inhaltliche Fehleinschätzungen in Griechenland schon lange Tradition haben, sollten Anleger, die sich für die griechischen Anleihen interessieren, oder solche schon haben, genau überlegen.

Seit der Unabhängigkeit Griechenlands von der Türkei im Jahr 1838, also vor 174 Jahren befand sich Griechenland ungefähr die Hälfte der Zeit in Zahlungsverzug gegenüber seinen Gläubigern.

Die Kursentwicklung der früheren griechischen Drachme zur DM von 1950 bis zum Beginn der Währungsunion im Jahr 2000 sieht in der Grafik wie eine Skisprungschanze aus: steil abwärts.

Griechenland wird die Euro-Zone verlassen müssen

Wer sich in diesen Tagen das Stimmungsbild deutscher Steuerzahler und auch der Steuerzahler anderer Länder ansieht, die trotz erdrückender Staatsschulden im eigenen Land nun auch noch für Griechenland bezahlen dürfen, wird wenig Begeisterung für die Griechenlandhilfen entdecken.

Die Griechenlandhilfen scheinen sich mehr und mehr als ein Fass ohne Boden darzustellen. Es ist damit zu rechnen, dass Griechenland noch eine Weile mitgeschleppt werden wird - aus optischen Gründen und um dem für die Griechenlandhilfen verantwortlichen Politiker die Gesichtswahrung zu ermöglichen. Spätestens nach der nächsten Bundestagswahl in anderthalb Jahren ist jedoch damit zu rechnen, dass der Widerstand in der Bevölkerung gegen das Nachschütten immer neuer Milliarden in ein Fass ohne Boden stark wachsen wird.

Der weitsichtige Investor sollte sich heute schon darauf einstellen, dass Griechenland dann mehr oder weniger freiwillig die Euro-Zone verlassen wird, um an dieser Stelle einen politisch korrekten Ausdruck zu verwenden.

Wer dann griechische Anleihen hat, muss damit rechnen, statt Europapieren Drachmenpapiere in der Hand zu halten. Auch falls die Drachmen eines fernen Tages dann pünktlich bedient werden sollten, drohen Währungsverluste wie auf der berühmten Skisprungschanze zwischen 1950 und 2000. Trotz verlockend hoher Renditen sollten weitsichtige Investoren nach unserer Meinung die Hände von Griechenland-Anleihen lassen.

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