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Geschlagene Konzerne: Die Apple-Opfer

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Aktie hebt ab Apple verdoppelt Gewinn

Apple bleibt eine Gewinnmaschine: Der iPhone-Primus hat seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal fast verdoppelt, mehr als 35 Millionen iPhones verkauft - und setzt nun auf China. Der Börsenkurs hebt ab.
Von Markus Gärtner

New York - Apple gelingt erneut der Paukenschlag der Bilanzsaison: Der Verkauf von 35,1 Millionen iPhones im abgelaufenen Quartal von Januar bis März hat alle Erwartungen übertroffen. Während die iPhone-Verkäufe zum Vorjahr um 88 Prozent zulegten, rauschte der Absatz der iPad-Tablets - deren dritte Generation im März in den Markt eingeführt worden war - um satte 151 Prozent in die Höhe.

Der Umsatz des Konzerns stieg im jüngsten Quartal um 59 Prozent auf 39,2 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn verdoppelte sich mit einem Plus von 95 Prozent fast auf 11,6 Milliarden.

Getragen wird dieser enorme Zuwachs ganz klar vom Geschäft außerhalb der USA. Dieses trug im Quartal 64 Prozent zum Umsatz bei. Vor allem die Volksrepublik China, wo Apple im Januar das jüngste iPhone-Modell einführte, hat nach Einschätzung vieler Analysten zu dem erneuten Umsatz- und Gewinnschub beigetragen. Vor allem mit dem Erfolg des iPad erobert Apple zahlreiche neue Geschäftsfelder - was sich in Umsatz- und Gewinneinbrüchen zahlreicher Konkurrenten - von Nokia über RIM bis Sony - bemerkbar macht.

Der Gewinn je Aktie stieg bei Apple im Quartal um 22,8 Prozent auf 12,30 Dollar an. Die Bruttogewinnmarge des Unternehmens verbessert sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich, von 41,4 auf jetzt 47,4 Prozent.

Die Aktie von Apple (Kurswerte anzeigen), die in den vergangenen zehn Handelstagen mehr als 10 Prozent an Wert verloren hatte, legte im nachbörslichen US-Handel um mehr als 7 Prozent zu und eroberte die Marke von 600 US-Dollar zurück.

Vor allem China verhilft Apple zum Comeback

Im Vorfeld des Quartalsberichtes hatte es Zweifel gegeben, ob der Technologie-Primus, der unmittelbar vor Veröffentlichung der Zahlen in New York noch Verluste verbucht hatte - seine Dominanz in der Techwelt und seinen Schwung in den Märkten für Smartphones und Tablets beibehalten kann. Die Aktie hatte in den vorangegangenen elf Handelstagen bis gestern 13 Prozent an Wert verloren.

Zweifel gab es vor allem daran, ob Apple an das hervorragende Weihnachtsgeschäft würde anknüpfen können, zumal der Schwung im Heimatmarkt USA etwas nachgelassen hat. Die zwei größten Betreiber drahtloser Netzwerke in den USA - AT&T und Verizon (Kurswerte anzeigen) - hatten in den vergangenen Tagen für das abgelaufene Quartal einen Rückgang der neuen iPhone-Abos um 43 beziehungsweise 24 Prozent gemeldet. Viele fragten sich, ob das internationale Geschäft diese Dellen ausgleichen würde.

Zweifel weggefegt - Aktie klettert wieder über 600-Dollar-Marke

Die Zweifel wurden gestern weggefegt. Die Apple-Aktie schoss nachbörslich binnen einer halben Stunde von 560 Dollar um mehr als 7 Prozent nach oben, zurück über die wichtige Marke von 600 Dollar. Allein dieser Anstieg bedeutet einen Zuwachs bei der Marktkapitalisierung des Unternehmens aus Cupertino in Kalifornien von rund 38 Milliarden Dollar.

Die Wucht der Verkaufserfolge von Apple wird aus folgendem Vergleich deutlich: Das iPad ist jetzt das Produkt mit der rasantesten Absatzsteigerung. Seit es vor zwei Jahren in den Markt eingeführt wurde, konnten 67 Millionen Geräte abgesetzt werden. Um diese Verkaufszahl zu erreichen, brauchte Apple beim iPhone drei Jahre, bei den iPods fünf Jahre und beim Macintosh Computer 24 Jahre.

Vom Mac wurden im Märzquartal vier Millionen verkauft. Das ist ein Zuwachs von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entscheidung des Apple-Managements, die zweite iPad-Generation für 100 Dollar Nachlass weiter zu verkaufen, trägt nach Ansicht von Analysten zu der Verkaufsdynamik bei dem Tablet bei. Einige Beobachter des Unternehmens hatten Bedenken geäußert, dass die Preissenkung an der Gewinnmarge nagen könnte.

Topseller iPad: Preisnachlass beim Tablet befeuert Verkäufe

Der durchschnittliche Umsatz je iPad ging im Quartal tatsächlich auf 558 Dollar zurück, gegenüber 593 im Vorquartal. Doch die rasant gestiegene Absatzzahl bestätigt die Entscheidung des Apple-Managements. Apple-CEO Tim Cook bezeichnete die Entscheidung in einem Analystengespräch nach der Vorlage der Bilanzzahlen gestern Abend als "great". Das habe die Einstiegskosten für viele Kunden gesenkt und "in einigen Ländern zu einer deutlichen Belebung der Nachfrage" geführt.

Apple profitiert vor allem von zwei wichtigen Effekten: Erstens, das Unternehmen hat noch viel in der Pipeline. Erst im März wurde das neue iPad in den Markt eingeführt. Das iPhone 4s wurde zudem erst im Januar bei China Unicom gelauncht, im März bei China Telecom. Mit der Einführung bei China Mobile (Kurswerte anzeigen) - dem größten Netzwerkbetreiber des Landes, mit 600 Millionen Kunden - steht ein weiterer Schub an.

Im Sommer wird auch mit einer neuen Version des Mac gerechnet. Im September erwarten viele Analysten das iPhone 5, oder wie immer es auch heißen wird. Dazu kommen das geplante Apple-TV und die iCloud. Im Internet kursiert nach der Vergabe einer entsprechenden Lizenz im März zudem das Gerücht, Apple könne sich für den Aufbau einer iBank entscheiden. Geäußert hat sich das größte Unternehmen der Welt dazu nicht. Konkrete Hinweise fehlen.

Schlüsselmarkt China: Kampf gegen Samsung wird dort entschieden

Apple-CEO Tim Cook forciert außerdem die Verkäufe außerhalb der USA. Das verspricht weiteres Wachstum. Denn in China hat das iPhone erst 7,5 Prozent Marktanteil, verglichen mit 24,3 Prozent für den wichtigsten Konkurrenten Samsung  . "China ist für Apple eine enorm schnell wachsende Region", sagt der Analyst Abhey Lamba beim Brokerhaus Mizuho Securities in New York, "Apple hat das Reich der Mitte als einen seiner wichtigsten Märkte ins Visier genommen."

In China machte Apple laut CEO Tim Cook im vergangenen Jahr 13 Milliarden Dollar Umsatz. Cook hatte Ende März Fabriken des Unternehmens in der Volksrepublik besucht, darunter Foxconn in der Boomprovinz Guangdong. Dabei wurden bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne für die chinesischen Arbeiter versprochen. Dort hatte im vergangenen Jahr eine Serie von Selbstmorden Aufmerksamkeit erregt. Die Verkaufserlöse des Konzerns nahmen 2011 in der ganzen Region Asien-Pazifik auf 22,6 Milliarden Dollar zu. Noch 2009 hatten sie bei 3,2 Milliarden gelegen. Asien-Pazifik steuert bei Apple jetzt über 21 Prozent zum Umsatz bei. Die Verkaufserlöse in dieser Region kletterten allein im Berichtsquartal um 32 Prozent.

Zerstreut sind mit den neuen Zahlen auch jene Zweifel, die Analysten wie Chris Whitmore bei der Deutsche Bank geäußert hatten, wonach der Umsatzschub bei den Smartphones vor der Einführung der nächsten iPhone-Generation etwas nachlassen könnte. Im Vorfeld des Quartalsberichts hatte es vor allem in Finanz-Blogs in den USA viele Spekulationen darüber gegeben, ob Apple nach so vielen Erfolgen und angesichts wachsender Konkurrenz durch Samsung  und Google  an die Decke gestoßen sein könnte.

Patentstreit, mauer Ausblick, starker Dollar: Was Apples Schwung bremsen könnte

In den USA sieht sich das Unternehmen mit einer Klage des Justizministeriums über angebliche Preisabsprachen für e-Books konfrontiert. Mit seinen schärfsten Smartphone-Rivalen trägt Apple heftige Patentstreitigkeiten aus. Die Netzwerkbetreiber scheinen außerdem nicht mehr so einfach gewillt, die iPhones zu subventionieren.

Das iPod, so manche Befürchtung, könnte als Abspielgerät vom iPhone und vom iPad kannibalisiert werden, weil das Smartphone und das Tablet auch Musik abspielen können. Selbst dieser Einwand löste sich gestern erst einmal in Luft auf. Vom iPod wurden im Quartal 7,7 Millionen Stück verkauft. Erwartet worden waren 7,0 Millionen.

Und schließlich gab es Sorgen, dass die Insiderverkäufe in den vergangenen sechs Monaten - darunter auch für 100 Millionen Dollar durch CEO Tim Cook - eine umfangreiche Korrektur beim Aktienkurs einläuten könnten. Mit dem kräftigen Sprung nach der gestrigen Dienstags-Börse auf über 600 Dollar dürfte auch dieser Zweifel erst einmal zerstäubt sein.

Tim Cook mit verhaltenem Ausblick für das laufende Quartal

Für Enttäuschung sorgt Apple unter Analysten jedoch mit seinem Ausblick für das laufende Quartal bis Juni. Der Gewinn je Aktie soll auf 8,68 Dollar zurückgehen. Das wäre gegenüber dem Märzquartal 29 Prozent weniger. Bisher hatten die Analysten für das laufende Juniquartal mir 9,96 Dollar Gewinn je Aktie gerechnet. Der Umsatz soll auf 34 Milliarden Dollar sinken. Apple-Finanzchef Peter Oppenheimer begründet die vorsichtige Prognose mit dem starken Verkaufsstart für das iPhone 4s und das neue iPad.

Für beide sei ein überdurchschnittlich hoher Lagerbestand zum Launch aufgebaut gewesen, der dazu führte, dass ein Teil der erwarteten Nachfrage ins Märzquartal vorgezogen wurde. Auch die billigeren Einstiegsversionen beim iPad sollen zu dem erwarteten Rückgang des Gewinns beitragen.

Eine Rolle spielt zudem der stärkere Dollar. Wenn der Wechselkurs des Greenback steigt, bekommt Apple bei der Repatriierung seiner Gewinne aus dem internationalen Geschäft weniger im Umtausch. Der Wechselkurs des US-Dollars verbesserte sich in den vergangenen sechs Monaten gegenüber dem Yen um 6,6 Prozent, zum Euro stieg der Greenback 5,1 Prozent.

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