Samstag, 21. September 2019

US-Steuergesetz 500 Milliarden Dollar Kollateralschaden

Flaggen auf Tuchfühlung: Das US-Steuergesetz Facta, das ab 2013 gelten soll, dürfte auch auf Finanzhäuser des Euro-Raums Auswirkungen haben

3. Teil: Nichtstun ist keine Lösung

Tatsächlich kann jedes Unternehmen, das Einlagen von Kunden entgegennimmt, so ein FFI sein. Banken, Versicherungen, Fondsanbieter. Und längst nicht jedes FFI weiß, ob ein anderes FFI, mit dem es zusammenarbeitet, einen Vertrag mit der IRS geschlossen hat. Ohne diesen Vertrag wird in aller Regel die Strafsteuer fällig werden. Und mit diesem Vertrag gehen etliche Pflichten einher, zum Beispiel Meldepflichten über Konten oder Depots der eigenen Kunden sowie die Übernahme der Aufgabe, Steuern in jenen Fällen einzubehalten, in denen der Status der Kunden nicht geklärt ist, dessen Identität nicht klar ist oder der Weiterleitung seiner Daten ans IRS widersprochen hat.

Viel Arbeit also für Europas Finanzhäuser. Zurücklehnen können sich nur wenige - nämlich diejenigen Institute, bei denen US-steuerpflichtige Kunden keine Produkte zeichnen können. Alle anderen müssen sich Fatca stellen.

So ganz überraschend ist die Entwicklung nicht. "Seit 2010 ist das Thema bekannt", sagt Johannes Höring von Universal-Investment. Tatsächlich wurde Fatca bereits am 18. März 2010 in Amerika als Gesetz verabschiedet. "Seitdem widmen wir uns beim Luxemburger Fondsverband Alfi dem Thema", sagt der Geschäftsführer der Luxemburger Tochter von Universal-Investment.

Selbstverständlich ist das offenbar nicht. "Inbesondere große Institute bereiten sich aktiv auf die Einführung des Fatca vor", beobachtet KPMG-Mann Aussendahl. "Doch "viele kleine und mittelgroße Institute sind noch untätig." Viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr - am 1. Januar 2013 soll das Gesetz endgültig in Kraft treten.

Alfi-Präsident Saluzzi fasst den Wunsch der gesamten Branche in Worte. "Wir sind hoffnungsvoll, dass die derzeitige Regulierung so überarbeitet wird, so dass die zahlreichen Aspekte berücksichtigt werden, die für unsere Industrie relevant sind", sagt er. Und reibt sich den linken Arm, den er in einer Schlinge trägt. Ein passendes Bild für die europäische Finanzindustrie.

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