Montag, 23. September 2019

US-Steuergesetz 500 Milliarden Dollar Kollateralschaden

Flaggen auf Tuchfühlung: Das US-Steuergesetz Facta, das ab 2013 gelten soll, dürfte auch auf Finanzhäuser des Euro-Raums Auswirkungen haben

2. Teil: Sturmlauf der Lobbyisten

Gruppen wie der Deutsche Bankenverband, Efama und Alfi - europäischer und Luxemburger Fondsverband - ihr gemeinsames Ziel ist es, den Amerikanern klarzumachen, was für einen Aufwand Fatca für sie mit sich bringt. Im offiziellen Gespräch wahrt man bei aller Kritik die Form. "Für Finanzintermediäre weltweit bedeutet Fatca eine große Herausforderung", sagt zum Beispiel Marc Saluzzi am Rande der Konferenz des Fondsverbandes.

Saluzzi ist Präsident der Alfi. "Der Anwendungsbereich ist deutlich breiter als das geltende Regime (…) und seine Anforderungen können nicht mit den derzeit in der Fondsbranche verwendeten Systemen erfüllt werden", sagt er. Andere Konferenzteilnehmer werden deutlicher, sprechen von einem "Monstergesetz". Und selbst amerikanische Finanzexperten fühlen sich bemüßigt, sich für ihr Land zu entschuldigen. Milliardenkosten, per Federstrich dem Rest der Welt auferlegt? Ein Kollateralschaden der Jagd auf Steuersünder. Und Auswege für Europas Finanzindustrie gibt es nicht.

"Ist ein Unternehmen nicht 'compliant', so drohen die Erhebung einer Strafsteuer von 30 Prozent auf alle US-Erträge aus Finanzvermögen, die das Institut vereinnahmt, ohne Rücksicht darauf, ob die Erträge für eigene Rechnung des Instituts oder für Rechnung des Kunden gezahlt werden", erklärt KPMG-Partner Frank Aussendahl. Und "bei Veräußerungserlösen werden sogar 30 Prozent auf den Veräußerungserlös erhoben."

Wer nicht mitzieht, dem drohen Strafsteuern

Mit anderen Worten - lässt ein Finanzhaus Fatca Fatca sein, dann muss es Strafsteuern zahlen und schwächt damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit erheblich. Bei dieser Aussicht bleiben den Finanzunternehmen nur zwei Wege. Der eine liegt darin, sich von allen US-Kunden zu trennen. Genau das geschieht zum Teil schon, beobachtet Aussendahl. Zumindest spielen einige Unternehmen mit diesem Gedanken. Der andere Weg liegt darin, sich den neuen Regeln zu beugen.

"Praktisch gesehen ist es einfacher mitzumachen", sagt zum Beispiel Larissa Alghisi von GAM. Doch mit der Entscheidung allein ist es nicht getan. Denn "die Umsetzung wird für uns zwar keine materiellen Kosten verursachen, bleibt aber komplex", sagt sie. Nicht nur, weil weil einige Punkte trotz des fortgeschrittenen Stadiums noch nicht endgültig feststehen. "Der FFI-Status muss auf Ebene jedes einzelnen Fonds geprüft werden, nicht auf Ebene der Gesellschaft", sagt Alghisi.

FFI steht für Foreign Financial Institution, also ein aus amerikanischer Sicht ausländisches Finanzinstitut. "Doch das allein genügt nicht. Wichtig für Assetmanager ist es zu verstehen, was Vertriebspartner planen." Denn auch dessen Status, einer Bank zum Beispiel, ist ausschlaggebend für die mögliche Verpflichtung des Fonds, eine Quellensteuer zurückzubehalten.

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