Montag, 21. Oktober 2019

Einstweilige Verfügungen Teilstopp für Wölberns Cashpool

Jede Menge Cash: Beim geplanten Wölbern-Liquiditätspool geht es nach Angaben des Emissionshauses um bis zu 40 Millionen Euro

Teilerfolg für die Gegner des geplanten Immobilienfonds-Liquiditätspools von Wölbern Invest: In mindestens zwei Fällen haben Richter die Durchführung des Pools trotz positiven Anlegervotums kurzfristig untersagt. Weitere könnten folgen.

Hamburg - Um den Liquiditätspool, den das Emissionshaus Wölbern Invest für eine große Zahl seiner Immobilienfonds einführen will, gab es schon einigen Zwist. Jetzt haben sich Anleger an Gerichte gewendet - und hatten erstmal Erfolg: Nach Informationen von manager magazin online wurde in mindestens zwei Fällen jeweils eine Einstweilige Verfügung (EV) gegen die Umsetzung des geplanten Cashpools erlassen.

Bei den betroffenen Fonds handelt es sich um den Deutschland 01, der in das Gebäude "Alte Post" im Hamburger Univiertel investiert hat, sowie um den Österreich 04 mit einem Bürogebäude in Wien. Auch für den Fonds Polen 01 war nach Angaben der beteiligten Anwaltskanzlei eine solche Verfügung beantragt, am Dienstagnachmittag gab es dazu aber noch keine Entscheidung.

Das Landgericht Hamburg untersagt den Geschäftsführern Heinrich Maria Schulte sowie Patrick Hemmingson unter Androhung von Ordnungsgeld oder Ordnungshaft, das Liquiditätsmanagementsystem durchzuführen, heißt es in der EV zum Deutschland 01, die manager magazin Online vorliegt. Zudem müssen sie bereits laufende Aktivitäten stoppen. Wölbern wollte dazu zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Besonderheit: Beim Deutschland 01 bezieht sich der richterliche Beschluss ausschließlich auf die Beteiligungsgesellschaft IFD Beteiligungs GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft hat lediglich einen Teil des Eigenkapitals zum Fonds beigesteuert, und nur dieser Teil darf nun vorläufig nicht in den Cashpool einbezogen werden.

75 Prozent Mehrheit für Cashpool erforderlich?

"Ich bin der Meinung, dass zur Einführung eines Liquiditätspools der Gesellschaftszweck der Fondsgesellschaft geändert werden muss", erläutert Anwalt Dirk Rykena, der beim Fonds Deutschland 01 die Anleger vertreten hat, die die Verfügung erwirkt haben. "Dafür ist aber eine Mehrheit von mindestens 75 Prozent der Gesellschafterstimmen erforderlich, die bei der Abstimmung nicht erreicht wurde. Der Auffassung ist das Gericht vermutlich gefolgt."

Zudem, so Rykena, seien die Details des geplanten Liquiditätspools von Wölbern bei der Abstimmung nicht ausreichend kommuniziert worden. Nach Ansicht des Juristen sind die Gründe, die zu der Entscheidung geführt haben, auf andere Wölbern-Immobilienfonds übertragbar. Weitere betroffene Anleger haben also womöglich die Chance, den Pool auf diese Weise vorerst zu stoppen.

Zum Hintergrund: Das Emissionshaus Wölbern Invest hatte die Anleger von 24 Immobilienfonds Anfang des Jahres darüber abstimmen lassen, ob sie die freien Gelder ihrer Beteiligungsgesellschaften in ein Liquiditätsmanagementsystem einbringen wollten. Laut einer Mitteilung, die Wölbern kürzlich verbreitet hat, haben sich die Anleger von 23 Fonds dafür entschieden. Ein Fonds lehnte den Vorschlag ab.

Gleichzeitig wurde jedoch schon während der Abstimmung Kritik an den Plänen laut. Einige Investoren hatten Bedenken gegen das schriftliche Umlaufverfahren für die Abstimmung sowie gegen die Einrichtung des Cashpools an sich geäußert. Sie hatten jedoch Schwierigkeiten sich darüber mit anderen Anlegern auszutauschen, weil sich die Treuhandgesellschaft weigerte, die Kommunikation zu ermöglichen. Einige Anleger gehen dagegen juristisch vor, Wölbern-Alt-Vorstand Ove Franz beispielsweise, selbst Fondsanleger, prüft ebenfalls solche Schritte.

Zusätzlich pikant wird der Fall, weil Gerüchte kursieren, Wölbern habe schon vor Einführung des Liquiditätspools Mittel aus Fonds für fremde Zweck verwendet. Das Emissionshaus weist diesen Verdacht zurück, kann die Befürchtungen der Anleger jedoch offensichtlich bislang nicht zerstreuen. Zwei Investoren wandten sich zudem an die Wirtschaftsprüferkammer in Berlin, um auf Verflechtungen im Umfeld von Wölbern Invest hinzuweisen. Die Kammer wird die Sache einer "berufsrechtlichen Würdigung unterziehen", teilt sie auf Anfrage mit.

Anmerkung: Der Text wurde aus redaktionellen Gründen gegenüber der Ursprungsversion leicht gekürzt.

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