Freitag, 19. Juli 2019

Iran-Konflikt Ölpreis klettert auf Neunmonatshoch

Atomanlage im Iran: Kein Zutritt für Inspektoren der IAEO

Nach dem Abzug der Atomenergie-Inspektoren verschärft sich der Konflikt mit dem Iran. Religionsführer Khamenei betont, Iran werde seinen Kurs nicht ändern. Ein Barrel Brent-Öl kostet wieder mehr als 120 Dollar.

London - Die wegen des Atomstreits mit Iran anhaltende Furcht vor einem Angebotsengpass hat den Ölpreis am Mittwoch erneut verteuert. Die Nordsee-Sorte Brent und das US-Öl WTI kosteten mit 121,92 beziehungsweise 106,41 Dollar je Barrel jeweils so viel wie zuletzt im Mai 2011.

Darüber hinaus ziehe auch die allgemeine Nachfrage dank der Konjunkturerholung wieder an, schrieben die Analysten von Goldman Sachs in einem Kommentar. Als Preistreiber wirke in dieser Situation, dass die Reserve-Kapazitäten der Opec-Staaten auf einem Tiefpunkt seien.

Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) blieb trotz der steigenden Nervosität am Markt unterdessen stabil. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Mittwoch kostete ein Barrel (159 Liter) am Dienstag im Durchschnitt 119,20 US-Dollar und damit genau so viel wie am Montag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

Khamenei: Iran wird sich internationalem Druck nicht beugen

Irans Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei hat unterdessen zur Verschärfung des Konflikts beigetragen. Iran werde sein Atomprogramm weiterführen und den eingeschlagenen Kurs nicht ändern - Iran werde sich nicht von internationalen Sanktionen beeindrucken lassen, sagte Khamenei.

Außenminister Guido Westerwelle ist nach dem erfolglosen Besuch der Atom-Inspektoren im Iran für noch mehr wirtschaftlichen Druck. Der FDP-Politiker appellierte am Mittwoch an andere Staaten, sich den bereits beschlossenen Sanktionen der Europäischen Union (EU) gegen den Iran anzuschließen. Zugleich forderte er die Führung in Teheran auf, ihren "unverantwortlichen Kurs" der Nicht-Zusammenarbeit aufzugeben.

Iran: Atom-Inspektorenteam reist wieder ab, Westerwelle für mehr Druck

"Es ist sehr bedauerlich und schädlich, dass die IAEO-Inspektoren unverrichteter Dinge und ohne Ergebnis abreisen mussten", erklärte Westerwelle in Berlin. "Die Verweigerung des Zugangs zu Atom-Installationen ist ein weiterer Verstoß Irans gegenüber der IAEO und der internationalen Staatengemeinschaft."

Der Iran hatte einem Inspektorenteam der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA den Zugang zu einer verdächtigen Militäranlage südöstlich von Teheran verweigert. Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Teheran bestreitet die Vorwürfe.

Energiepreise: Die flüchtige Revolution

Erdöl: Teherans Drohungen treiben Ölpreis

la/dpa-afx/reuters

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung