Internet Web-Nutzer verzichten auf TV und Freunde

Surfen im Web hält die Deutschen zunehmend vom Fernsehen und von Gesprächen ab. Eine Studie ergab zudem, dass Bankgeschäfte und Einkäufe hierzulande häufiger über das Netz getätigt werden als in den USA.

Berlin - Rund 41 Prozent der befragten Männer und Frauen, die das Netz regelmäßig nutzten, verzichteten dafür aufs Fernsehen. Die Hälfte der Internet-Nutzer habe persönliche Gespräche oder Telefonate mit Freunden und Angehörigen eingeschränkt.

Dies sagte Lutz Erbring von der Freien Universität Berlin am Montag bei der Vorstellung der Studie, die zusammen mit dem Institut Forsa erstellt wurde. Für fast alle Befragten gehöre aber inzwischen die Kommunikation per E-Mail zum Alltag. Der Blick ins E-Mail-Postfach sei fester Bestandteil des Tagesablaufs.

Die Umfrage unter rund 1200 Internet-Nutzern, die von Forsa regelmäßig online befragt werden, fand nach Angaben von Forsa-Chef Manfred Güllner innerhalb von zwei Wochen Ende Mai und Anfang Juni statt. Obwohl die Zahl der Personen mit Internet-Zugang am Arbeitsplatz oder zu Hause von Januar bis Mai um fast ein Drittel auf 29 Prozent der Bevölkerung angewachsen sei, nutzten weiterhin überwiegend junge Menschen mit guter Ausbildung und mehr Männer als Frauen das neue Medium, sagte Güllner.

Die Studie des Berliner Kommunikationswissenschaftlers Erbring zu den sozialen Auswirkungen des Internets ergab außerdem, dass 62 Prozent der Befragten das Surfen im Internet zu teuer finden. Dennoch halte sich gut die Hälfte der Nutzer ein bis fünf Stunden pro Woche im World Wide Web auf. Rund 16 Prozent klickten sich wöchentlich fünf bis zehn Stunden lang durch die virtuelle Welt, ein Zehntel der Befragten länger.

Am wichtigsten sei für fast alle der Informationsaustausch per E-Mail. Fast 60 Prozent könnten sich ein Leben ohne E-Mail kaum noch vorstellen. Die elektronische Post werde als schnell, vergleichsweise günstig und effektiv beurteilt. "Rund ein Viertel der Befragten findet es zum Beispiel leichter, unangenehme Nachrichten per E-Mail mitzuteilen, als in einem persönlichen Gespräch", sagte Erbring. Außerdem werde das Internet als Informations-Medium im Privat- und im Berufsleben genutzt.

Eine Parallelstudie zur Internet-Nutzung in den USA an der Stanford-Universität habe zudem gezeigt, dass in Deutschland Bankgeschäfte und Einkäufe öfter als in den USA über das Internet abgewickelt würden. Grund für diesen Unterschied sei unter anderem, dass viele US-Internet-Nutzer sich nur oberflächlich mit dem Medium auseinander setzten. Der Anteil der Internet-Nutzer an der Bevölkerung in Deutschland werde sich erst in einigen Jahren an das US-Niveau von derzeit 50 bis 55 Prozent annähern. In einem Jahr werde die Nutzungsrate in Deutschland erst bei etwa 40 Prozent liegen.