E.ON Allianz will Mehrheit an Schmalbach-Lubeca

Als drittes großes Unternehmen verkauft der junge Konzern jetzt überraschend schnell den Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca. Vielleicht hilft die Meldung dem Kurs der E.on-Aktie auf die Sprünge, die am Dax ein schwaches Debut gab.

Düsseldorf - Das seit Montag im Dax aufgenommen E.On-Aktie sackte bis zum Mittag (12:55 Uhr) um ein Prozent auf 56,40 Euro ab. Jetzt gab das Unternehmen bekannt, dass Schmalbach-Lubeca mehrheitlich an Allianz Capital Partners gehen soll, die Beteiligungs-Gesellschaft des Münchner Versicherungskonzerns. Den freien Aktionären wird ein Übernahmeangebot unterbreitet: Sie können bis Anfang August ihre Aktien für jeweils 7,50 Euro verkaufen, was einer Prämie von 41 Prozent entspricht.

Geschäftlich wird Schmalbach unter dem neuen Finanzinvestor seine Eigenständigkeit wahren. Der Ratinger Konzern gehört derzeit mit 59,8 Prozent zur Münchner Viag, die sich mit der Veba zur E.on als drittgrößtem deutschen Industriekonzern zusammengeschlossen hat.

Diese Beteiligung wird in die E.on-Tochter AV Packaging GmbH eingebracht, an der Allianz Capital Partners (ACP) nach erfolgreicher Übernahme und einer Kapitalerhöhung mit 51 Prozent beteiligt sein wird. Von dem verbleibenden 49-Prozent-Anteil will sich E.on zügig ganz trennen. An wen das Paket gehen soll, steht nach Angaben eines Konzernsprechers noch nicht fest.

Allianz will Schmalbach nicht komplett

Die Allianz betonte, sie wolle Schmalbach auf keinen Fall komplett übernehmen. Die Dauer des Engagements bei den Ratingern sei noch offen. Neben dem Mehrheitsaktionär E.on gibt es bei Schmalbach noch rund fünf Prozent Privatanleger, der Rest der Anteile liegt bei institutionellen Investoren aus dem In- und Ausland.

Das Kaufangebot läuft vom 26. Juni bis zum 9. August. Der angebotene Preis an die außenstehenden Anteilseigener liegt um 2,20 Euro über dem Durchschnittskurs der Aktie von Schmalbach-Lubeca in den vergangenen sechs Monaten. Deren Vorstand wertet das Übernahmeangebot positiv und empfiehlt den Aktionären die Annahme.

Um sich im globalen und wettbewerbsintensiven Umfeld zu behaupten, seien weitere bedeutende Investitionen zur Stärkung der Marktposition nötig erklärte Schmalbach. ACP als langfristig orientierter Investor werde das Management dabei unterstützen, das Unternehmen strategisch weiter zu entwickeln, und das notwendige Kapital zur Verfügung stellen.

Die Allianz-Tochter, die ausschließlich Vermögen des Versicherers anlegt, hat in ihrem zweijährigen Bestehen bislang elf Investitionen getätigt, darunter bei Fairchild Dornier und der Tank und Rast AG. In einer ersten Reaktion von Analysten bewertete die WGZ-Bank das Übernahmeangebot positiv.

Schmalbach-Lubeca gehört mit 8800 Mitarbeitern und vier Millarden Mark Umsatz zu den weltweit führenden Herstellern von Verpackungen für Nahrungsmittel, Getränke und andere Konsumgüter. Bei Kunststoff-Verpackungen und Vakuumverschlüssen ist Schmalbach Weltmarktführer, bei Getränkedosen in Europa die Nummer zwei.

Jetzt steht Veba Electronic zum Verkauf an

Der Verkauf kommt für den Vorstandsvorsitzender Hanno C. Fiedler offensichltich unerwartet früh. Noch im Mai hatte er betont, dass die Veräußerung durch E.on erst 2001 zu erwarten sei. In der Konzentration auf Energie und Chemie trennen sich Veba und Viag von zahlreichen Randaktivitäten.

Als erste wurde im Dezember 1999 die Beteiligung am Telekommunikationsunternehmen E-Plus an die niederländische KPN veräußert. Im Mai folgte die Abgabe von Gerresheimer Glas an zwei britische Investoren. Der nächste Verkaufskandidat ist Veba Electronics. Beobachter rechnen in den kommenden Wochen mit einem Abschluss. Trennen wollen sich Veba und Viag zudem von VAW Aluminium, Klöckner&Co, Stinnes und dem Wafer-Hersteller MEMC.