Dresdner / Commerzbank Großaktionäre und Analysten zurückhaltend zu Fusion

Analysten bewerten eine mögliche Fusion der beiden Finanz-Konzerne mit deutlicher Skepsis. Mit großer Zurückhaltung reagierten auch die Großaktionäre Allianz, Cobra und Generali.

Frankfurt am Main - Ein Sprecher des Dresdner-Großaktionärs Allianz kommentierte die Gespräche der zwei Banken am Montag nicht. Der italienische Versicherer Generali, mit gut fünf Prozent an der Commerzbank beteiligt, teilte mit, man beobachte die Gespräche, habe aber zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar. Einem Zeitungsbericht zufolge steht auch die Großaktionärin der Commerzbank, die Beteiligungs-gesellschaft Cobra, einer Fusion äußerst skeptisch gegenüber.

Die Commerz- und die Dresdner Bank hatten am Montag morgen erstmals Gespräche über eine mögliche Kooperation bestätigt. Die Banken führten in einem frühen Stadium Gespräche über eine Zusammenarbeit, teilten beide Finanzhäuser in gleich lautenden Erklärungen mit. Angesichts der Größe beider Häuser und der Tragweite des Thema werde sich erst nach sorgfältiger Prüfung zeigen, ob ein tragfähiges Konzept entwickelt werden könne.

"Das kommentieren wir nicht", erklärte daraufhin ein Sprecher der Allianz. Dies sei Sache der beiden Banken und des verantwortlichen Managements, fügte er hinzu. Die Allianz ist mit knapp 22 Prozent der größte Aktionär der Dresdner Bank.

Als Problem für den Allianz-Konzern könnte sich Branchenkennern zufolge die Kooperation der Commerzbank mit dem italienischen Versicherer Generali erweisen, der mit gut fünf Prozent an der Commerzbank beteiligt ist und eine Vertriebskooperation mit der Bank hat. In Branchenkreisen hieß es, diese Verbindung sei eine "hochsensible Sache".

Analysten: Fusion mit Commerzbank bringt Dresdner nicht weiter

Analysten sagten, besonders für die Dresdner Bank stehe nach dem Scheitern der Fusionspläne mit der Deutschen Bank die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Eine Vollfusion mit der Commerzbank bringe die Dresdner jedoch kaum weiter, da die Commerzbank im Investment-Banking vergleichsweise schwach sei und auch im europäischen Privatkundengeschäft nicht viel zu bieten habe.

Die Commerzbank-Großaktionärin, die zur niederländischen Rebon BV gehörende Cobra Beteiligungs-Gesellschaft, steht einem Zusammenschluss der zwei Bankken gleichfalls skeptisch gegenüber. Cobra sucht dem Vernehmen nach seit längerem einen ausländischen Käufer für ihren 17-Prozent-Anteil an der Commerzbank.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete am Montag, Cobra-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann werde eine Fusion beider Banken nur unterstützen, wenn sich das Vermögen der Aktionäre dadurch mehre. Hofmann dementierte unterdessen den Bericht und bezeichnete die verwendeten Zitate als aus dem Zusammenhang gerissen. "Wir haben immer gesagt, wir wollen mit der Commerzbank und nicht gegen die Commerzbank zu einer Lösung kommen", sagte Hofmann der Wirtschafts-Nachrichtenagentur Vereinigte Wirtschaftsdienste (vwd): "In der jetzigen Phase ist Zurückhaltung angesagt".

Im Falle einer Fusion beider Institute würde das nach der Deutschen Bank zweitgrößte Geldhaus Deutschlands mit einem Börsenwert von rund 46 Milliarden Euro entstehen. Beide Banken wollten sich über den weiteren Verlauf zunächst nicht wieder öffentlich äußern, hieß es in der Mitteilung weiter.

In Kreisen hatte es bereits am Sonntag abend geheißen, am vergangenen Wochenende hätten Gespräche zwischen Vertretern beider Institute stattgefunden. Beobachter gehen davon aus, dass es sich bei den Gesprächen um Sondierungen handle, noch nicht um konkrete Fusionsverhandlungen. Bis zu einem möglichen Zusammenschluss könnten noch Monate vergehen.

Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen hatte bereits kurz nach dem Scheitern der Fusion zwischen Dresdner und Deutscher Bank seine grundsätzliche Gesprächbereitschaft mit der Dresdner Bank signalisiert. Der neue Dresdner-Chef Bernd Fahrholz hatte auf der Hauptversammlung im Mai ein strategisches Konzept vorgestellt, dass die Selbstständigkeit der Bank erhalten sollte.

Die Dresdner Bank hat eine Marktkapitalisierung von gut 25 Milliarden Euro, die Commerzbank ist an der Börse gut 20 Milliarden Euro wert. Zusammen würden beide Banken damit immer noch hinter der Deutschen Bank mit einem Marktwert von knapp 54 Milliarden Euro liegen.