Sonntag, 25. August 2019

US-Technologiekonzerne Frauen übernehmen Macht bei IT-Riesen

Von IBM bis Xerox: Frauen an der Spitze
Getty Images

Warum schaffen es in den USA so viele Frauen an die Spitze? Eine Ortserkundung bei IBM, Google, Facebook und Co.

Hamburg - Virginia Rometty (54) war bereits auf der Zielgeraden, als sie ein außergewöhnliches Angebot erhielt. Die Offerte: Chefin über 130 Milliarden Dollar Umsatz, 325.000 Mitarbeiter und jene Marke, die den Mythos vom Silicon Valley einst begründete. Kurz, Rometty sollte schon 2010 Chefin von Hewlett-Packard (HP) werden.

Die Managerin lehnte ab. Sie hatte ein besseres Angebot. Zu Jahresbeginn 2012 hat "Ginni", wie Virginia Rometty bei IBM Börsen-Chart zeigen genannt wird, die Nachfolge von Sam Palmisano (60) an der Spitze von Big Blue angetreten. "Ginni ist der ideale CEO, um IBM in sein zweites Jahrhundert zu führen", läutete Palmisano die Stabübergabe an seine bisherige Strategiechefin ein.

Ein Satz mit unfreiwillig visionärem Weitblick. Denn mit Rometty fängt nicht nur bei IBM eine neue Ära an. Die ganze Tech-Branche tritt in ein neues Zeitalter ein: Es beginnt die Zeitrechnung, in der Frauen die Macht übernehmen.

Auch HP hat - nach einem Intermezzo von Léo Apotheker an der Spitze - mit der ehemaligen Ebay-Frontfrau Meg Whitman (55) doch noch eine Dame auf den Chefsessel gesetzt. Die zwei größten IT-Konzerne der Welt werden damit von Managerinnen geführt. Und bei Xerox Börsen-Chart zeigen steht schon seit 2009 Ursula Burns (53) an erster Stelle. Selbst bei Oracle Börsen-Chart zeigen unter dem Super-Macho Larry Ellison gilt mit Finanzchefin Safra Catz (50) eine Frau als natürliche Nachfolgerin.

Die zwei weltgrößten IT-Konzerne werden von Frauen geführt

Es ist kein Zufall, dass in der Tech-Welt die Frauen derart nach vorn kommen. "Unsere Branche bewegt und verändert sich schnell. Hier können Frauen zügiger aufholen als überall sonst", glaubt Google-Vizepräsidentin Marissa Mayer (36). In kaum einer anderen Branche lässt sich zudem die Zeit für Job und Familie so flexibel einteilen wie hier.

Selbst hierzulande, wo der Chefinnen-Anteil bescheiden ausfällt, preschen die Tech-Frauen vor: Die Geschäfte von Microsoft Börsen-Chart zeigen Deutschland leiten sieben Männer und sechs Frauen - ein teutonischer Spitzenwert (siehe Kasten links) . Und IBM hat mit Martina Koederitz 2011 erstmals eine Statthalterin für Deutschland gekürt.

Doch nirgendwo anders drängen die Frauen so offen an die Macht wie im Silicon Valley. Hier, in Kalifornien, hat sich eine neue Generation darangemacht, das "Old Boys' Network" aus Gründern und Gönnern aufzubrechen, das über Aufstieg und Fall entscheidet, seit Bill Hewlett und David Packard in einer Garage in Palo Alto 1939 Hewlett-Packard erfanden.

Die Vertreterinnen des "New Girls' Network" treten selbstbewusst wie nie zuvor in der Geschichte von Corporate America für das Vorankommen ihrer Geschlechtsgenossinnen ein.

"Ich glaube an eine Welt, in der die Hälfte unserer Firmen von Frauen geführt wird und die Hälfte unserer Haushalte von Männern." Als Feministin möchte die Frau, die solche Sätze sagt, lieber nicht bezeichnet werden. Eines aber ist Sheryl Sandberg (42), als Chief Operating Officer nach Gründer Mark Zuckerberg die Nummer zwei bei Facebook, ganz gewiss: die charismatischste Managerin, die die US-Wirtschaft derzeit vorzuweisen hat. Selbst eine große Zukunft in der Politik trauen ihr viele, die sie gut kennen, zu. Doch derzeit kennt Sandberg nur zwei Missionen: Das Facebook-Werbegeschäft voranzubringen - und mehr Frauen zu Führungspositionen zu verhelfen, vor allem in der Tech-Branche.

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