Samstag, 21. September 2019

SdK-Prozess Ex-Anlegerschützer bestreitet Interessenkonflikt

Will alles richtig gemacht haben: Markus Straub mit seiner Anwältin

Hier verteidigt sich der Angeklagte selbst: Drei Anwälte hat Markus Straub mitgebracht. Dennoch gibt der frühere Vorstand der Aktionärsvereinigung SdK nur zu gerne selbst Auskunft über sein Handeln - mit dem aufgebrachten Habitus eines Profis, der nur das Übliche tat.

München - "Wir hatten recht". Obwohl Markus Straub schon 2008 aus dem Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) ausgeschieden und inzwischen wohl zu einem Imageschaden für die Vereinigung geworden sein dürfte, spricht er immer noch von "wir". Er sagt, er habe als Verantwortlicher für die SdK-Öffentlichkeitsarbeit zu Recht vor zweifelhaften Bilanzen und Absturz gefährdeten Aktien gewarnt, selbst wenn die anschließende Kursbewegung ihm privat zum Nutzen gereichte.

"Bei uns läuft das normalerweise so", beginnt der Angeklagte, wenn die Richter am Landgericht München I ihn nach den Geflogenheiten in den Kreisen der Aktionärsschützer befragen: Etwa wer genau 2006 die Pressemitteilungen mit den Verkaufsempfehlungen für die Thielert AG formulierte (er selbst) oder was man im Vorstand gegenseitig von persönlichen Aktienspekulationen wusste (nichts).

Seit dem 23. Januar 2012 muss sich Straub zusammen mit einem "Komplizen" in einem Verfahren wegen Marktmanipulation und Insiderhandel verantworten. Der Volkswirt, der seit 16 Monaten in der JVA Traunstein einsitzt, fühlt sich offenbar zu Unrecht verfolgt. Und - in Handschellen vorgeführt wie ein gewöhnlicher kleiner Dieb - wohl irgendwie auch in seiner Bedeutung unterschätzt.

Schließlich seien die SdK-Vertreter als Gesprächspartner gefragt gewesen: "Die Unternehmen wollten einen kritischen Dialog mit den Aktionären und auf den Hauptversammlungen nicht nur Fragen, die sich darum drehen, warum es diesmal Senf von Händlmaier statt von Develey zu den Würsteln gibt".

Schwankendes Maß an Sorgfalt

Straub, 42, schildert mit heller Stimme und zerknautschter Miene mal beflissen, mal ungeduldig das Tagesgeschäft eines Aktienspekulanten: wie man "short" geht, wie die Risiken sich verteilen, wie man "marktschonend" verkauft, wie man unerkannt an einer Unternehmensauktion teilnimmt. "Das ist so üblich", auf diese Position zieht er sich meistens zurück, allerdings nicht ohne sich hin und wieder in Widersprüchen zu verfangen.

Seine Verteidiger, unter ihnen Ex-SdK-Vorstand Harald Petersen, lassen ihn reden. Nur über eigene wohlwollende Fragen regt man ihn dazu an, sich auch so zu äußern, dass es ihm zum Vorteil gereichen könnte.

Denn sehr überzeugend wirkt es auch für die Vorsitzende Richterin nicht, dass Straub sich bei der Aktie des Flugmotorenherstellers Thielert AG (wo er in großem Umfang auf fallende Kurse spekuliert hatte) noch in die kleinsten Details der Bilanz vertiefte und sorgfältige Recherchen zu getürkten Rechnungen anstellte. Während er bei der Biotech-Aktie NasCacell, die er noch vor dem Börsengang billig erworben hatte und dann schnell verkaufte, gutgläubig den Angaben auf der NasCacell-Internet-Seite vertraute und den guten Kontakten seines SdK-Vorstandskollegen Christoph Öfele ins Unternehmen. Zweifel an den Verträgen zu wohlklingenden Kunden aus der Pharmabranche habe er nicht gehabt, gibt der Angeklagte zu Protokoll.

Straub versichert, er habe die Aktionäre, die auf die SdK hörten, tatsächlich schützen und nicht täuschen wollen: "Ich sehe keinen Interessenkonflikt, wenn ich entsprechend meiner eigenen Empfehlung handele". Schließlich habe das Landgericht Hamburg 2008 die kritisierten Bilanzen der Thielert AG bis 2005 für nichtig erklärt.

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