Baan Gründer in der Kritik

Niederländische Aktionärsvertreter werfen den Gründern des angeschlagenen Software-Hauses vor, einen Großteil ihrer Beteiligungen unangemeldet verkauft zu haben.

Amsterdam - Sie forderten die niederländische Börsenaufsicht am Freitag auf, die erst jetzt bekannt gewordenen weit reichenden Aktienverkäufe von Jan und Paul Baan aus dem vergangenen Jahr zu untersuchen. Ein Sprecher der Vanenburg-Gruppe, die den Baan-Brüdern gehört, bestritt böse Absicht.

Der Baan-Betriebsrat befürwortete unterdessen einen Verkauf des Unternehmens an den britischen Technologie-Konzern Invensys. Ein Sprecher der Vereinigung der Effektenbesitzer (VEB) in Amsterdam sagte, es müsse festgestellt werden, warum die Baan-Brüder ihre Beteiligungen an dem in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Unternehmen über die Vanenburg-Gruppe verkauft und dies nicht gemeldet hätten. Schließlich gehe es um erhebliche Beträge.

Die niederländische Aufsichtsbehörde (STE) nahm zur Forderung der Aktionärsvereinigung keine Stellung. Dies sei gesetzlich verboten, meinte eine Sprecherin. "Aber natürlich haben wir Kenntnis von der Sache", sagte sie.

Vanenburg-Gruppe weist Vertuschungs-Vorwürfe zurück

Ein Sprecher der Vanenburg-Gruppe wies Behauptungen zurück, der Verkauf der Anteile habe vertuscht werden sollen. Das Management habe den Verkauf aus dem Dezember letzten Jahres erst jetzt gemeldet, weil man komplizierte Verträge zu spät genau durchgelesen habe. Die fraglichen Aktien seien als Pfand hinterlegt worden, als Vanenburg im vergangenen Jahr bei einer Bank Geld ausgeliehen habe.

Niemand im Unternehmen habe geahnt, dass die Besitzrechte an den Aktien bei einem anderen lagen, sagte der Sprecher. Erst viel später habe man die dabei aufgestellten komplizierten Verträge im Einzelnen studiert.

Durch den rapiden Kursverfall des einst hoch bewerteten Unternehmens hatten Anleger hohe Summen verloren. Der Aktienkurs von Baan sei unmittelbar nachdem die Baan-Gründer ihre Anteile verkauft hätten, in Amsterdam deutlich gesunken, erläuterte die Effektenbesitzer-Vereinigung VEB. Bei dem Verkauf war nach Angaben der Gruppe die meldepflichtige Grenze bei Käufen und Verkäufen von zehn Prozent der Anteile überschritten worden.

Betriebsrat spricht sich erneut für Invensys aus

Am Freitagmittag lag der Kurs der Baan-Aktie bei 2,84 Euro, einen Cent unter dem des Vortages. Rechtzeitig zum vereinbarten Zeitpunkt (16. Juni) nahm der Baan- Betriebsrat zur empfohlenen Übernahme des angeschlagen Unternehmens durch den britischen Technologie-Konzern Invensys Plc (London) Stellung. Er unterstützte die Absicht einstimmig. Dieses Vorhaben liege im besten Interesse der Beschäftigten, sagte ein Sprecher. Eine seriöse Alternative gebe es nicht.

Invensys will Baan für umgerechnet 1,5 Milliarden Mark übernehmen. Nach einer Umstrukturierung solle Baan aber als eigenständige Marke weitergeführt werden.

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