Commerzbank/Dresdner Erneute Fusionsgerüchte

Die Institute haben am Freitagmorgen eine Stellungnahme zu neuerlichen Gerüchten über Fusionsgespräche abgelehnt. Die Börse reagierte zurückhaltend.

Frankfurt/Main - Zuvor hatten das "Wall Street Journal" berichtet, die Vorstände beider Kreditinstitute verhandelten über einen möglichen Zusammenschluss.Danach sollten sich Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen und Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz am Samstag in Frankfurt treffen, um mit weiteren Vorständen der Geldhäuser Einzelheiten einer möglichen Fusion zu diskutieren. Eine Fusion oder Kooperation liege allerdings noch in weiter Ferne. Die Gespräche könnten sich noch viele Monate hinziehen, hieß es.

Börse reagiert zurückhaltend, Analysten bleiben cool

Im leicht positiven Markttrend legten die Aktien der Commerzbank zunächst um 1,61 Prozent auf 40,44 Euro zu. Die Papiere der Dresdner Bank kletterten um 1,02 Prozent auf 47,50 Euro. Analysten der Vereins- und Westbank haben die beiden Geldinstitute nach wie vor auf "neutral" gesetzt. "Im Moment spricht im Bankengewerbe jeder mit jedem", sagte ein Analyst: "Wenn überhaupt, würde ich von 'Sondierungen' sprechen."

Auch weiterhin seien keine großen Sprünge zu erwarten, meint der Experte: "Laut unserer Prognose entwickeln sich beide im Einklang mit dem Eurostoxx. Das heißt etwa plus 10 Prozent." Ein Zusammengehen würde zwar "schon Sinn machen", der große Wurf hingegen sei es nicht. "Herauskommen würde im europäischen Vergleich ein Institut mittlerer Größe - weder Hund noch Katze", sagte der Analyst.

Ergänzen könten sich beide Banken nur im Retailgeschäft, das die Commerzbank bereits vor Jahren erfolgreich umstrukturiert hat, und im starken Investmentbanking der Dresdner Bank. Langfristig müsse jedoch noch ein Dritter mit ins Boot genommen werden, um eine sinnvolle Größe zu erreichen.

Nach Ansicht verschiedener Experten würde eine Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank in der Gerüchteküche derzeit hoch gekocht, weil es bei beiden Häusern "einen gewissen Handlungsdruck" gebe. Bei der Commerzbank fordert die Beteiligungsgesellschaft Cobra, die 17 Prozent der Anteile hält, eine strategische Neuausrichtung.

Allianz hält sich diskret zurück

Die Dresdner Bank steht unter dem Druck, für den Großaktionär Allianz ordentliche Renditen zu erwirtschaften. Die gibt sich aber diskret. Er wolle zu einer möglichen Fusion zwischen Dresdner und Commerzbank AG keine Stellung nehmen, sagte ein Sprecher. Ein Fusionsdeal obliege allein den Beteiligten und nicht der Allianz, die derzeit 21,4 Prozent an der Dresdner Bank hält.

Marktbeobachtern zufolge ist nicht auszuschließen, dass die Versicherung ihre Beteiligung an der Commerzbank von derzeit 0,5 Prozent um den 17-Prozent-Anteil der Investmentgesellschaft Cobra aufstocken will.

Andere Beobachter halten dies für zweifelhaft, da die Commerzbank im Versicherungsbereich mit der Assecurazione Generali Spa, Triest, zusammenarbeitet und damit als Vertriebskanal für Allianzprodukte nicht ohne weiteres in Frage kommt. Damit sei der Sinn dieser Beteiligung fraglich und widerspreche der Allianz-Strategie, ihr Beteiligungsportfolio zu reduzieren. Fraglich ist Branchenkennern zufolge außerdem, ob die Allianz nun Interesse an der Fondstochter der Dresdner Bank, dem Deutscher Investment Trust (DIT), entwickelt.

Einen kartellrechtlichen Zwang zum Verkauf einer Fondsgesellschaft im Falle einer Dresdner-Commerzbank-Fusion sehen Beobachter mit Blick auf die Marktanteile jedenfalls nicht.

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