Lange Laufzeit Österreich führt 50-jährige Anleihen ein

Die Republik Österreich hat erstmals in ihrer Geschichte Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 50 Jahren ausgegeben. Die Finanzagentur wertet die erfolgreiche Auktion kurz nach der Herabstufung des Länderratings als Vertrauensbeweis des Finanzmarkts.
Bundeskanzler Faymann: "Wir brauchen die Finanztransaktionssteuer"

Bundeskanzler Faymann: "Wir brauchen die Finanztransaktionssteuer"

Foto: epa apa Hans Klaus Techt/ picture-alliance/ dpa

Wien - Der Staat sammelte mit den Schuldpapieren zwei Milliarden Euro ein und muss den Käufern des Papiers 3,837 Prozent Zinsen zahlen, wie die österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) am Donnerstagabend mitteilte. Die Nachfrage nach den Papieren sei sehr groß gewesen.

Österreichische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit rentierten am Freitag mit 3,1 Prozent, gegenüber knapp 1,9 Prozent für deutsche Bundesanleihen. Im November war die Risikoprämie zeitweise auf mehr als 2 Prozentpunkte gestiegen. Für 30-jährige Papiere verlangten die Anleger von Österreich 3,7 Prozent Rendite, von Deutschland 2,5 Prozent. Das ist üblicherweise die längste Laufzeit für Staatsanleihen. Frankreich begab 2005 erstmals auch 50-jährige Anleihen, in Deutschland und den USA wurde zuletzt darüber diskutiert.

Die erfolgreiche Platzierung zeige "die starke Kreditwürdigkeit Österreichs", erklärte ÖBFA-Chefin Martha Oberndorfer. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte die Kreditwürdigkeit der Republik in der vergangenen Woche von "AAA" auf "AA+" herabgestuft; Moody's und Fitch hingegen geben Österreich weiterhin ihr Top-Rating. Während die Wirtschaftsdaten des Landes vergleichsweise solide sind, gelten die umfangreichen Kreditaktivitäten österreichischer Banken in Osteuropa als Risiko.

Die Käufer der 50-Jahres-Anleihe kamen den Angaben zufolge zu 62 Prozent aus Deutschland. 23 Prozent der Papiere gingen in die Niederlande, 4 Prozent in die Schweiz und nur 2 Prozent blieben im Heimatland Österreich.

Österreich hat nun genug Geld und will daher den Kapitalmarkt nicht wie geplant Anfang Februar anzapfen. Der Auktionstermin am 7. Februar werde nicht wahrgenommen, teilte die ÖBFA am Freitag mit. Das Land hatte sich am Donnerstag über zwei syndizierte Anleihen insgesamt fünf Milliarden Euro bei Investoren besorgt. Damit hat Österreich bereits fast 30 Prozent des geplanten Emissionsvolumens von 20 bis 24 Milliarden Euro für 2012 erfüllt.

Die umstrittene Finanztransaktionssteuer könnte nach Einschätzung von Österreich im Jahr 2014 Realität werden. Das sagte Bundeskanzler Werner Faymann am Freitag nach einem Treffen mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Amtskollegen aus Schweden und Portugal am Donnerstagabend. "Wenn wir heuer (dieses Jahr) den Beschluss fassen in der Euro-Zone - oder weitgehend in der Euro-Zone vielleicht mit dem einen oder anderen Land, das sich anschließt auch außerhalb der Euro-Zone - dann könnten wir es ab 2014 im Budget einstellen und das würden wir brauchen", sagte Faymann im österreichischen Rundfunk.

Der Vorschlag, die Steuer nur innerhalb der Euro-Zone und nicht in der gesamten EU einzuführen, ist umstritten. Kritiker befürchten Standordnachteile für Länder, die die neue Abgabe einführen, gegenüber Großbritannien, das zwar in der EU ist, aber den Euro nicht hat. Der britische Premierminister David Cameron hatte bereits Widerstand gegen eine Finanztraktionssteuer in seinem Land angekündigt.

ak/afp/rtr