Samstag, 19. Oktober 2019

Wölbern Invest Ein Fondshaus und viele Fragen

Was steckt dahinter? Manch einem Wölbern-Anleger reichen die Informationen zum neuen Liquiditätspool nicht

27.000 Anleger des Emissionshauses Wölbern Invest stehen zurzeit vor der Frage, ob sie einem neuen Liquiditätspool für ihre Fonds zustimmen sollen. Anderswo wird so etwas schon erfolgreich gemacht. Im Falle Wölberns gibt es aber eine Menge Gründe zur Vorsicht.

Hamburg - Auf den ersten Blick sieht die Gesellschafterinformation Nr. 4 an die Anleger des Hollandfonds 56 vom Emissionshaus Wölbern Invest recht erfreulich aus. Es wird über eine Auszahlung für das Jahr 2010 informiert, so etwas liest jeder Anleger gern.

Am Ende des Schreibens, das in ähnlicher Form rund 27.000 Wölbern-Kunden zum Jahreswechsel im Briefkasten fanden, folgt jedoch die eigentlich wichtige Passage. Dort ruft die Fondsgeschäftsführung zur Abstimmung auf. Drei Änderungen sollen die Anleger von mehr als 20 Wölbern-Fonds beschließen: Das Risikomanagement soll erweitert und die Buchhaltung an eine externe Gesellschaft vergeben werden. Zudem soll - der wohl weitreichendste Vorschlag - künftig ein Liquiditätsmanagement-System durchgeführt werden, und zwar für zunächst zwei Jahre zur Probe.

Die Idee ist nicht neu - und sie kann durchaus den gewünschten Erfolg bringen. Dabei ist das Grundprinzip denkbar einfach: Anstatt ihre freien Mittel auf ein niedrigverzinstes Konto zu legen, geben sich die Fonds, die an einem solchen Liquiditätspool teilnehmen, untereinander Kredite. Der jeweils geldgebende Fonds erhält dafür einen etwas höheren Zins als ihn die Banken bieten. Allerdings liegt der Zins unter dem von Banken geforderten Kreditzins. Dadurch wird die Sache auch für den Darlehensnehmer lukrativ.

Ein System also, dass viele Vorteile birgt - wenn alles seriös und richtig gemacht wird. Das Emissionshaus Wealthcap etwa, Tochter der Unicredit Bank, verfährt seit Jahren nach diesem Prinzip. Am Cashpool des Hauses nehmen nach Angaben von Geschäftsführer Rainer Krütten insgesamt mehr als 100 Wealthcap-Gesellschaften teil, für die laufend ein dreistelliger Millionenbetrag verwaltet werde. Der Initiator hat damit eigenen Angaben zufolge ein System implementiert, das eine bestmögliche Disposition freier Liquidität der teilnehmenden Gesellschaften gewährleisten soll.

Die Fallstricke eines Liquiditätspools

"Durch das Zusammenfassen der Liquidität erhöhen wir unterm Strich die Einnahmen unserer Fonds", sagt Krütten. "Das erfordert allerdings ein sehr aufwändiges Management des Pools, eine präzise, weitsichtige Liquiditätsplanung sowie die Einhaltung zahlreicher vertraglich vereinbarter Regeln, nach denen wir vorgehen." So sind etwa Quersubventionierungen anderer Beteiligungsgesellschaften nicht möglich. Fonds, die beispielsweise offene Nachbesicherungsverpflichtungen haben, erhalten dafür keine Liquidität aus dem Cashpool.

Um unterm Strich erfolgreich zu sein, so Krütten, müssen zahlreiche Sicherungen eingebaut werden. Ein Beispiel: Die Kreditsumme, die ein Fonds an einen anderen verleiht, ist bei Wealthcap auf 2 Prozent der Zeichnungssumme des kreditgebenden Fonds begrenzt. So soll verhindert werden, dass die Schicksale zweier Fonds zu stark miteinander verknüpft werden.

Auch Bernhard Dames, Analyst der Ratingagentur Scope, kennt die Fallstricke, die ein Pool, der die Liquidität mehrerer Fonds sammelt und verwaltet, mit sich bringt. "In der Regel wird die Liquiditätsreserve geschlossener Fonds in Form von Tagesgeld angelegt, weil dies sicher ist und die größte Flexibilität und schnelle Verfügbarkeit gewährleistet", sagt er.

Beispielsweise im Falle eines plötzlichen Mieterausfalls müssen Immobilienfonds mitunter schnell auf ihre Liquiditätsreserve zugreifen können, so der Experte. Das Geld werde dann zum Beispiel gebraucht zur Gewinnung eines neuen Mieters, für Maklerkosten und Incentives sowie für unerwarteten Instandhaltungsbedarf am Investitionsobjekt.

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