Wölbern Invest Ein Fondshaus und viele Fragen

27.000 Anleger des Emissionshauses Wölbern Invest stehen zurzeit vor der Frage, ob sie einem neuen Liquiditätspool für ihre Fonds zustimmen sollen. Anderswo wird so etwas schon erfolgreich gemacht. Im Falle Wölberns gibt es aber eine Menge Gründe zur Vorsicht.
Was steckt dahinter? Manch einem Wölbern-Anleger reichen die Informationen zum neuen Liquiditätspool nicht

Was steckt dahinter? Manch einem Wölbern-Anleger reichen die Informationen zum neuen Liquiditätspool nicht

Foto: DPA

Hamburg - Auf den ersten Blick sieht die Gesellschafterinformation Nr. 4 an die Anleger des Hollandfonds 56 vom Emissionshaus Wölbern Invest recht erfreulich aus. Es wird über eine Auszahlung für das Jahr 2010 informiert, so etwas liest jeder Anleger gern.

Am Ende des Schreibens, das in ähnlicher Form rund 27.000 Wölbern-Kunden zum Jahreswechsel im Briefkasten fanden, folgt jedoch die eigentlich wichtige Passage. Dort ruft die Fondsgeschäftsführung zur Abstimmung auf. Drei Änderungen sollen die Anleger von mehr als 20 Wölbern-Fonds beschließen: Das Risikomanagement soll erweitert und die Buchhaltung an eine externe Gesellschaft vergeben werden. Zudem soll - der wohl weitreichendste Vorschlag - künftig ein Liquiditätsmanagement-System durchgeführt werden, und zwar für zunächst zwei Jahre zur Probe.

Die Idee ist nicht neu - und sie kann durchaus den gewünschten Erfolg bringen. Dabei ist das Grundprinzip denkbar einfach: Anstatt ihre freien Mittel auf ein niedrigverzinstes Konto zu legen, geben sich die Fonds, die an einem solchen Liquiditätspool teilnehmen, untereinander Kredite. Der jeweils geldgebende Fonds erhält dafür einen etwas höheren Zins als ihn die Banken bieten. Allerdings liegt der Zins unter dem von Banken geforderten Kreditzins. Dadurch wird die Sache auch für den Darlehensnehmer lukrativ.

Ein System also, dass viele Vorteile birgt - wenn alles seriös und richtig gemacht wird. Das Emissionshaus Wealthcap etwa, Tochter der Unicredit Bank, verfährt seit Jahren nach diesem Prinzip. Am Cashpool des Hauses nehmen nach Angaben von Geschäftsführer Rainer Krütten insgesamt mehr als 100 Wealthcap-Gesellschaften teil, für die laufend ein dreistelliger Millionenbetrag verwaltet werde. Der Initiator hat damit eigenen Angaben zufolge ein System implementiert, das eine bestmögliche Disposition freier Liquidität der teilnehmenden Gesellschaften gewährleisten soll.

Die Fallstricke eines Liquiditätspools

"Durch das Zusammenfassen der Liquidität erhöhen wir unterm Strich die Einnahmen unserer Fonds", sagt Krütten. "Das erfordert allerdings ein sehr aufwändiges Management des Pools, eine präzise, weitsichtige Liquiditätsplanung sowie die Einhaltung zahlreicher vertraglich vereinbarter Regeln, nach denen wir vorgehen." So sind etwa Quersubventionierungen anderer Beteiligungsgesellschaften nicht möglich. Fonds, die beispielsweise offene Nachbesicherungsverpflichtungen haben, erhalten dafür keine Liquidität aus dem Cashpool.

Um unterm Strich erfolgreich zu sein, so Krütten, müssen zahlreiche Sicherungen eingebaut werden. Ein Beispiel: Die Kreditsumme, die ein Fonds an einen anderen verleiht, ist bei Wealthcap auf 2 Prozent der Zeichnungssumme des kreditgebenden Fonds begrenzt. So soll verhindert werden, dass die Schicksale zweier Fonds zu stark miteinander verknüpft werden.

Auch Bernhard Dames, Analyst der Ratingagentur Scope, kennt die Fallstricke, die ein Pool, der die Liquidität mehrerer Fonds sammelt und verwaltet, mit sich bringt. "In der Regel wird die Liquiditätsreserve geschlossener Fonds in Form von Tagesgeld angelegt, weil dies sicher ist und die größte Flexibilität und schnelle Verfügbarkeit gewährleistet", sagt er.

Beispielsweise im Falle eines plötzlichen Mieterausfalls müssen Immobilienfonds mitunter schnell auf ihre Liquiditätsreserve zugreifen können, so der Experte. Das Geld werde dann zum Beispiel gebraucht zur Gewinnung eines neuen Mieters, für Maklerkosten und Incentives sowie für unerwarteten Instandhaltungsbedarf am Investitionsobjekt.

Ex-Wölbern-Vorstand rät zur Ablehnung des Pools

"Werden aus der Liquiditätsreserve Darlehen vergeben, so ist größere Vorsicht geboten", sagt Dames. "Es kommen zusätzliche Risiken ins Spiel." Als Beispiel nennt er die Frage, ob der Darlehensnehmer den Kredit vollständig und wie vereinbart zurückzahlen kann. "Tritt plötzlich eine Situation im Fonds auf, in der auf die Liquiditätsreserve zugegriffen werden muss und ist das Geld dann schnell verfügbar?" fragt er. "Es müssen unbedingt geeignete Sicherheiten gestellt werden."

Keine leichte Sache also, die Einrichtung und das Management eines solchen Liquiditätspools. Im Falle Wölberns jedenfalls hat der Vorschlag offenbar für einige Unruhe gesorgt. Skeptische Töne sind von einem großen Vertriebspartner des Unternehmens zu hören. Und auch unter den Anlegern macht sich Sorge breit. Der Hauptgrund: Die Informationen, die das Emissionshaus zur Abstimmung über die Pläne mitlieferte, erscheinen äußerst dürftig und werfen viele Fragen auf.

Wölbern-Generalbevollmächtigter Thomas Kühl sagt zwar, die Teilnahmequote an der Abstimmung sei mit "bisher 30 bis 40 Prozent" vergleichsweise hoch, ebenso wie die Zustimmungsquote von "70 bis 80 Prozent". In Internetforen wird die Sache jedoch kritisch diskutiert. Zudem haben nach Information von manager magazin Online mehrere Anleger umfangreichen Informationsbedarf angemeldet und Fragen an den Initiator gerichtet. Ein Gesellschafter von gleich vier betroffenen Fonds schaltete spontan einen Anwalt ein, der ein vierseitiges Schreiben mit Einwänden an den Initiator sandte, inklusive der Ankündigung, die Finanzaufsicht einzuschalten.

Prominentester Kritiker ist wohl Ove Franz, ehemaliger Vorstand des Bankhauses Wölbern und einer der Erfinder der Holland-Immobilienfonds. In einem Brief an die Kommanditisten des Fonds Holland 56, dessen Gesellschafter Franz ist, listet er eine Reihe von Fragen rund um das Thema Liquiditätspool auf, die seiner Ansicht nach vor einer Zustimmung beantwortet werden müssten. Er empfehle "dringend, (...) gegen die Durchführung eines Liquiditätsmanagement-Systems zu stimmen", schreibt Franz.

Fragen, die es in sich haben

Franz hatte die Wölbern-Verantwortlichen gebeten, das Schreiben, das manager magazin Online vorliegt, an alle Anleger des Fonds zu verteilen. Das geschah jedoch nicht. Stattdessen habe inzwischen ein Gespräch mit Ex-Vorstand Franz stattgefunden, heißt es bei Wölbern.

Dabei haben es die Fragen des erfahrenen Fondsexperten durchaus in sich: Er will beispielsweise wissen, welche Geschäfte mit welchen Bonitätsanforderungen und Sicherheiten sowie mit welchen maximalen Laufzeiten der Pool tätigen darf. Zudem: Warum das Management des Pools in eine Gesellschaft in den Niederlanden ausgelagert werden solle. Ob die Liquidität auch "in strauchelnde Schiffsfonds oder andere Hochrisiko-Investments der Wölbern-Gruppe" investiert werden könnte. Ob es eine neutrale Mittelverwendungskontrolle gibt. Und wer eigentlich die Teilnehmer des Pools sind. Schließlich: Welche bereits eingegangenen Geschäfte sollen mit der Zustimmung nachträglich genehmigt werden?

Die Antworten auf diese Fragen sind den Abstimmungsunterlagen nicht zu entnehmen. Auch weitere Informationen Wölberns beseitigen nicht alle Fragezeichen. In einem Schreiben heißt es etwa, Darlehen aus dem Liquiditätsmanagement-System werden ausschließlich zur Fondsfinanzierung Verwendung finden, welche durch bewertbare Sicherheiten vollwertig zu decken sind. Zur Anlage komme "nur freie bzw. überschüssige Liquidität", jene Mittel also, die "dem Fonds nach Erfüllung von Kapitaldiensten und allen anderen Fonds- und Immobilienkosten nachhaltig zur Verfügung stehen".

Spielraum für Spekulationen

Die einzelne Darlehensvergabe sei auf einen Höchstbetrag von 500.000 Euro pro Fonds beschränkt, die Kredite würden maximal für ein knappes Jahr vergeben. Und: Eine externe Revision werde die Gesellschaft überwachen. Nach Angaben des Wölbern-Generalbevollmächtigten Thomas Kühl handelt es sich dabei um eine der "Top 5 Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Deutschlands".

Offen bleibt indes ein entscheidender Punkt: Werden künftig auch andere, Nicht-Immobilienfonds oder das Emissionshaus selbst dem Pool beitreten und Zugriff auf die Liquidität erhalten können? Immerhin geht es nach Angaben von Wölbern Invest um ein Volumen von bis zu 40 Millionen Euro. Wölbern-Generalbevollmächtigter Kühl betont zwar: "Es sollen ausschließlich Immobilienfonds in das System einbezogen werden." Eine klare Festlegung klingt jedoch anders. Und stimmen die Anleger den Plänen in ihrer derzeitigen Form zu, dann haben sie die Einschränkung auf Immobilienfonds keineswegs fixiert.

Auf die schriftliche Anfrage eines Anlegers zu diesem Punkt antwortete Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte zudem vor wenigen Tagen: "Gesellschafter der Liquiditätsmanagement GbR können alle Gesellschaften der Wölbern Konzerngruppe sein, wobei wir diese Gesellschafter bisher ausschließlich auf den Immobilienbereich bezogen haben."

Das lässt viel Spielraum für Spekulationen. Scope-Analyst Dames rät jedenfalls zur Vorsicht, wenn sich ein "Emissionshaus aus dem Liquiditätspool Darlehen geben lässt". Und dass es im Hause Wölbern beziehungsweise in dessen Gesellschafterkreis mitunter zu finanziellen Engpässen kommen kann, hat sich in der Vergangenheit gezeigt.

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