Donnerstag, 21. November 2019

Handwerkerkosten BFH eröffnet neue Steuersparchance

Gartenpflege: Wer einen Garten neu anlegt, kann die Handwerkerkosten laut BFH von der Steuer absetzen

Der Bundesfinanzhof hat die Steuersparmöglichkeiten erweitert: In einem aktuellen Urteil entschieden die Richter, dass Handwerkerkosten nicht nur bei Gartenumbauten, sondern auch beim Neuanlegen der Grünanlagen absetzbar sind. Insgesamt sind fast 6000 Euro Ersparnisse drin. 

München/Berlin - Gute Nachrichten für Eigenheimbesitzer: Auch das Neuanlegen des Gartens lässt sich jetzt steuerlich absetzen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat den Steuerbonus für Handwerkerleistungen mit einem neuen, kürzlich veröffentlichten Urteil deutlich erweitert (Aktenzeichen: BFH, VI R 61/10). Bisher konnten Häuslebauer nur bei Umgestaltungen Steuern sparen. "Die Entscheidung eröffnet neue Spielräume", sagt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BDL).

Seit 2006 beteiligt sich der Fiskus an vielen legalen Handwerkerarbeiten und Dienstleistungen rund um den Haushalt, die sonst gern schwarz vergeben werden. Profitieren können nicht nur Eigentümer, sondern auch Mieter oder Heimbewohner. Wer alle Boni ausreizt, kann seine Steuerlast um insgesamt 5710 Euro nach unten drücken.

Doch mit dem Finanzamt gibt es immer wieder Streit darüber, was tatsächlich geltend gemacht werden kann. Ob auch ein Frisörbesuch daheim oder der Einbau der neuen Küche absetzbar ist, der ganz neu geschaffene Garten oder nur der umgegrabene.

Nach dem BFH-Urteil ist nun klar: Wer vorhat, im Frühjahr Fachleute mit Aushub- und Erdarbeiten zu beauftragen, mit dem Bau von Stützmauern und Einfriedungen, dem Pflanzen von Bäumen, Büschen oder Rasen, der kann die Ausgaben in die Steuer packen. Mit Handwerkerrechnungen allein sind maximal 1200 Euro Steuerersparnis drin. Ließ ein Hausbesitzer bereits 2011 seinen Garten neu anlegen, sollte er jetzt die Rechnungen heraussuchen und sie bis Ende Mai mit seiner Steuererklärung einreichen. Das gilt auch für frühere Jahre, sollten die Bescheide noch offen sein.

Handwerker bringen Steuerabzug

Generell gilt: Immer dann, wenn Handwerker beim Steuerzahler daheim etwas reparieren oder austauschen, bringen die Ausgaben einen Steuerabzug. Wer 2011 beispielsweise Heizung, Hof und Garten in Schuss bringen oder die eigenen vier Wände renovieren ließ, kann 20 Prozent des Arbeitslohns bis zu 6000 Euro geltend machen. Das ergibt den Handwerkersteuerbonus von bis zu 1200 Euro. Absetzbar sind nur die Arbeitsleistung sowie Kosten für Anfahrt und Maschinenmiete, nicht das Material. Bargeld darf nicht fließen.

Es kann sich also lohnen, Schönheitsreparaturen wie Tapezieren, Malern, Heizkörperlackieren oder die Teppichbodenreinigung vom Profi machen zu lassen. Außerdem den Fensteraustausch, das Herausreißen alter Fußböden, Fliesen, Parkett legen sowie Möbelmontagen. Auch Arbeiten an Dach, Regenrinne und Fassade, an Heizungsanlagen, Elektro-, Gas- oder Wasserinstallationen werden bezuschusst. Sogar der Schornsteinfeger, der Klavierstimmer sowie der Umzug inklusive Renovierung der alten und neuen Wohnung sind absetzbar.

Für Reparatur und Wartung von Haushaltsgeräten im Haus darf man sich vom Finanzamt ebenso Geld zurückholen. Also dann, wenn Waschmaschine, Fernseher oder Computer streiken, Herd oder Geschirrspüler gerichtet werden müssen.

So viel ausreizen wie möglich

Muss ein Gerät in die Werkstatt, gibt es keinen Bonus. Kommen Frisör oder Kosmetikerin auf Hausbesuch, blockt der Fiskus ebenso ab, außer bei Pflegebedürftigen. Nicht absetzbar sind außerdem Kosten für den Energiepass, für eine Haushaltsauflösung oder etwa den Aufzugnotruf.

Auf Granit beißt auch, wer Steuervorteile für den Hausneubau, fürs Anbauen oder Aufstocken will. Beim Einbau einer neuen Küche wird nach wie vor fein unterschieden: Kommt sie in ein neues Haus, gibt es nichts. Wird sie gegen eine alte ausgetauscht, fließt der Bonus.

Noch mehr Steuerersparnis als mit Handwerkerarbeiten lässt sich mit haushaltsnahen Dienstleistungen abholen - von der Putzhilfe bis zum Au-Pair oder den Pflegedienst für Alte und Kranke. Wer etwa gegen Rechnung eine Haushaltshilfe bezahlt, einen Gärtner, Fensterputzer oder einen Schneeräumdienst, kann 20 Prozent seiner Aufwendungen von bis zu 20.000 Euro absetzen. Das macht eine kräftige Steuerentlastung von maximal 4000 Euro im Jahr.

Auch wer seine Putzkraft oder die Pflegehilfe aus Osteuropa als Minijobber im Privathaushalt angemeldet hat, kann den Fiskus beteiligen. Steuervorteil: Wiederum 20 Prozent der Lohnkosten, maximal 510 Euro.

Die Höchstbeträge von 1200 Euro für Handwerkerkosten, 510 Euro für Minijobber und 4000 Euro für andere haushaltsnahe Dienste - also insgesamt 5710 Euro - gibt es nur einmal im Jahr. Steuerexperte Nöll rät, so viele Steuersparchancen wie möglich zu nutzen. Ungeachtet des verbraucherfreundlichen BFH-Urteils gebe es bereits Vorstöße, die Förderung wieder zu kappen und Handwerkerrechnungen beispielsweise erst ab 300 Euro zuzulassen.

Von Berrit Gräber, apd

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung