E.On Energieriese mit Fusionshunger

Ab Dienstag werden Ulrich Hartmann und Wilhelm Simson den neuen Energie- und und Chemieriesen führen. Der Fusionshunger der Ex-Manager von Veba und Viag ist aber noch nicht gestillt. Welche Firma wird sich E.On einverleiben?

Düsseldorf/München - Mit dem Segen aus Brüssel, wenn auch unter Auflagen, kann das neue Unternehmen mit seinen Töchtern aus den Kernsparten Energie und Chemie starten. E.On wird der viertgrößte deutsche Industriekonzern mit rund 140 Milliarden Mark Umsatz und 200.000 Beschäftigten.

Die traditionsreichen Namen Veba und Viag werden möglicherweise schon am Montag vom Kurszettel verschwinden. Sie werden durch E.ON ersetzt. Den frei werdenden Platz im Dax wird die Münchener Siemenstochter Infineon einnehmen.

Die Kassen beider Unternehmen, besonders der Veba, quellen derzeit über. Durch den Ausstieg aus der Telekommunikation (E-Plus, o.tel.o., Cablecom und einer Beteiligung an Cable und Wireless) haben die Düsseldorfer Milliarden-Erlösen erzielt.

Vor dem Verkauf stehen weitere Beteiligungen beider Unternehmen - darunter Veba Electronics, Schmalbach Lubeca, VAW Aluminium, das Handelshaus Klöckner und die Platzierung von weiteren Stinnes-Aktien. Insgesamt wollen sich Veba und Viag von mehr als 50 Milliarden Mark Umsatz mit 100.000 Beschäftigten trennen.

E.On will über Akquisitionen wachsen

E.ON kann die Verkaufserlöse gut gebrauchen, vor allem im Energiebereich: "Wir werden über Akquisitionen und Kooperationen insbesondere in europäischen Nachbarländern expandieren", kündigte Hartmann kürzlich bei der Bilanzvorlage in Düsseldorf an.

Und so wird in der Branche bereits heftig über Kandidaten spekuliert. Mit der Pariser Suez Lyonnaise des Eaux ist dieser bereits gefunden. Der Verbund käme aktuell auf eine Marktkapitalisierung von über 70 Milliarden Euro. Zugleich hätte sich E.ON einen Partner zugelegt, der im Wasser-, Strom- und Gasgeschäft einen großen Namen hat.

Offiziell werden die Berichte nicht kommentiert. Experten vermuten, dass die Franzosen unter anderem Wasserversorger im eigenen Land, in Belgien und Großbritannien einbringen könnte, aber auch die belgische Electrabel.

Hintergrund des Fusionsfiebers auf den Energiemärkten in Europa ist der zunehmende Wettbewerb bei Strom, Gas und Wasser unter den Anbietern. Durch die Liberalisierung befindet sich der Markt in einem tiefen Umbruch. Gewinner sind dabei die Verbraucher, die wie beim Telefonieren auf weiter sinkende Strompreise hoffen können.

Als eine Vernunftehe nicht als Liebesheirat gilt der Zusammenschluss von Veba und Viag. Dabei standen beide Unternehmen unter dem hohen Druck, die Verhandlungen zum Erfolg zu bringen.

Der eine hatte zuvor in der Telekommunikation eine Bauchlandung erzielt, der andere sein Waterloo bei einer geplanten Großfusion im Aluminiumgeschäft. Konzentration auf die Kerngeschäfte lautete fortan die Losung.

Im "Merger of Equals" hat Veba das Sagen

Ein Zusammenschluss unter Gleichen soll die Verschmelzung sein, betonte Veba-Chef Hartmann und übte mit seinem Vorstandskollegen Simson den Schulterschluss. Doch der Stärkere hat sich in den Verhandlungen klar durchgesetzt.

Zwar wird auf paritätische Besetzungen geachtet, aber an den Schalthebeln sitzen Veba-Manager - ob Hartmann in der Düsseldorfer Konzernholding oder Hans-Dieter Harig als Chef der wichtigten Energiesparte mit künftigem Sitz in München.

Über seinen dritten Platz in Europas Energieliga darf sich E.ON übrigens nur wenige Tage freuen. Schon kurz nach dem Start werden die Düsseldorfer von der RWE ausgestochen.

Die Essener Konkurrenz hat sich mit der Dortmunder VEW zusammengeschlossen und wird so voraussichtlich am 1. Juli an E.ON vorbei ziehen. Nachdem das Bundeskartellamt wie die Brüsseler Wettbewerbshüter im Falle von Veba/Viag die Fusion genehmigte, steht bei RWE/VEW nur noch die Entscheidung der Aktionäre Ende Juni aus.