Opel Autobauer "soll zerschlagen werden"

Hunderte Arbeiter haben für den Erhalt des Autobauers demonstriert. Hintergrund der Proteste sind immer lauter werdende Befürchtungen, die Traditionsfirma könne von der US-Mutter General Motors (GM) bald zerschlagen werden.

Rüsselsheim - Die Belegschaft des Autoherstellers Opel ist in heller Aufregung. Mangelhafte Informationen über die Strategie der US-Konzernmutter General Motors (GM) sowie die noch unklaren Folgen der Allianz von GM und Fiat für die Rüsselsheimer nähren bei den Beschäftigten die Sorgen um ihre Zukunft. Inzwischen befürchtet der Betriebsrat sogar die Zerschlagung des Traditionsunternehmens durch seine amerikanischen Besitzer.

Hauptgrund für die jüngsten Ängste vor einer Zerschlagung und dem möglichen Verlust vieler der rund 44.000 Arbeitsplätze ist die Ungewissheit über die vereinbarte Kooperation mit Fiat. Informationen über die Gestaltung der Zusammenarbeit kommen bislang kleckerweise - Konkretes gibt es gar nicht. Arbeitsgruppen der Konzerne brüten noch immer über den Plänen.

Nur so viel ist bekannt: Bei der Produktion, dem Bau von Motoren und Getrieben sowie dem Einkauf wollen die Partner kräftig einsparen. Diese so genannten Synergien gehen allerdings in der Regel auf Kosten von Arbeitsplätzen.

Deshalb haben die Betriebsräte der Konzerne auch schon länderübergreifend ihre eigen Allianz geschlossen, um sich im Ernstfall nicht von den Spitzenmanagern gegeneinander ausspielen zu lassen. Ihre Kernforderungen lauten: Kein Abbau von Arbeitsplätzen und Bestandsschutz für alle bestehenden Betriebsvereinbarungen.

"Von einer Zerschlagung kann nicht gesprochen werden. Die Dinge brauchen Zeit. Man kann nicht alles über das Knie brechen", versuchte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Opel, Wolfgang Strinz, am Dienstag zu beruhigen. Die Arbeitsgruppen stünden "mitten in den Verhandlungen". Es werde dabei geklärt, wie möglichst alle von der Partnerschaft profitieren könnten. "Ich bin überzeugt, dass wir ausführlich auch mit den Betriebsräten verhandeln und eine Lösung finden, mit der alle zufrieden sind und leben können", sagte er.

Das Projekt biete Opel Chancen und trage damit auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei, betonte er. "Wenn wir es intelligent angehen, dann können wir zusammen mit Fiat in Europa einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen", sagte Strinz. Damit würde auch die Position Opels gefestigt. Allerdings: "In unserer Industrie kann man grundsätzlich nicht mehr von einem Aufbau von Arbeitsplätzen ausgehen - eher von einem Abbau."