Die Wirtschaftsglosse Wer zu spät kommt, den bestraft der Insulaner

Samoa wechselt auf die andere Seite der Datumsgrenze, weil Asien jetzt wichtiger ist als der Westen. Merkt denn keiner, dass es hier um unsere Werte geht, um unsere Freiheit? Am Ende des Tages muss wahrscheinlich wieder Guttenberg ran.
Inselidyll Samoa: Ewiger Sonnenschein rechts und links der Datumsgrenze

Inselidyll Samoa: Ewiger Sonnenschein rechts und links der Datumsgrenze

Foto: D Kirkland/ AP

Die Vorherrschaft des Westens geht zu Ende. In China bauen sie Flugzeugträger, wir bauen Krötentunnel. Deutschlands letzte Hoffnung - Guttenberg - wurde von den Zeloten der Political Correctness ins Exil getrieben. Unsere Kinder lernen in der Schule kaum noch Gedichte auswendig, und mal ehrlich: Wann haben Sie zum letzten mal eine richtig gute Erbsensuppe bekommen? Selbst die USA, einst letzte Bastion der Freiheit, sind dem Eiapopeia-Virus verfallen. Mit einer Krankenversicherung für alle fängt es an, und irgendwann kommen die schwarzen Hubschrauber der UNO und alle Bürger müssen ihre Waffen abgeben.

Nein, kein Zweifel, die Zukunftsmusik spielt anderswo.

Das hat auch die Südseerepublik Samoa bemerkt. Die Inselgruppe, zwischen Neuseeland und Hawaii unmittelbar an der Datumsgrenze gelegen, ließ den 30. Dezember 2011 ausfallen und wechselte vom amerikanischen auf das asiatische Datum. "Der Wechsel der Zeitzone macht unsere Geschäftskontakte nach Asien einfacher", erklärte Premierminister Tuilaepa Sailele Malielegaoi. Dabei war Samoa erst 1892 von der asiatischen auf die amerikanische Seite der Datumsgrenze gewechselt, weil damals die Handelsbeziehungen zu den aufstrebenden USA vielversprechender erschienen. Oh Polynesier, wie gleichst Du dem Schilf, das sich geschmeidig biegt in den umlaufenden Winden der Zeitläufte!

Samoa muss zu einem Fanal werden. Hier hat der Westen vielleicht zum letzten Mal die Gelegenheit, der Welt den eigenen geopolitischen Gestaltungswillen zu beweisen. Wenn wir diesen Verrat an unseren gemeinsamen Werten tolerieren, dann wird als nächstes womöglich Griechenland von der Osteuropäischen in die Ostafrikanische Zeitzone wechseln, weil man sich inzwischen Somalia irgendwie näher fühlt als der EU.

1888, in jenen Zeiten, als Deutschland seine Interessen noch zu wahren wusste, entsandte das Kaiserreich eigens Seiner Majestät Kanonenbote Eber und Adler nebst Glattdeckkorvette Olga. Alles nur, um deutsche Plantagen auf Samoa vor Plünderern zu bewahren. Kaum vier Jahre nach diesem entschlossenen Auftritt wechselte Samoa auf die westliche Seite der Datumsgrenze. Zufall? Wohl kaum! Es gilt die alte Weisheit: Wie man in die Südsee hineinruft, so schallt es heraus.

Wie können wir Samoa zurückholen? So unerfreulich das anmutet, wir werden wohl mit friedlichen Mittel vorgehen müssen. Als Gegenleistung für einen erneuten Sprung über die Datumsgrenze könnten wir Samoa folgende Angebote machen:

  • Die stillgelegte Transrapid-Teststrecke im Emsland wird als Inselbahn auf Samoa wieder aufgebaut, Jim Knopf zum deutschen Sonderbotschafter ernannt.
  • Premierminister Malielegaoi erhält einen echten Doktortitel der Universität Bayreuth. (Mit Hut und Bommel!)
  • Lothar Matthäus bringt sich als Trainer der Fußballnationalmannschaft von Samoa ins Gespräch.
  • Schließlich die letzte Eskalationsstufe: In einem ausführlichen Interview mit dem Chefredakteur des "Samoa Chronicle" kritisiert Karl-Theodor zu Guttenberg die politische Elite Samoas und schließt nicht aus, bei den nächsten Inselwahlen mit einer eigenen konservativ-liberalen Partei anzutreten.

Spätestens dieser letzte Schritt dürfte das Eiland endgültig den Krallen des chinesischen Drachen entreißen und es wie eine überreife Papaya in den politischen Schoß des Westens fallen lassen.

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