Freitag, 21. Februar 2020

Schuldenkrise Fitch droht sechs Euro-Staaten mit Abstufung

Fitch-Zentrale in New York: Die Ratingagentur glaubt nicht an ein schnelles Ende der Euro-Krise.

Die Ergebnisse des Euro-Gipfels reichen aus Sicht der Ratingagentur nicht aus, um die Krise zu beenden. Deswegen müssen sechs Nationen - darunter auch Frankreich und Italien - um ihre Bonitätsnote bangen. Bei der bloßen Drohung beließ es Moody's für Belgien nicht.

London/Frankfurt - Die Ratingagentur Fitch hat wegen der Schuldenkrise in der Euro-Zone eine Reihe von Mitgliedsstaaten ins Visier genommen. Belgien, Spanien, Slowenien, Italien, Irland und Zypern wird kurzfristig mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht. Die entsprechenden Ratings seien mit einem negativen Kreditausblick versehen worden, teilte Fitch am Freitagabend in London mit. Die betroffenen Länder haben derzeit keine Topbonität, liegen mit ihren Noten aber über Ramsch-Niveau.

Zudem senkte Fitch den Ausblick für die französische Kreditwürdigkeit von "stabil" auf "negativ" gesenkt. Die Bestnote "AAA" wurde jedoch zunächst bestätigt. Im Gegensatz zu den anderen sechs Ländern droht Frankreich nicht kurzfristig eine Herabstufung, sondern erst innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die Chance, dass Frankreich seine Bestnote in diesem Zeitraum verliert, liege leicht über 50 Prozent, schreibt Fitch. Zuletzt war vermehrt über eine mögliche Herabstufung der Topbonität von Frankreich spekuliert worden. Die Überprüfung bei den übrigen sechs Ländern soll schon bis Ende Januar 2012 abgeschlossen sein. Die Bewertungen könnten dann um ein oder zwei Stufen gesenkt werden.

Bei der bloßen Drohung beließ es die Ratingagentur Moody's nicht. Für Belgien senkten die Moody's-Experten am Freitagabend ihre Bonitätseinstufung von "Aa1" auf "Aa3". Den Ausblick beurteilte die Agentur als negativ.

Belgien habe eine relativ hohe Verschuldung und die Unsicherheit an den Märkten dürfte noch eine Weile anhalten, hieß es in der Begründung. Die Gefahren für die mittelfristigen Wachstumsaussichten der recht kleinen Volkswirtschaft hätten sich erhöht. Nicht zuletzt die Lage bei der belgisch-französischen Großbank Dexia berge erhebliche Riskien für den belgischen Haushalt. Dexia gilt als erstes Opfer der Euro-Staatsschuldenkrise und wird als erste große europäische Bank nach der Finanzkrise 2008 vom Staat übernommen. Im Oktober hatten sich Belgien, Frankreich und das ebenfalls beteiligte Luxemburg auf die Zerschlagung geeinigt. Belgien übernimmt den belgischen Arm des Geldhauses.

EZB soll einspringen

Eine umfassende Lösung der Krise in der Euro-Zone sei technisch und politisch "außer Reichweite", begründete Fitch sein Urteil. Die Bonitätswächter zeigte sich von dem jüngsten EU-Gipfel enttäuscht. Um eine Liquiditätskrise zu vermeiden sei ein stärkerer Einsatz der Europäischen Zentralbank (EZB) notwendig. Die Spar- und Konsolidierungsanstrengungen der von einer Herabstufung betroffenen Länder würden zwar anerkannt. Es handele sich jedoch um eine systemische Krise welche die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität der Euro-Zone gefährde.

Im Gegensatz zur Ratingagentur Standard & Poor's hat Fitch jedoch nicht den anderen fünf Ländern mit einer Topbonität (Deutschland, Finnland, Österreich, Luxemburg und Niederlande) gedroht. Frankreich sei mehr als die anderen "AAA"-Länder der Eurozone durch die Schuldenkrise betroffen, begründete Fitch die Entscheidung. Der Schuldenstand dürfte trotz der ergriffenen Sparmaßnahmen bis zum Jahr 2014 auf 92 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigen. Von den Ländern mit Bestbonität hätten weltweit nur die USA und Großbritannien einen höheren Schuldenstand. Erlaubt sind nach den Euro-Spielregeln allenfalls 60 Prozent.

Auch die Reaktion der Agentur Standard & Poor's auf den EU-Gipfel wird mit Spannung erwartet. S&P hatte wenige Tage vor dem EU-Gipfel in der vergangenen Woche die Überprüfung der Bonität von Frankreich, Deutschland und 13 anderen Euroländern angekündigt und die Entscheidung vom Ausgang des Gipfels abhängig gemacht. Auch die Top-Bonität des Rettungsfonds EFSF, der drohende Pleitestaaten mit Notkrediten auffängt und sich dafür Gegenfinanzieren muss, droht die Agentur zu kippen. Am Freitag stufte S&P lediglich sechs portugiesische Banken auf "Ramsch"-Niveau herab.

Am Donnerstag hatte Fitch bereits acht internationale Großbanken herabgestuft, darunter die Deutsche Bank. Zur Begründung für die Herabstufungen verwies die Ratingagentur auf zunehmende Herausforderungen im Bankensektor aufgrund von schwachem Wirtschaftswachstum und schärferen Regulierungen.

Fitch erklärte, die Deutsche Bank sei "gesund", machte jedoch eine Einschränkung. "Die Deutsche Bank ist nicht so gut kapitalisiert wie andere internationale Wettbewerber", hieß es in einer Mitteilung der Ratingagentur. Allerdings vertraue Fitch darauf, dass die Deutsche Bank die von der Europäischen Bankenaufsicht EBA geforderte Kernkapitalqoute von 9Prozent bald erreiche.

mh/dpa/dapd

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