Handelszeiten Ab 18 Uhr "absolut tote Hose"

Händler lesen Zeitung, schauen Fernsehen oder gehen gleich nach Hause - im neuen Abendhandel der Börse sei nichts los, klagen sie. Die Börse hält dagegen: Vor allem Kleinanleger nutzten den Abend für ihre Orders.

Frankfurt - Die meisten Aktienhändler haben die verlängerten Handelszeiten an den deutschen Börsen nach den Erfahrungen der ersten Woche kritisiert. Die Deutsche Börse sprach dagegen von einem erfolgreichen Start und guten Umsätzen. Viele Kleinanleger nutzten die Chance, um Aktiengeschäfte zu tätigen, sagte ein Sprecher der Börse.

"Absolut tote Hose", kommentierte ein Händler das neue abendliche Geschäft. Es kämen nur sehr wenig Anrufe in der Zeit zwischen 17.30 Uhr und 20 Uhr. "Das ganze ist ein Witz."

In jeder Abteilung sitze nur noch ein Verantwortlicher, der entweder die Zeitung lese oder im Fernsehen Fußball schaue. Die Händler, die für institutionelle Anleger agierten, verabschiedeten sich so gegen 18 Uhr.

Das Ganze ergebe keinen Sinn, da die Wall Street bis 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit geöffnet habe, hieß es weiter. Deshalb fehlten zwei Stunden, um die gesamte Tendenz der US-Börsen mitzubekommen.

Binnen Jahresfrist dürfte die Deutsche Börse vermutlich den Handel noch bis 22.00 Uhr verlängern, prognostizierte der Börsianer. Er fragte sich, ob es keine andere Möglichkeit gebe, den Handel zu verlängern. Er denke dabei auch an den Samstag. An einigen Börsen gebe es dies schon.

In einem kleineren Investmenthaus sprach man ebenfalls von Langeweile. Besonders bei kleineren Häusern sei die Besetzung schwierig, klagte der Händler. Die meisten Börsianer aus der Abteilung Eigenhandel gingen gegen 18 Uhr nach Hause. Der Kommissionshandel müsse notgedrungen besetzt bleiben. Er könne den von der Deutschen Börse beschriebenen Erfolg nicht bestätigen. "Das Ganze muss sich erst einspielen."

Die Deutsche Börse erklärte auf Anfrage, die ersten fünf Tage mit verlängerter Handelszeit seien erfolgreich verlaufen. Vor allem Kleinanleger hätten die Chance genutzt, um Geschäfte zu tätigen. Rund elf bis zwölf Prozent der Aufträge gingen im neuen Spätgeschäft ein. Die Zahlen von diesem Freitag würden am Pfingstmontag bekannt gegeben, sagte der Sprecher weiter. Am Montag hat die Börse normal von 9 bis 20 Uhr geöffnet.

Man müsse allerdings bedenken, dass dies erst die Zahlen der ersten fünf Handelstage seien, sagte der Sprecher weiter. Aus diesem Grund werde die Börse den verlängerten Handel längerfristig beobachten.

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