US-Erzeugerpreise Daten zeigen Inflation unter Kontrolle - Börsen freundlich

Die Börse reagierte kurzfristig erleichtert auf die unterm Strich nahezu unveränderten US-Erzeugerpreise für Mai. Doch die Volkswirte rechnen mit einem dicken Ende in wenigen Wochen.

New York - Die am Freitag veröffentlichten US-Erzeugerpreise für Mai haben an den Märkten ein eher unklares Bild der derzeitigen Konjunkturlage in den USA hinterlassen. Wie das Arbeitsministerium am Nachmittag mitteilte, blieben die Preise im Mai zum Vormonat unverändert. In der Kernrate ohne Lebensmittel- und Energie stiegen die Preise allerdings um 0,2 Prozent an.

Von Reuters befragte Analysten hatten einen Anstieg um 0,3 Prozent, in der Kernrate jedoch nur um 0,1 Prozent erwartet. Im April waren die Erzeugerpreise gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent gefallen.

Volkswirte reagierten unterschiedlich auf die Erzeugerpreise. So wies David Jones von Aubrey G. Lanston darauf hin, dass die Rohöl-Komponente in der Kernrate sogar zurückgegangen sei. Der jüngste Anstieg der Ölpreise habe sich offenbar nicht auf die Kernrate niedergeschlagen. "Das lässt darauf schließen, dass kein weiterer Preisdruck in der Pipeline ist. Vor allem die Anleihemärkte könnten jetzt eine Rally sehen", sagte der Analyst.

Kim Rupert von Merrill Lynch erinnerte dagegen an die inzwischen stark gestiegenen Energiepreise, die sich bald auf das Preisniveau niederschlagen könnten. "Wir wissen, dass die Energiepreise rauf gegangen sind, wir sehen ja die Tankstellenpreise", sagte Rupert. Die Beruhigung werde nicht lange anhalten. "Ich glaube, im Juni oder Juli werden wir einen (Preis-)Anstieg sehen", prognostizierte Rupert. Die Verbraucherpreise und Einzelhandelsumsätze in der kommenden Woche würden jedoch ein klareres Bild der Lage abgeben.

Der Euro gab zum Dollar zeitweise auf Kurse unter 0,95 Cent nach, nachdem er zuvor lange Zeit bei Kursen um 0,9550 Dollar notiert hatte. Frankfurter Devisenhändler sahen jedoch keinen Zusammenhang zur Veröffentlichung der Erzeugerpreise.

Der schwächere Wechselkurs hänge mit der überkauften Situation nach der jüngsten Leitzinserhöhung durch die Europäische Notenbank (EZB) um 50 Basispunkte zusammen. Man frage sich außerdem, ob die EZB nicht übertrieben habe und mit ihrer Maßnahme die Euro-Zonen-Konjunktur belaste. Gegen 16.50 Uhr notierte die europäische Gemeinschaftswährung bei 0,9515/19 Dollar.

Unter US-Händlern wurde spekuliert, ob die unveränderte Gesamtrate eine weitere Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank (Fed) bei ihrem nächsten Ratstreffen am 27. und 28. Juni unwahrscheinlicher mache. Während jedoch die Aktienmärkte die unveränderten Erzeugerpreise offensichtlich als Entwarnung an der Zinsfront werteten, reagierten die US-Kreditmärkte zeitweise mit Kursverlusten auf die unsicheren Signale der gestiegenen Kernrate. Am Nachmittag erholten sich die Bondkurse jedoch wieder etwas und tendierten zuletzt seitwärts.

Die 30jährige US-Staatsanleihe zu 6,250 Prozent notierte um die gleiche Zeit mit plus 4/32 bei 105-4/32 Punkten. Der Bund-Future legte vor dem Hintergrund von Short-Eindeckungen vor dem langen Wochenende um 26 Ticks auf 105,69 Punkte zu.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.