Börse Dax bricht ein - Anleger fliehen aus Finanztiteln

Die Euphorie nach dem EU-Gipfel ist verflogen. Die US-Ratingagentur Moody's zeigt sich unzufrieden mit den Ergebnissen. An der Wall Street belastet außerdem die Umsatzwarnung von Intel. Der Euro taucht ab, der Dax schließt auf Tagestief - und Finanztitel brechen ein.
Gesprächsbedarf an der Börse: Der Dax taucht zum Wochenbeginn erneut ab

Gesprächsbedarf an der Börse: Der Dax taucht zum Wochenbeginn erneut ab

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Rückzug der Anleger: Der Dax  baute bis Xetra-Schluss seine Verluste auf 3,4 Prozent aus und schloss unter der Marke von 5800 Zählern. Am Ende des Handelstages stand ein Verlust von 200 Punkten auf 5785 Zähler zu Buche. Auch MDax  und TecDax  gaben deutlich nach.

Anleger verkaufen Finanztitel wie Allianz (Kurswerte anzeigen), Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) und Commerzbank (Kurswerte anzeigen), die jeweils zwischen 5 und 7,4 Prozent nachgaben. Statt dessen bevorzugen Investoren defensive Werte: Beste Werte im Dax waren Henkel (Kurswerte anzeigen) und Deutsche Post  , die wegen wieder auflebender Fantasie um eine mögliche Sonderdividende gegen den Trend stabil blieben.

An der Wall Street ging es ebenfalls abwärts. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) baute bis 17.45 Uhr seine Verluste auf 1,6 Prozent aus und droht unter die Marke von 12.000 Zählern zu fallen. Der Nasdaq Composite (Kurswerte anzeigen) verlor sogar 1,9 Prozent an Wert.

Auf die an der Nasdaq notierten Technologiewerte lastete vor allem die Umsatzwarnung von Intel: Der weltgrößte Chiphersteller Intel  hat seine Umsatzprognose wegen des Lieferengpasses bei Festplatten gesenkt. Die Produktionsprobleme durch die Flut in Thailand würden die Erlöse im vierten Quartal unter die eigenen Erwartungen drücken, teilte der US-Konzern mit.

Moody's bemäkelt EU-Gipfel: Euro fällt auf Zehnwochentief

Unter anderem belasteten Aussagen von Moody's die Stimmung an den Märkten. Die Ratingagentur ist unzufrieden mit dem EU-Krisengipfel: Nur wenige der angekündigten Krisenmaßnahmen seien neu, viele ähnelten früheren Erklärungen. Entscheidungen zur kurzfristigen Stabilisierung der Kreditmärkte fehlten.

Der Euro fiel daraufhin auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief. Die Gemeinschaftswährung fiel bis auf 1,3208 Dollar zurück und war damit so billig wie seit Anfang Oktober nicht mehr. Im Vergleich zum New Yorker Schlussgeschäft vom Freitag gab der Euro damit fast zwei US-Cent ab.

"Die positiven Aspekte des Gipfels, hier ist die Einigung auf eine Fiskalunion zu nennen, können bestenfalls mittel- bis langfristig eine Hilfe sein. Mehr als ein Signal der Politik, dass man gewillt ist, die Staatsfinanzen ins Lot zu bringen, ist auch diese allerdings nicht", urteilte Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz in einem Kommentar.

Finanzwerte am Dax-Ende - S&P droht mit Abstufung der Bonität

Auf europäische Ebene gehörten die Finanzwerte einmal mehr zu den größten Verlierern. Die europäischen Branchenindizes für die Banken und Versicherer gaben um 3,7 beziehungsweise 4,6 Prozent nach. Bei letzteren lastete auch die Drohung der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P), die Bonität von Allianz, Axa & Co. herabzusetzen, auf der Stimmung.

Auf der Suche nach einem "sicheren Hafen" griffen Anleger vor allem zu Bundesanleihen. Die Kurse stiegen, entsprechend ging die Rendite auf bis zu 1,982 Prozent zurück nach 2,102 Prozent im New Yorker Freitagsgeschäft. Gleichzeitig zogen die Kosten für die Kreditausfallversicherungen italienischer und spanischer Anleihen an, was das hartnäckige Misstrauen gegenüber den südeuropäischen Ländern widerspiegelt.

Entscheidung von S&P über Euro-Zone erwartet

Auch Jean-Michel Six, Europa-Chefvolkswirt von S&P, warnte: "Wir sollten die Erwartungen nicht zu hoch steigen lassen, es wird weitere Gipfel geben." Es bedürfe womöglich eines weiteren Schocks - zum Beispiel, dass eine große deutsche Bank große Schwierigkeiten an den Märkten bekomme - bevor alle in der Euro-Zone einer Meinung seien. Vor einer Woche hatte S&P Deutschland und praktisch allen anderen Euro-Zonen-Ländern mit einer Herabstufung gedroht. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet.

Sparmaßnahmen drücken auf Konjunktur in Euro-Zone

Aus Sicht von Philippe Gijsels, Chef-Analyst der BNP Paribas Fortis Global Markets, dürften die anstehenden Sparmaßnahmen in der Euro-Zone einen stark negativen Effekt auf das Wachstum haben und 2012 zu einem konjunkturell schwierigen Jahr machen. "Es wird schwer für die Unternehmen, ihre Gewinne zu steigern und die Ergebnis-Prognosen sind wohl immer noch viel zu optimistisch", warnte er.

Ölpreise leichter

Die Ölpreise sind zu Wochenbeginn etwas gesunken. Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent (Kurswerte anzeigen) mit Lieferung im Januar 108,22 Dollar - das waren 40 Cent weniger als am Freitag. Ein Fass der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um 24 Cent auf 99,17 Dollar.

Händler sprachen von einem richtungslosen Handel. Leichte Unterstützung hätten die Ölpreise von den festen Aktienmärkten in Asien erhalten, hieß es. Für Abwärtsdruck sorge hingegen immer noch die europäische Schuldenkrise.

Euro-Schuldenkrise: Warum die Gipfelbeschlüsse nicht reichen

la/mg/reuters/dpa
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