T-Aktie Zweifach überzeichnet - 70-85 Euro als "Berechnungsgrundlage"

Zum Auslaufen des Frühzeichner-Rabatts heute nacht um 24 Uhr macht die Telekom Stimmung für ihre neuen Aktien: Die Emission ist zweifach überzeichnet. Anleger müssen rund 70 bis 85 Euro ausgeben.

Frankfurt/Bonn - Die angebotene Tranche von 200 Millionen Aktien wurde bereits zur Halbzeit der gut zweiwöchigen Zeichnungsfrist komplett von Privatinvestoren geordert, wie am Freitag aus Frankfurter Bankenkreisen verlautete. Damit sei eine zweifache Überzeichnung wie bei der Kapitalerhöhung vor einem Jahr möglich.

Der Anlegermarkt habe die gesamte Tranche aufgesogen, hieß es mit Stand Donnerstag abend, einen vollen Tag vor dem Ende der seit 31. Mai laufenden Frühzeichnerperiode. In dieser Zeit winken Privatanlegern in Europa Anreize: Drei Euro Abschlag auf den Ausgabepreis der neuen T-Aktien bei der Erstnotiz am 19. Juni und je eine Treueaktie auf zehn georderte Anteilscheine, wenn diese bis Ende 2001 im Depot bleiben.

Auch bei privaten Anlegern in USA und Japan erfolgreich

Anspruch auf Treueaktien haben auch die nicht-europäischen privaten Investoren in den USA, Kanada und Japan, und zwar unabhängig von der Freitag um Mitternacht endenden Early-Order-Phase. Indem sie Asien und Nordamerika einbezieht, begibt die Telekom erstmals in der Finanzgeschichte eine internationale Emission für Privatanleger.

Wie es hieß, war die Nachfrage nicht nur in Europa - hier kam das Angebot namentlich in Deutschland, Italien und Spanien bestens an -, sondern auch in den USA und Japan erfreulich. Am Dienstag will die Telekom erste Angaben zum regionalen Orderverlauf bei den Privatanlegern machen, die weltweit noch bis 15. Juni zeichnen können.

Das Interesse bei institutionellen Investoren war den Kreisen zufolge ebenfalls überaus zufriedenstellend. Den Preis für die neuen Aktien will die Telekom am Wochenende vor Handelsbeginn marktnah bestimmen. Die Bemessungsgröße hierfür sei noch offen, wurde betont.

Besonders umworben werden die Interessenten, die bei dem Börsengang der Tochter T-Online im April leer ausgingen. Wie die Bevorzugung aussieht, will die Telekom ebenfalls erst kurz vor Handelsbeginn sagen.

Zeichnungsgewinne nicht zu erwarten

Die Zeichnung der T-Aktie läuft nicht nach den bekannten Kriterien sonstiger Neuemissionen. Da es sich um keine Neuemission, sondern um eine so genannte Sekundärmarktplatzierung handelt, gibt es keine Kursspanne wie bei einem Auktionsverfahren ( "Bookbuilding"), an der sich die Anleger orientieren könnten. Es ist also auch nicht mit Emissionsgewinnen zu rechnen, die sich bei Neuemissionen aus dem Unterschied zwischen Emissionspreis und erstem Kurs ergeben können.

Wenig transparente Preisfindung

Für den Preis der 200 Millionen angebotenen Aktien wird der "Marktpreis" an diesem Handelstag entscheidend sein. "Es gibt dafür aber keinen Automatismus", erklärte Günther Bräunig, Generalbevollmächtigter bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), über die der Bund die dritte Telekom-Tranche auf den Markt wirft, gegenüber der "Stuttgarter Zeitung".

Das bedeutet, dass nicht automatisch ein bestimmter Kurs - also etwa der Kassa- oder Schlusskurs des 16. Juni - als Preis für die Aktienplatzierung gilt. Vielmehr werden sich Bund, KfW und Telekom an der Kursentwicklung des 16. Juni - also dem "Marktpreis" - orientieren und den eigentlichen Preis der Aktien einen Tag später bekannt geben. Im Klartext: Der Emittent bestimmt den Preis nachträglich selbst.

Um zu verhindern, dass Privatanleger von einem überraschend starken Kursanstieg am 16. Juni und den Tagen davor überrascht werden, hat der Emittent - in diesem Fall die KfW - eine Art Sicherungsnetz eingebaut. Demnach wurde im Verkaufsprospekt eine Schutzklausel eingefügt, die festlegt, dass der Ausgabepreis höchstens 15 Prozent über dem Schlusskurs im Computerhandelssystem Xetra am 13. Juni liegen darf.

"Dieser Höchstpreis gilt nur für Privatanleger", schränkt Bräunig ein. Dieser Investorenschutz wurde eingebaut, weil die Platzierung international erfolgen soll. Die Anlegerschutzvorschriften in Frankreich und Spanien verlangen eine derartige Obergrenze.

Deutsche Bank 24: Bis 70 oder 85 Euro limitieren

Die Deutsche Bank 24 beispielsweise rät ihren Kunden, die neuen Aktien für maximal 85 Euro zu kaufen, also ein entsprechendes zusätzliches Limit zu setzen. Der Kurs sei als "Berechnungsgrundlage" gedacht, um Kunden noch einmal abzusichern, heisst es. Bei der Direkt Anlage Bank werden 70 Euro empfohlen.

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