Deutsche Bank Baut Investment Banking aus

Vorstandschef Rolf Breuer will nach dem Scheitern der Fusion mit der Dresdner Bank verstärkt auf internes Wachstum und Partnerschaften setzen. Die Bank wolle vor allem ihre Position im Investment Banking stärken.

Frankfurt am Main - Dabei müsse es nicht notwendigerweise immer um Fusionen oder Akquisitionen gehen, sagte Breuer auf der Hauptversammlung. Auch Partnerschaften und Kooperationen hätten ihre Berechtigung.

Aktionärsvertreter bezeichneten die im April abgebrochene Fusion mit der Dresdner als "Fiasko". Sie warnten vor einem zu großen Einfluss der Investmentbanker im Vorstand.

Breuer sagte vor den knapp 5000 Aktionären, die Bank wolle vor allem im Ausland wachsen: "Hierauf basiert unsere Strategie. Vor diesem Hintergrund haben wir unter anderem Bankers Trust erworben."

Die globalen Geschäftsfelder wolle man nun aber vorrangig durch internes Wachstum ausbauen. Der Geschäftsbereich Investmentbanking sei in die Liga der weltweit führenden Investmentbanken aufgestiegen, sagte Breuer.

Im ersten Quartal 2000 habe der Bereich Globale Unternehmen und Institutionen bereits rund 59 Prozent des Vorsteuerergebnisses von 1999 erreicht. Der Ergebnisbeitrag des Investmentbankings innerhalb des Konzerns habe 1999 mit 2,2 Milliarden Euro 54 Prozent des Konzernergebnisses ausgemacht.

Mitchel und Philipps offiziell berufen

Am Donnerstagabend hatte der Aufsichtsrat erwartungsgemäß die Investment-Banker Edson Mitchell und Michael Philipps in den Vorstand berufen, die 1995 von Merrill Lynch zur Deutschen Bank gekommen waren. Mitchell ersetzt im Vorstand Ronaldo Schmitz, der bislang zusammen mit Josef Ackermann für das Investmentbanking zuständig war.

Philipp folgt Michael Dobson im Bereich Asset Management (Vermögensverwaltung) nach. Die beiden neuen Vorstände sollen nach Angaben aus Bankenkreisen Ackermann nahestehen, der als einer der Gegner der Fusion von Deutscher und Dresdner Bank gegolten habe.

Medienberichten zufolge war die Fusion mit der Dresdner maßgeblich am Widerstand Ackermanns und des neuen Vorstandsmitgliedes Mitchell gescheitert.

Aktionärsvertreter warnten Breuer vor diesem Hintergrund davor, Investmentbankern aus dem angelsächsischen Raum zu viel Macht im Vorstand des größten deutschen Geldhauses einzuräumen.

Nach dem Scheitern der Fusion mit der Dresdner sei der Eindruck entstanden, dass die Kontrolle im Vorstand aus den Händen der klassischen Geschäftsbanker gleite. Es sei zu fragen ob die Deutsche Bank von London oder von Frankfurt aus gesteuert werde.

Breuer wies die Vermutungen zurück. Berichte, dass sich Vorstandsmitglieder bei der Fusion uneinig gewesen seien, bezeichnete er als "totalen Unsinn."

"Desaster unter Gleichen"

Kritik gab es auch am Scheitern der Fusion mit der Dresdner Bank. Aktionärsvertreter sprachen von einem "Desaster unter Gleichen". Der Grundfehler sei möglicherweise gewesen, dass von einer Fusion unter Gleichen ausgegangen worden sei.

Dabei hätte klar sein müssen, dass die beiden Banken nie gleich gewesen seien. Da eine Übernahme der Dresdner Bank auf Widerstand gestoßen wäre, habe man versucht, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

Zum Fusionsdebakel mit der Dresdner Bank räumte Breuer selbst Fehler seines Hauses ein. So seien verschiedene Faktoren falsch eingeschätzt worden, unter anderem die Bereitschaft aller Beteiligten, teilweise unter Aufgabe der eigenen Identität, eine neue erfolgreichere Bank zu schaffen.

"Keine Sicherheit vor feindlicher Übernahme"

Auch bei der Einschätzung der Notwendigkeit einer eindeutigen Rollenverteilung trotz partnerschaftlicher Zusammenarbeit habe man die Situation verkannt.

Sein eigenes Haus sieht Breuer nicht vor einer feindlichen Übernahme geschützt. Dies mache dem Vorstand große Sorgen. Er und seine Vorstandskolllegen versuchten, den Aktienkurs zu steigern, um einen Einstieg wie den der Investorengruppe Cobra bei der Commerzbank bei der Deutschen Bank zu verhindern.

Neben dem Investment Banking will die Deutsche Bank laut Breuer aber das Privatkundengeschäft nicht aufgeben. Das Geschäft mit mittelständischen Kunden bleibe ein Kerngeschäft der Bank, sagte der Vorstandschef. Die Deutsche Bank hat das Privatkundengeschäft in ihre 100-prozentige Tochter, Deutsche Bank 24, ausgegliedert.

Ursprünglich hatte sich im Rahmen der Fusion mit der Dresdner Bank die Allianz an der Bank 24 beteiligen wollen. Nach dem sehr guten Jahr 1999 sei die Deutsche Bank sehr gut in des neue Geschäftsjahr gestartet.

Bei anhaltend günstiger Marktverfassung sei man zuversichtlich, dass sich die positive Ertragslage der Bank im Jahresverlauf fortsetzen werde, sagte Breuer.

Breuer will E-Business-Plattform ausbauen

Angesichts der notwendigen Investitionen vor allem für den Ausbau der Internet-Geschäfts müssten alle Unternehmens-Bereiche mit steigenden Kosten rechnen, fügte Breuer hinzu. Das E-Business bezeichnete er als "Schlüssel für unseren weiteren Erfolg".

Um die zunehmende Kostenlast durch höhere Erträge auszugleichen, werde Wachstum "zu einem strategischen Imperativ". Die Möglichkeiten, profitabel zu wachsen, seien aber nur international zu nutzen, sagte Breuer.

Der Vorstandssprecher verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Industriebeteiligungen der Deutschen Bank, die Ende Mai 2000 rund 17,5 Milliarden Euro Kursreserven enthielten. Dies biete "enorme Möglichkeiten zur Wertrealisierung und Reinvestition in Wachstumsfelder".

Breuer kündigte "maßgebliche" Investitionen in das Asset Management und den Ausbau der E-Business-Plattform an.

Hauptversammlung war einverstanden

Hauptversammlung hat sämtliche Tagesordnungspunkte bewilligt. Wie Aufsichtratsvorsitzender Hilmar Kopper mitteilte, wurde der Erwerb eigener Aktien zu Handelszwecken von bis zu fünf Prozent des Grundkapitals mit einer Mehrheit von 99,72 Prozent bewilligt.

Dem Rückkauf eigener Aktien von bis zu ebenfalls fünf Prozent, mit dem sich der Vorstand seinen Handlungsspielraum erweitert, erteilten 99,70 Prozent ihre Zustimmung.

Die Schaffung eines genehmigten Kapitals über 30 Millionen Euro unter Bezugsrechtsausschluss wurde mit 99,59 Prozent angenommen.

Ferner beschlossen die Aktionäre die Ausschüttung einer Dividende von 1,15 Euro je Stückaktie. Vorstand und Aufsichtsrat wurden für das abgelaufene Geschäftsjahr entlastet.

Als Abschlussprüfer wählte die Hauptversammlung die KPMG Deutsche Treuhand-Gesellschaft Aktiengesellschaft Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Frankfurt. Anwesend waren bei der Abstimmung 31,92 Prozent des Grundkapitals.

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