Kaufring Aktionäre kritisieren "skandalöse Fehlentscheidungen"

Der Handelskonzern, der kürzlich am Konkurs vorbeigeschrammt ist, steckt noch in der Krise. Auf einer turbulenten Hauptversammlung sind Rufe nach Rücktritt von Vorstand und Aufsichtsrat laut geworden.

Düsseldorf - Der Geschäftsführer mehrerer Warenhäuser, die der Düsseldorfer Verbundgruppe angehören, warf dem Management am Donnerstag Konzeptionslosigkeit vor. Es fehle an Visionen, wie sich der Konzern nachhaltig behaupten könne.

Dagegen bekräftigte der Vorstandsvorsitzende, Gerhard Friedrich, Kaufring habe die Krise überwunden. Er verwies auf einen weiteren Umsatzschub in den ersten fünf Monaten. Zum angekündigten Langfrist-Konzept sagte er aber nichts.

Der Warenhaus-Geschäftsführer und Aktionär, Jürgen Wrase, sagte vor rund 500 Aktionären, die knapp 46 Prozent des Kapitals repräsentierten, die gesamte Konzeption des Einkaufs- und Marketingverbundes stimme nicht. Angesichts "skandalöser Fehlentscheidungen" seien in Vorstand und Aufsichtsrat neue Leute notwendig.

Ähnlich hart gingen auch die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) mit dem Management ins Gericht. DSW-Vertreter Marc Tümmler sprach von einem "negativ-verdächtigen Rekordergebnis". Kaufring sei im vergangenen Jahr der drittgrößte Kapitalvernichter gewesen.

SdK-Sprecherin Heidi Demke äußerte sich angesichts der rückläufigen Konsumgüternachfrage skeptisch zu den Wachstumsaussichten des Konzerns. Vor allem dürfe Kaufring nicht den Anschluss an den E-Commerce verlieren.

Sowohl DSW als auch SdK begrüßten aber, dass die vom Management wegen der laufenden Prüfung der genauen Vorgänge im abgelaufenen Geschäftsjahr selbst geforderte Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat für 1999 auf die Hauptversammlung 2001 verschoben wurde. Der Prüfbericht soll in zwei bis drei Monaten vorliegen.

Mit Buh-Rufen quittierten viele Anteileigner, dass sich der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Georg Kulenkampff, weigerte, auf die Frage zu antworten, ob die ausgeschiedenen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder Abfindungen erhalten hätten.

Auch sonst zeigte sich Kulenkampff äußerst schmallippig: Nach dem Eindruck der Kleinaktionäre blockte er viele Fragen nach den genauen Gründen für die Liquiditätskrise vom vorigen Sommer ab, die erst in letzter Minuten mit neuen Krediten abgewendet werden konnte. Das brachte ihm aus den Reihen der Zuhörer den Vorwurf der Arroganz ein.

Gleichwohl wurde er mit 97 Prozent in seinem Amt bestätigt. Kulenkampff betonte, das Unternehmen beginne langsam wieder auf festem Boden zu stehen.

Auch Friedrich meinte, Kaufring werde sich künftig am Markt behaupten. So habe die AG im April und Mai gegenüber dem ersten Quartal eine kräftige Umsatzentwicklung erfahren.

Konkrete Zahlen wurden allerdings nicht genannt. Die Erlöse im Lager- und Streckengeschäft lagen in den ersten drei Monaten bei 191,5 Millionen Mark, im Einzelhandelsumsatz bei 61,5 Millionen Mark. Der Fehlbetrag reduzierte sich in diesem Zeitraum um 18,6 Millionen auf 4,7 Millionen Mark.

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