"Fragiles Geschäftsumfeld" Moody's stuft Bonität französischer Banken herab

Die Ratingagentur Moody's hat die Bonitätsnoten der franzöischen Großbanken BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole herabgestuft. Als Gründe wurden die schlechter werdenden Bedingungen für Liquidität und Finanzierung genannt sowie das fragile Geschäftsumfeld für europäische Banken.
Im Visier von Moody's: BNP Paribas büßt bessere Bonitätsnote ein

Im Visier von Moody's: BNP Paribas büßt bessere Bonitätsnote ein

Foto: CHARLES PLATIAU/ Reuters

Paris - Die Ratingagentur Moody's hat angesichts der ungelösten Euro-Schuldenkrise die Kreditwürdigkeit der französischen Großbanken erneut gesenkt. Die Analysten verwiesen am Freitag auf die sich deutlich verschlechternden Konjunkturaussichten sowie die zunehmenden Finanzengpässe der Institute. Sie reduzierten die langfristige Bewertung von BNP Paribas  und Credit Agricole  um eine Stufe auf "Aa3". Das ist die viertbeste Note. Konkurrent Societe Generale wird bei Moody's nun mit "A1" geführt, der fünfthöchste Einstufung.

Credit Agricole und der Societe Generale wurden damit zum zweiten Mal seit September von der Ratingagentur abgewertet. Die BNP war vor drei Monaten noch verschont geblieben. Die französischen Banken stehen seit Juni bei Moody's unter verschärfter Beobachtung. Bei den am Vortag veröffentlichten Ergebnissen der europäischen Bankenstresstests hatten die französischen Institute noch vergleichsweise gut abgeschnitten.

Positiv stellte Moody's heraus, dass die französischen Banken im Ernstfall gute Chancen auf Staatshilfe hätten. Die Aktien der Institute gingen am Freitag auf Talfahrt. BNP verloren zum Handelsauftakt 3,5 Prozent, Societe Generale 4,2 Prozent und Credit Agricole 3,5 Prozent.

Auch Deutsche Bank im Visier

Auch bei Ratingagentur S&P stehen die französischen Banken auf der Kippe. In einem Rundumschlag stellte Standard & Poor's am Mittwoch etliche große europäische Kreditinstitute unter verschärfte Beobachtung ("Credit Watch"), darunter neben den Franzosen auch die Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen) und die Commerzbank . Sie müssen mit einer Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit rechnen, was wiederum die Refinanzierung erschweren würde.

Moody's bemängelte, dass die französischen Institute bei der Sicherung ihrer Liquidität besonders stark vom Geldmarkt abhängen. US-Fonds hatten aus Angst vor einer weiteren Verschärfung der Schuldenkrise zuletzt viel Geld aus den in den Schuldenstaaten stark engagierten französischen Banken abgezogen. Dieser Druck werde anhalten, schätzt Moody's. Allein im November verringerten die acht größten US-Geldmarktfonds nach Berechnungen des Finanzdatenanbieters Bloomberg ihre Einlagen um 68 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten zogen sie 76,8 Milliarden US-Dollar ab. Um diese diese Spannungen abzubauen, hat die Europäische Zentralbank ihre Hilfen für Banken zuletzt deutlich ausgeweitet.

Beim Banken-Stresstest waren die französischen Institute vergleichsweise gut davongekommen. Die Bankenaufsichtsbehörde EBA stellte bei ihnen eine Kapitallücke von lediglich 7,3 Milliarden Euro fest. Dagegen müssen deutsche Banken ihre Kapitalbasis um 13,1 Milliarden Euro stärken, um sich für weitere Krisen zu rüsten./

kst/apd/rtr
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