Euro-Krise Staatsfonds bleiben skeptisch

Staatsfonds sind milliardenschwere Investoren mit viel Geduld. Doch genau die haben sie offenbar mit dem Euro verloren. Staatsfonds haben ihre Engagements in hoch verschuldeten Euro-Staaten stark reduziert oder fast vollständig aufgelöst - für die Euro-Zone ein Alarmsignal.
Von Arne Gottschalck
Und nun? Die Staatsfonds scheinen Europa nicht mehr zu trauen

Und nun? Die Staatsfonds scheinen Europa nicht mehr zu trauen

Foto: Corbis

Hamburg - Sie kommen aus Nigeria, aus Singapur oder Abu Dhabi. Und sie haben viel Geld. Staatsfonds sind Anlagevehikel, die den Wohlstand einer Nation, zum Beispiel deren Erträge durch Erdöl, durch geschickte und geduldige Geldanlage mehren. Dazu haben die Fonds mit Namen wie ADIA, Future Fund oder GIC oftmals alle Freiheiten der Welt.

Ihre Lenker sind teilweise so erfolgreich, dass jüngst beispielsweise die deutsche Fondsgesellschaft DWS einen leitenden Fondsmanager des Staatsfonds von Singapur (GIC) abwarb. Und sie verwalten viel Geld - über 4 Billionen Dollar weltweit. Damit haben sie an den Börsen einiges Gewicht. Doch während sie üblicherweise viel Geduld mit ihren Anlagen haben - auf ihren Homepages findet sich zumeist der Hinweis auf den langfristigen Charakter ihrer Investitionen - scheint ihnen diese Langmut im Fall von Euro-Land abhanden gekommen zu sein. Auch wenn sie das selbst nicht gern so deutlich sagen, sondern sich in der Öffentlichkeit zurückhalten.

ADIA zum Beispiel, der Staatsfonds aus Abu Dhabi, will die Frage nicht kommentieren. Andere meldeten sich auf Anfrage gar nicht erst. Dennoch hinterlassen die Staatsfonds Spuren. Besonders im Markt für Staatsanleihen aus Europa. John Nugée kann diese Spuren lesen. Er ist Senior Managing Director der Official Institutions Group bei State Street Global Advisors und analysiert regelmäßig das Anlageverhalten der Staatsfonds (Sovereign Wealth Funds, SWI).

"Die Eurozone wird von den Staatsfonds nicht mehr als ein Zinsmarkt wahrgenommen, sondern als eine Ansammlung von Anleihemärkten, die miteinander im Wettbewerb stehen", sagt er gegenüber manager-magazin.de. "Nur deutsche Staatsanleihen werden noch als klassische festverzinsliche Anlagen gesehen. Damit verändert sich die Perspektive auf die Frage, welche Anlagen noch als risikolos angesehen werden", so Nugée. "Die neben Deutschland solideren Staatsanleihen in der Eurozone werden zunehmend als Spread-Produkte gehandelt, bei denen eine Chancen-Risiko-Abwägung stattfindet. Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie sind für die meisten Staatsfonds nicht länger Kernbestandteil ihrer Allokation." Und das nicht nur seit gestern.

"Staatsfonds haben ihre Positionen in der Euro-Peripherie reduziert oder - im Falle von Griechenland, Portugal und Irland - nahezu vollständig aufgelöst", sagt Nugée. "Das fand allerdings schon vor geraumer Zeit statt, und die jüngsten Entwicklungen in Italien und Spanien haben nicht zu einer vergleichbaren kompletten Flucht aus diesen Anleihemärkten geführt. Das liegt zum einen an der Größe dieser Anleihemärkte und zum anderen an der Auffassung, dass die Lage sich derart krisenhaft zuspitzt, dass die politische Führung Europas handeln muss. Allerdings steigt die Nervosität hinsichtlich der Verfassung der Banken in den schwächeren Staaten der Eurozone. Deren Kreditrahmen werden erheblich eingeschränkt." Doch längst nicht alle Staatsfonds haben so früh gehandelt.

Infrastruktur statt Anleihen

So warnte jüngst Mohammed al Asumi, Chefvolkswirt der Emirates Industrial Bank, vor Verlusten der SWF. Den Ölpreis, Finanzquelle für viele von ihnen, könne man zwar stabil halten, sagte er sinngemäßg - doch das helfe den Staatsfonds nicht, zum Beispiel mit Blick auf die Aktien europäische Banken: "Einige Investoren, darunter auch Staatsfonds und Investmentbanken erlitten Verluste wegen ihrer Investments in solche europäischen Banken." Und bereits vor einem Jahr hatten die Staatsfonds selbst auf einem Treffen in Sidney nicht über allgemeine Themen nachgedacht, sondern über die Risiken, die mit dem Investment in hochverschuldete Länder einhergehen, wie Eliot Kalter und Thomas Holt, beide von der Fletcher School at the Tufts University, in einem Blog schreiben.

Michael Maduell stimmt zu. Er ist Präsident des New Yorker Sovereign Wealth Fund Institutes, das den Markt der SWF stetig untersucht. "Generell gesprochen, sind die Staatsfonds sehr vorsichtig bei Staatsanleihen, nachdem sie gesehen haben, was in Griechenland und Italien geschehen ist. Ich erwarte zwar keine plötzliche Flucht aus europäischen Anleihen oder Aktien. Aber Staatsfonds, die dazu neigen, größere Anteile an Unternehmen zu halten, werden sich aggressiver daran machen, sich Unternehmen zu nähern, die Kapital in Form von Aktien, Wandelanleihen oder Bonds brauchen." Mehr Druck von Investoren - für Europa klingt das nur allzu bekannt.

Immerhin, eines macht für den Euro-Raum noch Hoffnung. "Zwar hat das Kreditrisiko an Gewicht in Assetallokationsfragen zugenommen", sagt Maduell. "Doch Europa bleibt ein Hauptziel für Staatsfonds. Vor allem in Immobilien, Unternehmen mit starken Fundamentaldaten und Infrastruktur stecken sie ihr Geld."

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