Börse heute Erleichterung nach dem Zinsschritt

Der Dax hat am Donnerstag nach einer unerwartet kräftigen Anhebung der europäischen Leitzinsen nachgegeben. Er schloss mit 7243,13 Punkten 0,68 Prozent leichter als am Mittwoch. Dennoch begrüßten die Börsenhändler die Entscheidung der Europäischen Zentralbank.

Frankfurt am Main - Vor Bekanntgabe der Zinsanhebung hatte das Börsenbarometer mit 7376 Zählern noch rund ein Prozent im Plus gelegen. Einige Händler sagten aber, die Verluste im Gefolge der Zinsanhebung seien nicht so deutlich ausgefallen, wie man das vorher hätte vermuten können. Dies könne bedeuten, dass Investoren die weiteren Wachstumsaussichten in Deutschland positiv beurteilten.

Zinsschritt der EZB wird gut aufgenommen

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte am frühen Nachmittag eine Anhebung der Leitzinsen um 50 Basispunkte auf 4,25 Prozent bekannt gegeben. Händler sagten, die EZB habe dem Aktienmarkt eine große Chance eröffnet, weil durch die deutliche Anhebung nun weitere Zinsschritte zunächst nicht zu erwarten seien. Damit sei das Damoklesschwert zunächst verschwunden, das sonst den Handel in den kommenden Wochen hätte lähmen können.

Lufthansa und Versorger unter Druck

Zu den Verlierern im Dax gehörten am Donnerstag Lufthansa. Die Aktien der Airline verloren 2,5 Prozent auf 25,50 Euro. Händler machten dafür die Fusionsgespräche zwischen der niederländischen Fluggesellschaft KLM und der British Airways verantwortlich. "Das könnte ernsthafte Konkurrenz für die Lufthansa werden", sagte ein Händler.

Auf der Verliererseite standen am Donnerstag zudem die Versorger. RWE verloren 1,4 Prozent auf 40,30 Euro, VEBA 3,3 Prozent auf 52,83 Euro und VIAG 3,4 Prozent auf 21,10 Euro. Ein Grund war für Marktbeobachter die schleppende Entwicklung der Atom-Konsens-Gespräche.

Allgemein schwächer wurden auch die Autowerte gehandelt. VW gaben 1,1 Prozent, DaimlerChrysler 0,6 Prozent und BMW 0,3 Prozent nach. Händler machten dafür die schwächeren Aussichten für die Automobilkonjunktur verantwortlich. Dabei hatte BMW am Donnerstag mitgeteilt, einen Rekordstand bei Neuzulassungen im Mai erreicht zu haben. Siemens legten 1,2 Prozent auf 166,85 Euro zu und waren damit größter Gewinner im Dax. Das Investmenthaus Goldman Sachs hatte die Aktien am Donnerstag erstmals als "Outperformer" eingestuft und ein Kursziel von 190 Euro für die Aktie genannt.

Neuer Markt hält sich im Plus

Am Neuen Markt zeigten sich die Indizes von der Zinsanhebung kaum beeindruckt. Nach den guten Vorgaben aus den USA stieg der Nemax All Share um 1,4 Prozent auf 5881,51 Punkte. Der Nemax-50 gewann 1,9 Prozent auf 6626,10 Zähler. Eine wahre Kursexplosion verzeichnete die Aktie von Abit. Der Hersteller von Lohn-Software konnte bekannt geben, ein Abrechnungs-Programm und dessen Kunden von IBM übernommen zu haben. Darauf stieg das Papier um rund 37 Prozent an.

Wall Street tendiert leichter

In New York zeigten sich die Märkte zunächst uneinheitlich. Während der Dow Jones von Beginn an im Minus lag, verbuchte der Nasdaq zunächst Kursgewinne, die er im Verlauf jedoch wieder abgeben musste. Gegen 21 Uhr hatte der Dow Jones rund 1,2 Prozent gegenüber dem Vortag veloren, der Nasdaq fiel auf ein Minus von 0,2 Prozent zurück.

Unterschiedliche Reaktionen auf Zinsschritt in Europa

Die Europäischen Börsen zeigten sich nach der Leitzinserhöhung durch die EZB uneinheitlich. Mit jeweils 0,4 Prozent tendierten die Börsen in London und Mailand im Minus. Die Kursgewinne der übrigen Märkte reichte dagegen von jeweils 0,2 Prozent an den Börsen in Wien, Zürich und Paris bis zu 1,0 Prozent in Madrid. Der ATX in Amsterdam notierte 0,8 Prozent höher. Der Euro-Stoxx 50 legte um 0,3 Prozent oder 15,27 auf 5.287,64 Punkte zu.

Euro fällt nach anfänglichem Kurssprung zurück

Der Euro konnte nach dem deutlichen Zinsschritt der EZB erheblich profitieren und stieg binnen weniger Minuten um einen US-Cent auf 0,9701 Dollar an. Danach kam jedoch massiver Verkaufsdruck im Devisenmarkt auf, der den Euro innerhalb von einer Stunde bis auf ein Tagestief bei 0,9508 Dollar knapp zwei US-Cent zurückführte. Durch die überraschend starke Anhebung der Leitzinsen dürfte der Euro jedoch mittelfristig Auftrieb bekommen und die Parität in den kommenden Wochen erreichen.

Gold bleibt unverändert

Die Feinunze Gold tendierte heute kaum verändert und verharrte zuletzt bei der 285 US-Dollar-Marke. Goldhändler zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass der Goldpreis in den kommenden Handelstagen bis auf 300 Dollar steigen kann. Silber wurde zuletzt bei 5,05 Dollar gehandelt.