Anleihenrückkauf Commerzbank stärkt Kapitaldecke

Die Commerzbank arbeitet weiter emsig daran, die von der EU-Bankenaufsicht geforderte Kernkapitalquote aus eigener Kraft zu erfüllen. Mit dem Rückkauf von Hybridanleihen will sie das harte Kernkapital weiter aufbessern. Die Aktie begibt sich dennoch auf Talfahrt, Anleger fürchten eine Verstaatlichung.
Coba-Zentrale in Frankfurt: Wenn die Bank die Erfüllung der Kernkapitalquote bis zum Sommer nicht schafft, will die Bundesregierung das Institut offenbar verstaatlichen

Coba-Zentrale in Frankfurt: Wenn die Bank die Erfüllung der Kernkapitalquote bis zum Sommer nicht schafft, will die Bundesregierung das Institut offenbar verstaatlichen

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die Commerzbank hat den Rückkauf eigener Anleihen im Wert von bis zu 600 Millionen Euro angekündigt. Der Rückkauf werde zu einer Erhöhung des Kernkapitals führen, erklärte die Bank. Die Besitzer sogenannter hybrider Eigenmittelinstrumente können die Papiere ab Montag und voraussichtlich bis zum 13. Dezember zu einem festgelegten Preis der Commerzbank anbieten.

Wenn die Investoren mitspielen, kann die Bank für die 600 Millionen Euro Papiere mit einem Nominalwert von bis zu 1,2 Milliarden Euro zurückkaufen. Die Differenz könnte Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus dann als Gewinn verbuchen. Die Bank lockt die Investoren der fünf betroffenen Hybridanleihen mit Rückkaufpreisen von 40 bis 52,5 Prozent des Nennwerts. Am Markt notierten sie am Freitag nur bei 35 bis 43 Prozent.

Die Commerzbank  muss kämpfen, um bis Juni 2012 wie von den EU-Regulierern gefordert auf eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu kommen. Dazu fehlen ihr Finanzkreisen zufolge rund fünf Milliarden Euro. Bankchef Martin Blessing will die Lücke schließen, ohne erneut Staatshilfe in Anspruch zu nehmen.

Bundesregierung will Commerzbank notfalls verstaatlichen

Hybridanleihen - eine Mischformen zwischen Eigen- und Fremdkapital - zählen nicht zum harten Kernkapital, auf das es künftig bei der Berechnung des Kapitalpolsters von Banken ankommt. Über den Anleihenrückkauf war bereits spekuliert worden. Die Bank musste deshalb schnell handeln, um Spekulationen mit den Hybridanleihen zu verhindern.

Bereits vor einem Monat hatte die Bank beschlossen, die Bilanzrisiken (RWA) um 30 Milliarden Euro zurückzufahren, indem sie die Kreditvergabe drosselt. Das würde ihr fast drei Milliarden Euro an Eigenkapital ersparen. Mit einem Verkauf des Immobilienfinanzierers Eurohypo (Kurswerte anzeigen) an den Staat könnte sie die mühsame Kapitalsammel-Aktion fast umgehen. Damit bräuchte sie allein nahezu fünf Milliarden Euro weniger Eigenkapital.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL würde die Bundesregierung allerdings lieber die ganze Commerzbank verstaatlichen, als ihr die Eurohypo abzunehmen. Wenn es das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut nicht schaffe, sich bis zum nächsten Sommer genug Kapital zu beschaffen, werde Berlin den Bankenrettungsfonds Soffin reaktivieren und weitere Aktien des Finanzkonzerns übernehmen, heißt es in dem Bericht.

Die Commerzbank hatte bereits zweimal in diesem Jahr erfolgreich eigene Anleihen vom Markt genommen. Im Januar waren den Investoren für Hybridanleihen Commerzbank-Aktien angeboten worden, zwei Monate später waren Nachrangpapiere in eine neue Nachranganleihe getauscht worden.

Die Papiere der Commerzbank sind nach einem festen Start sehr schnell ans Dax-Ende durchgereicht worden. Dort fielen sie zuletzt um bis zu 8,2 Prozent auf 1,38 Euro. Händler machten aber eher die Spekulation um die Verstaatlichung als in den Anleihenrückkauf dafür verantwortlich.

mg/rtr/dpa-afx