Fitch/S&P USA und Frankreich drohen Abstufungen

Die US-Ratingagenturen halten die Märkte weiter in Atem: Die USA bekommen wegen ihrer desolaten Haushaltslage die nächste gelbe Karte, diesmal von Fitch. Und die versehentliche Herabstufung Frankreichs durch S&P Anfang November war offenbar doch kein Irrtum.
Händler in New York: Anleger reagieren derzeit äußerst nervös auf die Berichte der Ratingagenturen

Händler in New York: Anleger reagieren derzeit äußerst nervös auf die Berichte der Ratingagenturen

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

New York/Paris - Die US-Ratingagenttur Fitch hat den USA mit der Aberkennung ihrer Topbonität gedroht. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit werde von "stabil" auf "negativ" gesenkt, teilte Fitch mit. Die aktuelle Bestnote "AAA" wurde jedoch zunächst bestätigt.

Der negative Ausblick reflektiere die Unfähigkeit der Politik, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die öffentlichen Finanzen wieder auf einen tragfähigen Weg zu bringen. Fitch verweist auf die gescheiterten Verhandlungen im US-Kongress über ein Konzept zum Schuldenabbau.

Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte der US-Schuldenstand von derzeit rund 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis auf 110 Prozent steigen. Ein solcher Wert wäre nicht mehr vereinbar mit der Bestnote. So ein hoher Schuldenstand würde eine Reaktion der US-Regierung auf künftige Krisen erschweren.

Fitch begründete die Entscheidung auch mit dem unsicheren Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft. Solange die wirtschaftlichen Kapazitäten nicht ausgelastet würden und die Arbeitslosigkeit hoch bleibe, steige das Risiko, dass Produktionsverluste und Steuerausfälle höher als bisher erwartet ausfallen könnten.

Abstufung nicht überraschend

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte den USA bereits im August die Bestnote "AAA" entzogen und die Kreditwürdigkeit nur noch mit der zweitbesten Bewertung "AA+" eingestuft. Damals hieß es seitens der Agentur, dass die angepeilte Einsparungen für eine Konsolidierung der US-Staatsfinanzen nicht ausreichten. Derzeit steht der Ausblick von S&P für die USA auf "negativ".

Die dritte große Ratingagentur Moody's senkte den Ausblick Anfang August auf negativ, behielt aber das "AAA" bislang bei. S&P und Moody's haben erklärt, das Scheitern des so genannten Superkomitees am 21. November werde sich nicht unmittelbar auf ihre Bewertung auswirken.

Allerdings hat Moody's gewarnt, dass die Bestnote in Gefahr sein könnte, wenn die Abgeordneten von den vorgesehenen automatischen Kürzungen im Haushalt abrücken sollten. Diese sollen ab 2013 als Folge des Scheiterns der Gespräche zwischen Demokraten und Republikanern quer durch den Haushalt von den Sozialprogrammen bis zum Verteidigungsetat greifen, um die Staatskasse zu entlasten. Einige Abgeordnete haben aber bereits Widerstand angekündigt.

Die Herabstufung von S&P hatte die Attraktivität des US-Anleihemarktes jedoch nicht gemindert. Die Renditen gingen sogar weiter zurück. Der große und liquide US-Anleihemarkt gilt gerade auch angesichts der Schuldenkrise in der Euro-Zone als alternativlos. Daher könnten sich auch jetzt die Folgen für die USA in Grenzen halten. Zudem kam der Schritt nach der Abstufung durch S&P nicht überraschend.

S&P will Ausblick für Frankreich offenbar senken

Auch Frankreich steht weiter im Visier der Ratingagenturen. Der französischen Tageszeitung "La Tribune" zufolge könnte S&P den Bonitätsausblick Frankreichs in den kommenden Tagen von "stabil" auf "negativ" herabstufen. Das hätten übereinstimmende Quellen erklärt. Einer der nicht genannten Quellen zufolge sollte der Bonitätsausblick bereits am Freitag gesenkt werden, dies sei aber aus unbekannten Gründen verschoben worden. Eine weitere Quelle erklärte, die Ankündigung könnte innerhalb einer Woche oder zehn Tagen erfolgen. Ein Sprecher der Ratingagentur sagte, sein Unternehmen kommentiere keine "Gerüchte".

In der vergangenen Woche hatten bereits die Ratingagenturen Fitch und Moody's auf Gefahren für Frankreichs Topbonität AAA hingewiesen. Standard & Poor's hatte die Kreditwürdigkeit Frankreichs am 10. November irrtümlich herabgestuft und dies auf einen technischen Fehler zurückgeführt. Die Falschmeldung, dass Frankreich die Bestnote "AAA" verliert, hatte in Frankreich für Empörung gesorgt.

mg/dpa-afx/rtr/afp
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