Airbus A3XX vor dem Absturz?

Das vollmundig angekündigte Ja zum Bau des Großraum-Jets A3XX wird es auf der Berliner Luftfahrtausstellung nicht geben. Die Aufsichtsräte sagten ihr Treffen ab, im Hintergrund wird um Standorte und Beteiligungen gerungen.

Berlin - Die Entscheidungen über den Bau des neuen Airbus-Großraumjets A3XX und über eine Umwandlung des Airbus-Konsortiums in eine Kapitalgesellschaft sind am Donnerstag nicht gefallen. Entgegen Ankündigungen aus Branchenkreisen trat der Airbus-Aufsichtsrat bei der Berliner Luftfahrtmesse ILA nicht zusammen, wie die am Airbus-Konsortium beteiligte DaimlerChrysler-Tochter Dasa erklärte.

In Firmenkreisen wurden mehrer Gründe genannt, warum der Airbus-Aufsichtsrat keine Entscheidung zum A3XX- Programm traf. Zum einen hieß es, bei einem Airbus-Partner müssten erst noch zuständige Gremien "grünes Licht" geben, und die tagten voraussichtlich erst am Freitag. In anderen Kreisen hieß es dagegen, noch seien Fragen zu den Beteiligungshöhen der Partner an einer neuen Airbus-Kapitalgesellschaft 3XX offen.

Die als "EADS in Gründung" firmierenden Airbus-Partner - die Dasa, die französische Aerospatiale Matra und die spanische Casa - sowie die britische BAe Systems als vierte Airbus-Beteiligte erklärten lediglich: "Der Airbus-Aufsichtsrat wird in Kürze über den Beginn der offiziellen Angebotsphase für das A3XX-Projekt entscheiden." Parallel strebe man an, auch die Entscheidungen zur Umwandlung des Airbus-Konsortiums in eine gemeinsame Kapitalgesellschaft zu erarbeiten.

Wankelmut könnte EADS-Börsengang belasten

Der Börsengang des größten Airbus-Partners EADS, der für den 10. Juli geplant ist, könnte durch die Unsicherheiten im Airbus-Konsortium belastet werden. Noch am Mittwoch hatten die Chefs von EADS, Philippe Camus und Rainer Hertrich, den Bau des A3XX für "unverzichtbar" erklärt.

In EADS-Kreisen wurde nicht ausgeschlossen, dass der Aufsichtsrat noch während der Berliner LuftfahrTmesse ILA, die bis zum Montag andauert, entscheiden werde. Allerdings gebe es gerade von Seiten der britschen Partner auch die Tendenz, die Entscheidung über diese für Airbus ungemein wichtigen Fragen erst zur ILA-Konkurrenzmesse im britischen Farnborough Ende Juli mitzuteilen. Die Fachminister der Airbus-Länder hatten den 24. Juli, also die Luftfahrtschau in Farnborough, als spätesten Termin für Entscheidungen genannt.

Briten fordern mehr Gewicht

Eine der noch offenen Fragen ist Branchenkreisen zufolge die nach den genauen Beteiligungshöhen der vier industriellen Airbus-Partner in einer neuen Airbus-Kapitalgesellschaft. Insbesondere seien die Briten, die bislang einen Arbeitsanteil von 20 Prozent im Konsortium haben, nicht zufrieden mit einem leicht darunter liegenden Satz, der sich angeblich aus den laufenden Unternehmensbewertungen ergeben habe.

Die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic bekundete unterdessen Interesse am A3XX, allerdings auch an der Boeing 747-400. Zudem sagte Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping in Brüssel, er gehe davon aus, dass Deutschland voraussichtlich auch einen Militärtransporter auf Basis der Airbus-Version A 400 M bestellen werde. Aus Kreisen hieß es, Deutschland wolle 25 Maschinen im Auftragswert von rund 20 Milliarden Mark bestellen.