Investitionen in Computerspiele Fonds verdaddeln Millionen Anlegergelder

Der Markt für Computerspiele gehört zu den rasanten Wachstumsfeldern der Weltwirtschaft. Tausende deutsche Anleger steckten über Fonds viele Millionen Euro in das Geschäft. Einen Großteil des Geldes werden sie jedoch nicht wiedersehen. Eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen. 
Computerspieler in Aktion: Mit Investitionen in die Game-Branche machten Anleger bislang keine guten Erfahrungen

Computerspieler in Aktion: Mit Investitionen in die Game-Branche machten Anleger bislang keine guten Erfahrungen

Foto: DPA

Hamburg - Es ist nicht das erste Mal, dass so etwas am Kapitalanlagemarkt vorkommt: Fondsemittenten entdecken ein neues Geschäftsfeld mit offenbar grandiosen Wachstumsaussichten. Sie konzipieren Beteiligungsgesellschaften dafür - und setzen anschließend Millionen Euro an Anlegergeldern in den Sand. Der Ort des Geschehens diesmal: Der Markt für Computer- und Videospiele.

Die Branche gehört tatsächlich zu den rasanten Wachstumsfeldern der Weltwirtschaft. Die Zahl der Spieler von Konsolen-, Online- und Handygames steigt und steigt, in aller Herren Länder verfallen - von jung bis alt - immer mehr Menschen dieser Form der Zerstreuung.

Die Folge: Selbst in der Wirtschaftskrise legte das Geschäft zu. Getrieben vor allem vom robusten Absatz in Fernost kam der Weltgamesmarkt 2010 nach einer Studie von PwC auf einen Umsatz von 55,5 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: 2007, im letzten Jahr vor der Krise, betrug der Umsatz etwa 43 Milliarden Dollar. Bis 2015, so PwC, wird der Markt weiter expandieren, auf 82,4 Milliarden Dollar. Die durchschnittliche Wachstumsrate läge damit bei 8,2 Prozent pro Jahr.

Auch in Deutschland spiegelt sich der Trend wider: 2009 gab es hierzulande zwar eine kleine Delle, im vergangenen Jahr jedoch schloss die Branche bereits wieder mit einem Umsatzplus von 2,7 Prozent ab, so PwC. Vor allem Online- und Handyspiele finden derzeit offenbar Absatz - bis 2015 prognostiziert PwC dem Gesamtmarkt herzulande ein Plus von jährlich 5,9 Prozent auf dann 2,5 Milliarden Euro Umsatz.

Tausende Anleger investieren Millionensummen

Alles in allem eine lupenreine Wachstumsstory also. Und die blieb auch der Finanzindustrie nicht verborgen. Viele Anbieter geschlossener Fonds befinden sich stets auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern, in die sie die Gelder ihrer Kunden lenken können. So wurden vor einigen Jahren die ersten so genannten Gamefonds aufgelegt, die in die Produktion und Vermarktung von Video- und Computerspielen investierten. Mit Blick auf die ausgezeichneten Marktaussichten versahen viele Anbieter ihre Fonds - auch gegenüber manager magazin Online - vollmundig mit zweistelligen Renditeversprechen.

Tausende Anleger wurden so dazu bewegt, Millionenbeträge in die Fonds zu stecken. Allein in die Fonds der Münchener BVT investierten die Zeichner 114 Millionen Euro Eigenkapital. Weitere fast 40 Millionen Euro flossen beispielsweise in Beteiligungsgesellschaften von AAA Capital, einem Joint Venture, an dem unter anderem das Hamburger Emissionshaus Atlantic beteiligt ist. Und United Investors kommt mit seinen ersten beiden Fonds auf ein Eigenkapitalvolumen von zusammen 46 Millionen Euro.

Das Problem: Zum Teil bewahrheiteten sich zwar die Versprechen der Fondsmacher. Der Markt für Computerspiele nämlich entpuppte sich tatsächlich als gewaltiges Wachstumsfeld. Die Anleger jedoch bekommen davon nicht viel mit. Die Ergebnisse der meisten Fonds bleiben weit hinter den Plänen zurück. Vielfach werden die Investoren nach Aussage der Emittenten nicht einmal ihre eingezahlte Einlage zurückerhalten, von den versprochenen Renditen im zweistelligen Prozentbereich kann keine Rede mehr sein. Der weitaus größte Teil der Fonds hat schon heute kaum noch Chancen, den Rückstand aufzuholen.

Damit ist klar: Erneut wurden von Fondsmanagern Millionensummen an Investorengeldern verbrannt, in einem Geschäft, in dem andere Unternehmen zur gleichen Zeit viel Geld verdienten.

Fondspartner pleite - oder vor Gericht

Beispiel BVT, mit fünf Fonds für ein breites Publikum der wohl größte Player in dem Segment. Die beiden ersten Beteiligungsgesellschaften, die sich bereits vor der Auflösung befinden, haben ihre Planzahlen laut aktueller Leistungsbilanz des Unternehmens weit verfehlt. Bei Fonds Nummer zwei zum Beispiel wurden bis Ende 2010 lediglich 65 Prozent des eingezahlten Eigenkapitals zurück an die Investoren gezahlt - geplant waren zum gleichen Zeitpunkt 135 Prozent. Für beide Beteiligungsgesellschaften musste zudem gegen einen Vertragspartner in München prozessiert werden.

Bei Fonds Nummer 3 kam es noch dicker: In der Leistungsbilanz steht zum Stichtag Ende 2010 eine Soll-Ausschüttung an die Anleger in Höhe von 143 Prozent des eingezahlten Eigenkapitals. Tatsächlich erhielten die Investoren bis zu dem Zeitpunkt jedoch lediglich 3 Prozent ihrer Beteiligungssumme zurück. Das Ergebnis liegt damit bislang nahe am Totalausfall.

Der Hintergrund des Debakels: Der Fonds musste gegen eine von zwei Partnergesellschaften wiederum vor Gericht ziehen. Die andere ging pleite. "Für die Anleger wird es am Ende wohl einen Verlust im zweistelligen Prozentbereich geben", konstatiert BVT-Geschäftsführer Andreas Graf Rittberg gegenüber manager magazin Online. Die BVT-Verantwortlichen hoffen jetzt auf die Fonds 4 und 5, für die mit der Firma Square Enix ein erstklassiger Publisher als Partner gefunden worden sei.

Ähnlich trübe sieht es bei den beiden Beteiligungsgesellschaften des Atlantic-Joint-Ventures AAA Capital aus. Zum Vertriebsstart schmiss der Initiator vor Jahren noch eine spektakuläre Party im Herzen Hamburgs. Dort wurde auch der Darmstädter Computerspieleentwickler 10tacle als Herzstück der Fonds und Hoffnungsträger präsentiert.

Playland-Management meldet sich nicht

2008 geriet 10tacle jedoch in Liquiditätsnot und musste Insolvenz anmelden. Die Folge: Die Anleger erhielten bei weitem nicht die Rückflüsse, die ihnen in Aussicht gestellt worden waren. Im Gegenteil, in beiden Gesellschaften werden am Ende wohl empfindliche Verluste bleiben, die lediglich durch die in diesem Genre zur Zeit des Vertriebs noch üblichen anfänglichen Steuervorteile gedämpft werden.

In Zahlen heißt das: Bei Fonds Nummer eins kamen bislang nur 45 Prozent der eingezahlten Summe zurück auf die Konten der Investoren, deutlich weniger als geplant also, wie ein Atlantic-Sprecher sagt. Bei Fonds Nummer 2 sind es sogar nur magere 5,5 Prozent. In dem Fall besteht zwar noch Hoffnung auf zwei Computerspiele. Auch damit wird sich der Schaden aber bestenfalls noch begrenzen lassen.

Auch bei United Investors sind die ambitionierten Renditeversprechen aus der Verkaufsphase längst in weite Ferne gerückt. Zwei Gamefonds hat der Initiator bereits platziert, beide in Kooperation mit der Hamburger dtp Entertainment AG. Dumm nur, dass sich dtp auf PC-Spiele spezialisiert hat, einen Bereich, der zu jenen wenigen Sparten im Spielemarkt zählt, die in den vergangenen Jahren mit rückläufigen Umsätzen kämpfen mussten.

Die Leidtragenden sind wiederum die Anleger: Die Ergebnisse beider United-Investors-Fonds liegen klar hinter der Prognose. Nach Angaben von Geschäftsführer Hauke Bruhn wird Fonds 1 aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage sein, den Investoren die eingezahlten Summen zurückzuzahlen. Fonds 2 hat dazu zwar noch Chancen, allerdings nicht in der vorgesehenen Zeit.

Um die Lage zu verbessern, hat United Investors bereits Geld nachgeschossen. Zudem wurde ein "Besserungsschein" ausgehandelt, der in den kommenden Jahren für Einnahmen sorgen soll, die zumindest den Kapitalerhalt zuzüglich einer geringfügigen Verzinsung sichern. Ob das allerdings klappt ist offen - das Geld soll wiederum aus Geschäften von dtp Entertainment abgezweigt werden.

Immerhin: Das Management von United Investors kämpft offenbar für seine Anleger. Davon können die Investoren, die sich beim Münchener Emittenten Playland beteiligt haben, nur träumen. Schon 2007 äußerte sich manager magazin Online skeptisch über die Erfolgsaussichten der Playland-Beteiligungsofferte - und handelte sich damit prompt einen aufgeregten Protest des Managements ein.

Heute steht fest: Die Vorbehalte waren offensichtlich berechtigt. Nach Informationen eines Playland-Anlegers gibt es von Seiten des Managements um Initiator Rudolf G. Wiesmeier zur Entwicklung der Beteiligung "seit Jahren keine Informationen mehr". Von Ausschüttungen ganz zu Schweigen. Auch manager magazin Online konnte Wiesmeier zwecks Stellungnahme nicht ausfindig machen.

Initiatoren machen trotz Flops weiter

Das Fazit erscheint banal: Ein Wachstumsmarkt allein reicht nicht aus, um Geld zu verdienen. Der Markt für Computer- und Videospiele ist extrem komplex und schnelllebig. Was heute im Trend liegt, kann morgen schon wieder technisch überholt oder aus der Mode sein. Viele Fondsmacher, so sagt ein Branchenbeobachter zu manager magazin Online, sind offenbar von vornherein "ohne wirkliche Ahnung" und "zu blauäugig" an die Sache herangegangen. Und ganz offensichtlich haben viele auch ihre Geschäftspartner falsch eingeschätzt.

Das hält die Fondsinitiatoren allerdings nicht davon ab, weiterhin auf dieses Pferd zu setzen. "Die Branche ist nach wie vor hochinteressant", sagt etwa BVT-Geschäftsführer Graf Rittberg. "Sie verzeichnet extreme Wachstumsraten, es gibt dort viel Geld zu verdienen." Derzeit ist BVT zwar mit dem Management der laufenden Fonds ausgelastet, so der Fondslenker. Künftig sei eine neue Offerte jedoch nicht ausgeschlossen.

Ähnlich sieht es United Investors-Chef Bruhn, dessen dritter Gamefonds sich bereits am Markt befindet. "Wir vermeiden die Fehler der Vergangenheit", sagt er. "Wir arbeiten nicht mehr mit einem einzigen Exklusivpartner, sondern mit mehreren. Zudem machen wir nur noch Co-Investitionen, bei denen auch andere mit im Boot sitzen."

Der Punkt ist auch Ralf Soboll wichtig, Geschäftsführer der Solid Value GmbH. Solid Value bietet wie auch Wettbewerber Altaris aus der Nähe Münchens derzeit ihren ersten Gamefonds an. "Wir beteiligen uns nur an Produktionen, bei denen der Entwickler oder Verleger sich mit mindestens 30 Prozent der Produktionskosten beteiligt", sagt Soboll. "Dadurch wird der Entwickler nur Projekte einbringen, von deren Erfolg er völlig überzeugt ist."

Erfolgversprechend wird das Ganze dennoch nur sein, wenn die Fonds bei ihren Investments auf das richtige Segment des Spielemarktes setzen. "Konsolenspiele werden auch in Zukunft eine dominierende Rolle spielen, während PC-Spiele tendenziell an Marktanteilen verlieren", sagt Reimar Müller, Branchenexperte von PwC. "Der Trend geht zudem in Richtung Online-, Handy- und vor allem Social-Media-Games. Die Entwicklung mobiler Geräte wie Smartphones spielt dabei eine wichtige Rolle."

Anleger, die keinen Schiffbruch erleiden wollen, können bei der Wahl eines Fonds also darauf achten, ob diese Trends bei der Investitionsplanung berücksichtigt wurden. Der spätere Anlageerfolg ist deshalb allerdings noch längst nicht sicher.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.