Erdgas-Markt Gazprom-Vorstand will Ölpreis-Bindung abschaffen

Bogdan Budzulyak, Vorstand des weltgrößten Gas-Produzent Gazprom, will die Ölpreis-Bindung für den Energieträger abschaffen. Große Abnehmer wie Ruhrgas lehnen seinen Vorstoß vehement ab. Sie fürchten höhere Preise.

Nizza - "Wir müssen von der Anbindung loskommen", sagte Budzulyak, der im Gazprom-Vorstand für den Bereich Technik zuständig ist. Alle Produzenten wollten dies. Auf mittlere Sicht werde es auch zu einer Aufgabe der Preisbindung kommen. Inzwischen gebe es auch schon einige Kunden, die sich der Einschätzung der Produzenten anschlössen.

Die Anbindung der Gas- an die Ölpreise führe dazu, dass Prognosen für die Preisentwicklung für Gas enorm erschwert würden, sagte Budzulyak auf dem Weltgaskongress in Nizza. In den Anfängen der Gasexploration habe die Ölpreis-Bindung noch Sinn gemacht. Heutzutage führten unberechenbare politische Ereignisse oft zu großen Schwankungen am Ölmarkt und damit auch auf dem Gasmarkt. Bei Gazprom habe man aber noch nicht endgültig entschieden, auf die Ölpreis-Bindung in neuen Lieferverträgen zu verzichten.

Große Abnehmer, wie in Deutschland die Essener Ruhrgas, argumentieren für den Erhalt des Status quo. Sie nutzen dasselbe Argument, mit dem manche Erzeuger ihn ändern wollen. Die Anbindung gebe Planungssicherheit. In der Gaswirtschaft wird ein Großteil der Lieferungen durch langfristige Verträge von zwanzig Jahren und längerer Dauer geregelt.

Die Angst der Abnehmer vor überzogenen Preisforderungen der weltweit nur wenigen Erzeugerländer hält Budzulyak für übertrieben. Schon heute, bei bestehender Ölpreisbindung, sei Gazprom in der Preisgestaltung sehr flexibel. "Im Sommer ist unser Gas billiger." Sorgen macht dem Gazprom-Vorstand offenbar die schlechte Zahlungsmoral der russischen Kunden.

Zu Spekulationen über eine mögliche Aufspaltung des Firmengiganten Gazprom, den zahlreiche Osteuropa-Fonds als Standardwert im Portfolio haben, wollte sich Budzulyak nicht konkret äußern. "Das sind nur Gerüchte", sagte er. Die Zukunft hänge von den Strategien ab, die in der Umgebung des Präsidenten und der Regierung entwickelt würden. Vielfach sei bilang falsch spekuliert worden. So halte sich Vorstandschef Rem Vyakhirev entgegen vieler Erwartungen nach wie vor sicher an der Konzernspitze. Vyakhirev gilt als Befürworter einer vereinten Gazprom.

Spekuliert wurde in der Vergangenheit oft, Gazprom solle in zwei Unternehmen geteilt werden, in eines für die Förderung von Gas und eines für dessen Verteilung. "Meine Meinung und vielleicht auch die meiner Kollegen ist, dass Vyakhirev in der richtigen Position ist", sagte Budzulyak.