Stinnes/BASF/Bayer Sturm auf die Marktplätze

Immer mehr Firmen bauen Handelsplattformen im Internet. Mehr als ein Dutzend Chemiefirmen errichten eine Online-Plattform für Zwischenprodukte und Chemikalien. Stinnes beteiligt sich an einem Marktplatz für Mehl und Brötchen.

Düsseldorf/Kronberg - Zum Auftakt einer massiven E-Commerce-Offensive beteiligt sich Stinnes an einer neuen weltweiten Handelsplattform für Rohstoffe der Lebensmittelindustrie.

Der Mülheimer Konzern wird für die Internet-Börse GrowNex exklusiv die logistischen Dienstleistungen von Transport über Lagerung bis zum Verkauf der Ware erbringen, sagte der Vorstands-Vorsitzende Wulf H. Bernotat auf der ersten Hauptversammlung des MDAX-Unternehmens in Düsseldorf.

Betreiber der Plattform, die ihren Betrieb am Montag aufnahm, ist die GrowNex AG in Frankfurt, an der Kamps als Europas größte Bäckereikette zu 40 Prozent beteiligt ist.

Die Stinnes-Transporttochter Schenker, die über ihre Luft- und Seefracht die gesamte Logistikkette der Rohstoffbörse betreut, kann Bernotat zufolge durch das neue Engagement bis 2003 einen zusätzlichen Umsatz von etwa 50 Mio Euro erwarten.

Bernd Flickinger wird Vorstand für E-Commerce

Da die Kamps AG, Düsseldorf, nach und nach einen Großteil ihres Einkaufs über GrowNex abwickeln werde, komme die Plattform schnell auf ein hohes Handelsvolumen. Es werde in den nächsten Jahren im sechsstelligen Tonnenbereich pro Jahr liegen, sagte Bernotat.

Grownex verbindet die Produzenten weltweit direkt ohne kostentreibenden Zwischenhandel miteinander. Über weitere E-Commerce-Projekte hat Stinnes bereits entschieden; sie sollen Ende Juni vorgestellt werden.

Für den elektronischen Handel richtet der mehrheitlich zur Veba gehörende Konzern auch ein eigenes Vorstandsressort ein. Ab. 1. September soll der BASF-Manager Bernd Flickinger für die Bereiche Informationstechnologie, Einkauf und E-Commerce zuständig sein.

Stinnes-Chef Bernotat sagte, für Stinnes sei der konzernweite Einstieg in den Handel übers Internet das Spitzenthema dieses Jahres. E-Commerce werde dem Unternehmen eine enorme Schubkraft bringen. Die New Economy sei auf eine gut funktionierende Logistik angewiesen.

Ciba und Shell springen auf die Chemieplattform

Auch die Firmen der Chemiebranche erhoffen sich eine verbesserte Logistik durch den professionellen Einsatz des Internet. Eine Reihe von Unternehmen, die Mitte Mai die Gründung eines Business-To-Business Chemikalien-Marktplatzes angekündigt hatten, wollen die Präsenz der Online-Plattform deutlich erweitern.

Die Unternehmen Ashland Distribution Co, Chemcentral, Ciba Specialty Chemicals,Celanese und Shell Chemical Co einigten sich nach Angaben der Celanese AG, Kronberg, darauf, sich dem Marktplatz anzuschließen.

Mit der Plattform soll die "Effizienz der Zulieferungskette" erhöht werden. Angeboten werden Dienstleistungen für den An- und Verkauf von Basischemikalien, chemischen Zwischenprodukten, Spezial- und Feinchemikalien.

Umsatzvolumen von 400 Milliarden Dollar

Im Mai hatten die Unternehmen Atofina, BASF, Bayer, BP Amoco, Dow, DuPont, Mitsui Chemicals, Rhodia, Rohm and Haas, Sumitomo Chemical and Van Waters & Rogers erklärt, einen neuen B2B-Chemikalienmarktplatz zu gründen, um die Effizienz im Vertragskundengeschäft zu verbessern.

Die elektronische Plattform peilt den Angaben zufolge einen Gesamtmarkt mit einem Volumen von geschätzten 400 Milliarden Dollar an. Sie soll durch die Übertragung bestehender Geschäftsprozesse in das Internet die weltweiten Kundenbeziehungen erleichtern und die Transaktionskosten senken.

Für den Sommer dieses Jahres ist der Aufbau des Online-Marktplatzes als unabhängige Organisation mit eigenem Management und Aufsichtsgremium vorgesehen. Seine Geschäftstätigkeit soll der Marktplatz bis zum Jahresende aufnehmen.

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