Euro-Krise "Die Volatilität bleibt hoch"

Die Euro-Krise hat die Finanzmärkte im Griff: Nicht nur der Dax irrlichtert zwischen hohen Gewinnen und Verlusten hin und her. Die Börsen werden volatil und von der Politik bestimmt bleiben, sagt Virginie Maisonneuve, die bei der Fondsgesellschaft Schroders die globale Aktienstrategie verantwortet. Sie rät derzeit vom Einstieg ab.
Von Arne Gottschalck
Skepsis überwiegt: Virginie Maisonneuve von der Fondsgesellschaft Schroders

Skepsis überwiegt: Virginie Maisonneuve von der Fondsgesellschaft Schroders

mm: Frau Maisonneuve, frei nach Lehrbuch müsste man jetzt Aktien kaufen. Denn lauter werden die Kanonen ja kaum noch donnern können - oder doch?

Maisonneuve: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Zwar sind Aktien an den klassischen Parametern gemessen günstig - aber haben wir schon den Boden gesehen? Ich weiß es nicht. Ich denke, zuerst muss die generelle Richtung feststehen, die Börse ist derzeit noch völlig richtungslos und wird von der Politik bestimmt, nicht aber den Fundamentaldaten.

mm: Wir brauchen also den "Masterplan", die große Lösung?

Maisonneuve: Nein, es reicht erstmal schon, wenn die Richtung klar wäre.

mm: Wie könnte die aussehen?

Maisonneuve: Indem zum einen eine kurzfristige Lösung herbeigeführt wird.

mm: Über Eurobonds oder über ein unbegrenztes Anleihenkaufprogramm der Europäischen Zentralbank?

Maisonneuve: Zum Beispiel. Im Endeffekt kann und muss Deutschland das nahezu allein entscheiden. Frankreich ist nicht so stabil wie Deutschland. Noch aber zögert Deutschland, ich vermute, um den Druck auf die Südeuropäer aufrecht zu erhalten.

mm: Und dann doch zuzustimmen?

Maisonneuve: Vermutlich - aber nur gegen Konzessionen mit Blick auf die Entschuldung der Staatshaushalte. Noch allerdings ist das ein politischer Krieg, der an den Nerven zerrt. Wenn ich nach Hause komme, brauche ich kein Drama mehr im Fernsehen, das habe ich den ganzen Tag.

mm: Und Deutschland mittendrin, als Entscheidungsträger. Historisch könnte diese Führungsrolle einigen Ländern schwer zu vermitteln sein.

Maisonneuve: Vielleicht sollte tatsächlich der Internationale Währungsfonds in der Eurozone das Heft in die Hand nehmen, das wäre eine neutrale Instanz, was zum Beispiel die Asiaten gut finden würden, weil sie einen zentralen Ansprechpartner hätten. Sozusagen die eine Telefonnummer. Es geht um Vertrauen, das ist das Entscheidende.

mm: Und dann sinkt auch die Volatilität?

Maisonneuve: Die Volatilität wird im ersten Quartal 2012 hoch bleiben. Auch innerhalb eines Tages ist die Volatilität dramatisch angestiegen. Das liegt an der Vertrauenkrise, die sich weiterentwickelt und verstärkt hat. Es gibt nach wie vor keine klare Linie seitens der Politik, wie man den Einfluss der Staatsschuldenkrise verringern kann. Allerdings muss man einräumen, dass die EU auf so eine Krise auch nicht vorbereitet war, als politische Union ohne Fiskalunion.

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